Henry und John waren Freunde... oder sind es noch?

Crimson Cow und die Pendulo Studios kennt man aufgrund ihres farbenfrohen, stark stilisierten Zeichentrick-Stils. Dem bleiben sie auch durchaus treu, doch wer einen der Vorgängertitel niemals gespielt hat, würde sich wundern, wie harmlos die im Vergleich zu „Der Fall von John Yesterday“ waren. Hier fliegen Kugeln, Fingernägel werden gezupft und Menschen geopfert wie andere Salz auf ihr Ei streuen.

Dabei wirkt der französische Art-Stil gar nicht mal so unangebracht. Angebabte Augenbrauen können auch gerunzelt werden und riesige Münder lassen sich zu hervorragenden Grimassen verziehen. Abgerundet wird der Erzählstil schließlich von Comic-Panels, die Unterhaltungen und Zwischensequenzen rahmen sollen.

Fließende Gesichtsanimationen paaren sich hier mit exzellenten Sprechern, der Wortwitz ist mitunter ein wenig lahm, ist aber in dem recht erwachsenen Setting eh eher fehl am Platz. Dafür weckt der sarkastische Kommentator das ein oder andere Mal mit einer Bemerkung einen Schmunzler. Furchtbar beunruhigend dagegen ist vor allem das aus dem Trailer bekannte Pfeifen, das viele düstere, spannungsgeladene Szenen untermalt. Und von denen gibt es reichlich.

Allzu oft geschieht es, dass wir uns dabei ertappen nach einer eingeblendeten Uhr zu suchen, die uns zur Eile treiben soll. Zum Glück finden wir sie aber nicht, ein schnelleres Vorankommen erleben wir dabei unbewusst aber dennoch.

Einen ersten Eindruck auf den Orden des Fleisches bietet der wahnsinnige Obdachlose Choke.

Dabei lassen sich alle Rätsel mit genügend Hirnschmalz lösen. Das Lösen von Kombinationsrätsel sollte ja ohnehin zum Repertoire eines geschulten Adventure-Spielers gehören. Wer in den meist auf zwei oder drei Screens beschränkten Schauplätzen keinen Hinweis auf eine Lösung entdeckt, kann auch einen sich ab und an verfügbaren Tipp vom Erzähler geben lassen oder einfach noch einmal alle Hotspots absuchen.

Wichtig sind natürlich auch Gespräche mit den anwesenden Statisten. Dabei verfällt John immer öfter in Flashbacks, die ihm Erinnerungen zurückgeben. Bei bestimmten Frage- oder Antwortmöglichkeiten funkt der Kommentator allerdings dazwischen und klärt uns auf, dass das Ausgewählte nun besser nicht angebracht wäre – das rettet uns mitunter den Hintern vorm Erschossenwerden.

Ausblick:

„Der Fall John Yesterday“ ist ein beklemmender Psycho-Thriller, wie ich ihn lange nicht erlebt habe. Die Comic-Aufmachung lässt erst noch auf eine witzige Handlung mit knuddeligen Charakteren hoffen, wird aber sehr schnell negiert. Unterdessen kann es in der humoresken Schlacht der beiden deutschen Adventure-Schmieden nicht mithalten, weil es einfach einen reinweg anderen Weg einschlägt - den schmutzigen, unliebsamen, der eine speziellere Zielgruppe anspricht.

Der Stil mag Geschmackssache sein, doch wer „Black Mirror“ zu lahm fand und lieber ein Adventure in Richtung SAW erleben möchte, wird an „Der Fall John Yesterday“ seine wahre – wenn auch schaurige und perverse – Freude haben.

Ersteindruck: Gut

 

Das ultimative Skyrim-Quiz: Wie gut kennst du The Elder Scrolls 5: Skyrim wirklich?