Goodbye Deponia Test: Abwrackprämiert!

Leo Schmidt

Eine gute Reise ist nur dann gelungen, wenn sie auch zu einem guten Abschluss findet. Damit haben sich Daedalic das Leben selbst ziemlich schwer gemacht, denn nach einem tollen Auftakt und einer grandios ausgebauten Fortsetzung wird es nun Zeit, dass die Reise von Rufus über den Schrottplaneten Deponia ihr Ende findet. Den Vorgänger zu erreichen scheint schwer, ihn zu übertreffen scheint unmöglich.

Goodbye Deponia Test: Abwrackprämiert!

Doch Daedalic wären nicht Daedalic, wenn sie sich nicht in regelmäßigen Abständen wahnwitzigen Herausforderungen stellen würden, also ging ich frohen Mutes in das letzte Abenteuer des (manchmal ) sympathischen Losers mit dem Hang zum Katastrophenmagnetismus.

Die erste Warnung gleich vorweg: Es sollte sich von selbst verstehen, aber man kann Goodbye Deponia wirklich nicht folgen, wenn man die Vorgänger nicht gespielt hat, also versucht es gar nicht erst – oder noch besser: Versucht es, aber versucht es von Anfang an, ihr verpasst sonst eine tolle Adventure-Reihe.

Nach den Ereignissen des Vorgängers bleibt „nur“ noch ein Ziel: Das paradiesische Elysium muss erreicht und gewarnt werden, dass der Schrottplanet Deponia entgegen aller Einschätzungen doch bewohnt ist und somit nicht gesprengt werden darf. Zusammen mit der elfengleichen Goal muss Rufus nun also die Aufstiegsstation erreichen und dabei seinen Erzfeind und Rivalen Cletus ausschalten.

Klingt erstmal nach dem Plot der Vorgänger. Ist es auch. Nur verdichten sich die Stränge in Goodbye Deponia, seit langem offene Fragen werden beantwortet und das Spiel schafft es, man mag es kaum glauben, uns abermals zu überraschen und natürlich auch herzlich zum Lachen zu bringen. Da kann es dann schonmal passieren, dass man nach einer besonders dramatischen Storywendung erlebt, wie Rufus plötzlich im Tutoriallevel erwacht – und dann ist das Erstaunen groß.

Daedalic und Jan Müller-Michaelis setzen einmal mehr auf die alten Stärken: Schräge Charaktere, sowohl liebgewonnene Veteranen als auch neue Freaks, eine bestenfalls eigenwillig zu nennende Welt und ein Humor, der auf eine bewährte, immer noch funktionierende Formel setzt: überraschen, verwirren und manchmal ekeln.

Das überwältigende Gefühl von „Meine Güte, das ist ja IMMER NOCH großartig!“ setzt sich auch in ästhetischer Hinsicht durch. Die unglaublich lebendigen und plastischen Hintergründe übertreffen zwar nicht wirklich die der Vorgänger – wie auch? – , können aber erneut bezaubern, die Figuren sind ausdrucksstärker als je zuvor. Im Soundtrack wurde für meinen Geschmack ein bisschen viel recycelt, aber bei einer solchen Frequenz von Nachfolgern muss man auch irgendwo Abstriche machen. Selbst die Sprecher haben einen Schritt nach vorne gemacht, fühlen sich in ihren Rollen wohler und fügen sich organischer ein.

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Schrott sei Dank – ein gelungener Abschluss!

„Organisch“ ist vielleicht überhaupt das Zauberwort: Goodbye Deponia ist einfach rund. Als Adventure, als Abschluss, als Geschichte und überhaupt. Es fällt ein bisschen schwer, überhaupt noch etwas zu schreiben, was man nicht bereits über die Reihe gesagt oder was man von dem Finale der Schrott-Trilogie erwartet hat.

Und vielleicht muss man das auch gar nicht. Wer mit Deponia seit jeher nichts anfangen konnte – weil der immer noch vorhandene leichte Piefcharme, der so vielen deutschen Adventures eigen ist, nunmal nicht jedermanns Sache ist –

der wird auch jetzt nicht hineinfinden, zumal man ja die Vorgänger gespielt haben muss. Und wer Fan ist, der muss Goodbye Deponia spielen und wird es lieben. Als finale Pointe ist es sehr gelungen, und kleinere Schwächen, etwa sporadische Aussetzer in der Rätsellogik oder ein Charakter, der dann doch mal im Vergleich etwas blasser geraten ist, verschwinden nahezu hinter einer Riesenladung Zauber.

Goodbye Deponia ist, wie seine Vorgänger, eben nicht perfekt, und so muss es sein. Seine Schwächen tragen zum Charme bei, und ein gelegentliches Hochziehen der Augenbraue wegen eines sehr beknackten Rätsels oder eines Witzes, der sich ein Stück weiter als üblich unter die Gürtellinie wagt, sind nunmal Teil des insgesamt fabelhaften Gesamteindrucks. Die alte Mottenformel „Wer die Vorgänger mochte, wird den Nachfolger lieben.“ wird hier zu seinem logischen Extrem gebracht: Wer die Vorgänger gespielt hat, muss sich Goodbye Deponia geben. Alle anderen gehen auf Abstand, verpassen aber unleugbar eine der besten Adventure-Reihen überhaupt.

Fazit

Geht bei Reihen wie Deponia überhaupt noch „größer, besser, schöner“? Es geht, und wenn es sich vielleicht auch nur darum dreht, die Reise zu beenden und dabei das bereits etablierte hohe Niveau zu halten. Goodbye Deponia ist gleichermaßen charmant wie episch. Es ist professionell gearbeitet und doch baut man sofort eine Freundschaft zu ihm auf – als hätte man den schönsten Menschen der Welt am Bartresen getroffen und würde sich nach ein paar Minuten mit ihm scheckig lachen, weil er einfach so authentisch und kumpelig ist.

Aber was schreib ich;: Ihr kommt um das Spiel nicht herum, es sei denn, ihr habt die Vorgänger nicht gespielt, und dann verpasst ihr wirklich etwas. Ohne diesen cleveren, wundervoll gearbeiteten und gestalteten Teil bleibt euch die Deponia-Trilogie ihre Antworten schuldig, also habt ihr als Fan keine Wahl – und wir sollten Daedalic daher dankbar sein, dass sie sich nicht auf diesem Umstand ausruhen, sondern stattdessen einen äußerst würdigen Abschluss gezaubert haben.

 

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