E-Sport in Deutschland: Warum wir längst nicht da sind, wo wir sein könnten

Sarah Schindler 1

Egal ob TV, Zeitung oder Radio: Alle berichteten dieses Jahr über das E-Sport-Wunder in Berlin. Zum Start der aktuellen Dreamhack in Schweden, die just als eines der größten Turniere der Welt begonnen hat, machen wir den Realitätscheck in Deutschland. Wie weit ist unser Land, wenn es um den elektronischen Sport geht?

E-Sport in Deutschland: Warum wir längst nicht da sind, wo wir sein könnten

Blauer Whiskey

BarCraft-Berlin-Meltdown

Als GIGA auf mich zukam und fragte, ob ich Interesse hätte, einen Artikel über E-Sport zu schreiben, war ich gleich Feuer und Flamme. League of Legends, Team-Häuser und Bootcamps, ja sogar E-Sport-Bars standen in Aussicht. Als E-Sport-begeisterte Journalistin hätte ich mich nicht mehr freuen können. Alleine dieses Jahr bot sich in Deutschland einiges: Major Turniere in CS:GO (ESL One in Köln) und Dota 2 (ESL One in Frankfurt) sowie das Worlds Final in LoL in der Mercedes-Benz Arena in Berlin-Friedrichshain versprachen Ereignisse der Extraklasse zu werden. Fans, Teams und Cosplay, Shoutcaster direkt vor Ort, unglaubliche Preisgelder und tolle Pokale – vereint in einer Singularität, die all das bot, was auch der „herkömmliche“ Sport den Fans gibt.

„Insbesondere unsere Hauptstadt gehört da doch positiv herausgehoben“, dachte ich mir. Als ich dann jedoch in der E-Sport- und Gaming-Bar Meltdown in der Urbanstraße saß, und  einen Drink schlürfte – einen TLO– machte sich doch eine gewisse Ratlosigkeit breit. Ja, die Events sind da, die Hallen sind proppenvoll, aber viele Medien verstehen das Phänomen nicht mehr als ein reines „Kellerkinder“-Ding. Na gut, vielleicht abgesehen vom Stern. Aber bietet die Stadt wirklich alles, was ein E-Sport-Fan braucht?

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Dumm gelaufen – Spieler, die beim Cheaten erwischt wurden.

Comprende?

Schnell wurde klar, dass mich die Drinks nicht weiterbringen, deswegen blieb mir nur die Rückkehr zur Recherche. Interessanterweise bin ich nicht die Einzige, die sich für das Thema, insbesondere in dieser Region, interessiert. Im September stellte ein Abgeordneter der Piraten, Alexander Morlang, zwei schriftliche Anfragen zum Thema E-Sport in Berlin und dem Finalspiel der League of Legends-Weltmeisterschaft in der Hauptstadt. Zusammengefasst wurden folgende Fragen gestellt:

  • Was macht das Bundesland für und mit E-Sport?
  • Ist Berlin für E-Sport beziehungsweise Veranstalter von E-Sport Events interessant?
  • Versteht der Senat von Berlin überhaupt was E-Sport ist?

Leider sind die Antworten ernüchternd. Weder scheint der Berliner Senat wirklich zu verstehen, abgesehen von einer eher roboterhaften Beschreibung, was E-Sport ausmacht, noch beabsichtig man, über eine „Anpassung“ der Sportförderungsgesetze nachzudenken.

Zur Frage, ob Berlin überhaupt interessant ist, weiß man sich auch nur mit Hängen und Würgen aus der Affäre zu ziehen. Die, Zitat:

„Berlin Fashion Week, Berlin Web Week, Kongresse, Festivals, Museumsbesuche aber auch Sportveranstaltungen (darunter z.B. Fußball-Champions-League, ISTAF) gehören dabei zu den Hauptattraktionen.“

Mehr über E-Sport auf GIGA

Soso. Aha. Leuchtturmprojekte also. Überhaupt kann und wird E-Sport lediglich als wirtschaftlicher Faktor in einem Brei aus „Wir haben doch eine Gaming-Branche in Berlin!!!!“ wahrgenommen. Was als Senat natürlich nicht vollkommen ausbleiben darf – aber jeglichen Kulturaspekt rauszulassen, ist auch eher Quark.

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Was bleibt:

Sehen wir der Situation ins Auge: Ja, Berlin hat seine tollen Seiten. E-Sport gehört (bisher) nicht dazu. Abgesehen von ein paar wenigen, tollen Events steckt auch die Hauptstadt in der gleichen Starre wie der Rest des Landes. Während die USA Pro-Gamern Visa überreichen, Schweden CS:GO und StarCraft II zur Primetime im öffentlich-rechtlichen TV zeigt, und wir von Südkorea einfach mal nicht anfangen wollen, wird in Deutschland am Thema vorbei geredet.

Deswegen ist es auch recht einfach festzumachen, was uns bleibt: Lediglich die Mobilisierung. Auch wenn Deutschland schon oft genug auf die Nase gefallen ist, was Vereine, die E-Sport etablieren wollten, angeht, so können wir doch nicht locker lassen. Die Millionen Spielerinnen und Spieler, die Streams gucken, Karten kaufen oder auf LAN-Partys gehen, sind auch die Menschen, welche für Öffentlichkeit sorgen müssen. Stellt Anfragen an regionale Politiker – insbesondere an die in den Kultusministerien – erzählt Freunden davon und zeigt Flagge.

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