Deponia Test - Noch nie war Müll so schön

Jonas Wekenborg

Müll. Müll. Noch mehr Müll. Ein Leben in Ordnung und Zufriedenheit…ach nein, doch nur Müll. Rufus ist ein Tunichtgut und lebt in seiner eigenen Welt. Dass sein Körper dabei auf dem mit Schrott übersäten Planeten Deponia gefangen ist, gefällt ihm genauso wenig wie seinen Mitmenschen. Die wollen den überheblichen Störenfried nämlich am liebsten für immer loswerden.

Mit Deponia gelingt Daedelic ein neues Meisterstück des Adventure-Genres. Lead Designer Jan Müller-Michaelis schreibt, singt und spielt sich mit dem Schrott-Adventure wieder in die Herzen der Fans von Edna und Harvey. Dabei weicht er aber ein wenig von dem gewohnten Weg der unterhaltsamen, ein wenig verstörenden Titel ab.

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Rufus will raus aus dem Dreck. Und wenn es nach seinen Nachbarn im Müllhaufen Kuvaq geht, hätte auch niemand etwas dagegen. Allzu oft stiftet der abgehobene Dorfdepp Unruhe, wovon sogar ein Papagei zu berichten weiß. Am liebsten würde er dabei dem Pfad seines verschollenen Vaters folgen, der den Aufstieg in die Himmelsstadt Elysium bereits geschafft hat. Rufus hat auch bereits einen Plan – mal wieder.

Die Gegensätze zwischen unterster Unterschicht in Leid und Dreck und elitärer Oberschicht im Himmelreich wurden bereits vielfach in Büchern, Legenden und Filmen umgesetzt, doch keines davon nahm die Umstände so wörtlich.

Nach einer gerade-noch-so geglückten Landung auf einer der Himmelsfähren Richtung oben geht es allzu schnell zurück nach unten. Immerhin rettet Rufus dabei mit seiner tollpatschigen Art die Orbitelfe und elysianische Prinzessin Goal aus den Händen des Fiskus. Nach einem Sturz in den Müllberg ist allerdings ihr Bewusstseinsimplantat beschädigt worden und so ratzt die holde Schönheit immer wieder weg.

In einem Moment der Anwesenheit erkennt Goal in Rufus ihren Verlobten Cletus, der erkennt darin wiederum seine Fahrkarte in das Himmelsreich. Mühsam transportiert der Antiheld also die Prinzessin in Richtung Rettung und Erlösung und erlebt dabei wirre Abenteuer.

Machen wir uns nichts vor: Das Adventure-Genre grundlegend zu revolutionieren ist ein Kraftakt, den seit Lucas Arts kein anderes Studio mehr hingekriegt hat. Auch Deponia ist ein klassisches Point and Click-Abenteuer, bei dem sich Wimmelbilder, Kombinationsrätsel und Minispiele die Klinke in die Hand geben.

Das Suchen nimmt uns die optionale Hotspotanzeige ab. Die Kombinationsrätsel erfordern da schon mehr Sachverstand. So wurden für fast alle Kombinationen von Gegenständen, die man im Inventar oder der Umgebung anwenden kann, eigene Kommentare angelegt, die das Probieren wieder zu einem Spaß machen. Wer allerdings die vorherigen Adventures von Daedalic gespielt hat, kommt schnell auf die abstrusen Ideen, die zur Lösung eines Problems führen.

Anders ist es hier bei den Minispielen. Die sind zwar vortrefflich mit der Handlung verwoben, erscheinen aber an sich manchmal weit hergeholt. So lassen sich einige Hinweise nur einmal aufrufen und Hilfe von Rufus‘ Nachbarn sucht man meist vergebens. Wer hier scheitert, kann aber auch einfach die Rätsel überspringen – nur um schlussendlich festzustellen, dass die Lösung irgendwie doch ganz logisch waren.

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