Destiny 2 ist ein gutes Spiel geworden, enttäuscht aber ausgerechnet Fans des Vorgängers. Wir fassen zusammen, warum Bungie den Nachfolger für die falsche Zielgruppe entwickelt hat.

 

Destiny 2

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Die Erweiterung Fluch des Osiris steht kurz bevor. Kann der DLC die größten Probleme beheben?

Destiny 2 - Fluch des Osiris DLC - Trailer

Die Destiny 2-Community ist gespalten. Ohne Frage hat Entwickler Bungie im Kern ein absolut solides Spiel abgeliefert, doch ausgerechnet die treuesten Fans, die den Vorgänger über Jahre hinweg regelmäßig gespielt haben, sind mit dem Nachfolger unzufrieden. Woran das liegt, hat resetera-Nutzer kayos90 in einem umfangreichen Thread zusammengefasst und analysiert:

Die Kluft zwischen Hardcore- und Gelegenheitsspielern

Welcher Spielertyp ist die Hauptzielgruppe von Destiny? Welcher Spielertyp ist die Hauptzielgruppe von Destiny 2? Überschneiden sich diese Zielgruppen? Im Fall des ersten Serienteil lässt sich die Frage relativ eindeutig beantworten. Die Spieler, die Destiny über Jahre hinweg gespielt haben und zu dem Phänomen gemacht haben, das es heute ist, sind die Hardcore-Spieler. Diejenigen, die sich regelmäßig auf die Jagd nach neuem und besserem Loot und Gear gemacht haben. Aktuell kannst du Destiny 2 übrigens kostenlos ausprobieren:

Destiny 2 Free Trial Trailer

Dennoch hatten auch Gelegenheitsspieler ihren Spaß am Original. Das lag vor allem an der Erweiterung The Taken King, die Destiny eine zugängliche, zusammenhängende Story spendiert hat, die es deutlich vereinfachte, einen Zugang zum komplexen Science-Fiction-Universum zu finden. Lange genug zu spielen, um auch die besten Waffen freizuschalten, war jedoch nicht im Sinne der meisten Gelegenheitsspieler. Der langwierige Grind nach exotischen Waffen verblieb daher größtenteils in den Händen der Hardcore-Spieler, die auch Jahre nach Release noch die Server füllten. Bungie konnte aus Destiny also einige relevante Lehren ziehen: Die wichtigste Zielgruppe, die langfristig das Spiel bevölkern, sind die Hardcore-Spieler. Gelegenheitsspieler genießen die zugängliche Story-Kampagne, haben aber nicht genug Geduld für langfristiges Grinding. Aber wurden diese Lehren auch konsequent in Destiny 2 umgesetzt?

Ein Spiel für alle und niemanden

Für Destiny 2 hat Bungie auf die Community gehört. Nur dummerweise auf den falschen Teil der Community. Destiny 2 ist zugänglich und spendabel — selbst Gelegenheitsspieler haben am Ende der Kampagne in der regel vier oder fünf exotische Waffen im Gepäck. Ein Fest also für Gelegenheitsspieler, die dem Titel kurze Zeit später prompt den Rücken kehren und auf die nächste Erweiterung warten. Hardcore-Spieler hingegen gucken in die Röhre. Das Endgame von Destiny 2 ist zäh. Mit diesen Tipps klappt es aber trotzdem. Vielleicht.

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Destiny 2: 13 Tipps, die euch im Endgame helfen werden

Da das Finden exotischer Waffen in Destiny 2 viel mehr eine Frage von Glück und weniger eine Frage von Leidenschaft und investierte Zeit ist, fehlt die rechte Motivation im Endgame. Warum noch anspruchsvolle Raids absolvieren, wenn diese nur noch mit kosmetischen Belohnungen aufwarten? Hardcore-Spieler haben also wenig Grund, langfristig Zeit in Destiny 2 zu investieren. Nun wurde Destiny 2 aber als „Games as a Service“-Titel konzipiert, inklusive Mikrotransaktionen und Loot-Boxen, hier Glanz-Engramme genannt, die engagierten Spielern, die ohnehin einen Großteil ihrer Zeit in Destiny 2 verbringen, potentielle Anreize bieten den ein oder anderen Euro zu investieren, um sich exklusive und besonders coole Skins zu leisten. Für Gelegenheitsspieler sind derartige kosmetische Statussymbole schließlich eher irrelevant. Das Problem ist nur: Wer soll diese Glanz-Engramme kaufen, wenn selbst Hardcore-Spieler Destiny 2 nicht langfristig spielen?

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Soweit verständlich? Hier noch einmal die Zusammenfassung: Destiny hat eine treue Fan-Gemeinde aus Hardcore-Spielern aufgebaut. Dennoch wurden die Belohnungen von Destiny 2 primär auf Gelegenheitsspieler zugeschnitten, die das Spiel nach einiger Zeit wieder verlassen. Hardcore-Spieler haben aufgrund dieses Systems hingegen keinen Grund, Destiny 2 langfristig zu spielen, wodurch das Spiel letztendlich keine regelmäßigen Spieler besitzt, die das neue entworfene „Games as a Servie“-Modell rentabel machen. In der kommenden Erweiterten Fluch des Osiris muss Bungie es also schaffen, die Hardcore-Spieler, ihre eigentliche Zielgruppe, wieder langfristig zu binden und ihnen Belohnungen und Herausforderungen vor die Nase setzen, die sich wieder wirklich lohnen. Dann — vielleicht — klappt's auch mit den Mikrotransaktionen.

Welcher Fraktion in Destiny 2 tretet ihr bei?

Alexander Gehlsdorf
Alexander Gehlsdorf, GIGA-Experte für Magic the Gathering, Tests, Star Wars und Wortspiele.

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