Destiny Ersteindruck: Noch nicht überwältigt

Robin Schweiger 9

Destiny wird das größte, beste, wichtigste Spiel des Jahres – da scheint kaum jemand dran zu zweifeln. Mit der Unterstützung von Sony, die Destiny nach eigener Aussage wie ein First-Party-Spiel behandeln, einem scheinbar endlosen Marketingbudget und einer sehr erfolgreichen Beta-Phase wurde Bungies neuer Shooter schon durch die Vorbestellungen zu einem finanziellen Erfolg. Kann das Spiel diesem Hype gerecht werden? Ein Ersteindruck.

Destiny Ersteindruck: Noch nicht überwältigt

Bei der großen Diskussion, was genau „Destiny“ denn nun eigentlich ist, lässt sich eines ganz klar sagen: „Destiny“ ist kein Singleplayer-Shooter. Wer seine Konsole mit der Erwartung anwirft, nach „Halo“ eine weitere, großartige Kampagne von Bungie präsentiert zu bekommen, der wird unweigerlich enttäuscht werden. Die Geschichte von „Destiny“ ist nahezu nicht existent, spektakuläre Skript-Sequenzen sind Mangelware.

UPDATE: Inzwischen gibt es auch das erste Test-Tagebuch zu Destiny:

Destiny - Test-Tagebuch #1.

Fast jede der 16 Story-Missionen, die ich bisher erledigte, war nach dem gleichen Muster aufgebaut: Ohne viel Kontext erscheint eine neue Mission im Auswahlmenü und ein zehn-sekündiges Voice Over versucht mir zu erklären, was ich nun zu tun habe. Nach einer kurzen Ladezeit leitet mich ein Wegpunkt durch die Karte bis zu meinem Ziel, wo ich meinen immer präsenten Ghost – die „Destiny“-Variante von „Halos“ Cortana – ein Terminal hacken oder einen Gegenstand untersuchen lasse, während ich ihn gegen einige Wellen von Gegnern verteidige. Währenddessen gibt er mir immer mal wieder zu verstehen, dass der Planeten-große „Traveller“ von der „Dunkelheit“ gejagt werden und ich seine einzige Hoffnung sein würde.

Gelegentlich wirkt es so, als würde tatsächlich eine nachvollziehbare Geschichte aufgebaut werden: Etwa, wenn wir in einer der ersten Missionen auf der Erde eine verloren geglaubte KI entdecken, die irgendetwas Wertvolles zu beschützen scheint. Statt diesen Pfad aber weiter zu erkunden, erscheint anschließend schlicht die nächste Story-Mission auf der Karte, die diesen Teil der Geschichte wieder völlig vergisst. Zwischensequenzen sind die absolute Ausnahme, sämtliche Hintergrundinformationen werden in Form von „Grimoires“ freigeschaltet, die allerdings nur mit der „Destiny“-App oder auf Bungies Webseite einsehbar sind. Das Ergebnis: Ich habe keine Ahnung, was der Traveller ist, wer ich bin, warum ich durch die Welt fliege oder wovon mein Ghost die Hälfte der Zeit erzählt. Auf dem Mond gibt es Hexen? Meinetwegen.

Destiny Trailer 1.mp4.
Trotzdem habe ich bisher viel Spaß mit „Destiny“. Das hat vor allen Dingen mit den unmittelbaren Spielmechaniken und dem implementierten Loot-System zu tun. Auch wenn die Missionen immer gleich aufgebaut sind, machen sie mir trotzdem Spaß, weil der Kampf gegen die organisierten „Fallen“ oder die insektenähnlichen „Hive“ immer spannend bleibt. Wie man es vom „Halo“-Entwickler erwartet, macht das Ballern und Nutzen der Klassen-spezifischen Fähigkeiten so viel Spaß, dass ich gar nicht viel Kontext dafür brauche.

Als Hexenmeister liebe ich es, meine Vortex-Granaten mitten in große Gegner-Gruppen zu schmeißen, um anschließend mit meinem mächtigen Scharfschützengewehr die stärksten Feinde aus der Ferne auszuschalten und daraufhin mit dem an einen Macht-Stoß aus „Star Wars“ erinnernden Nahkampfangriff kombiniert mit meiner Schrotflinte alles, was noch übrig bleibt, plattzumachen.

Neben den Story-Missionen gibt es die Möglichkeit, jedes der vier Gebiete – Alt-Russland auf der Erde, den Mond, Mars und Venus – im Patrouille-Modus völlig frei zu erkunden. Hier haben wir die beste Gelegenheit, nach Schatzkisten zu suchen und unseren Charakter mit überall verteilten Nebenmissionen der Marke „Töte 10 von X“ und „Verteidige Punkt Y“ aufzuleveln. Abwechslung gibt es dank Zufalls-Events, in denen etwa ein besonders starker Alien-Panzer von einem Luftschiff abgeworfen wird. Schaffe ich es, ihn gemeinsam mit anderen in der Nähe befindlichen Spielern innerhalb eines Zeitlimits zu erledigen, winken besonders gute Rüstungsgegenstände und Waffen sowie reichlich Erfahrungspunkte.

Destiny - Launch Gameplay Trailer.mp4.
Das alles macht Spaß. Dank des großartigen Art-Designs und der technisch starken Grafik lechze ich ständig nach einem neuen Rüstungsteil, um meinen Hexenmeister noch ein bisschen cooler aussehen zu lassen. Meine Ausrüstung levelt zudem ständig mit und schaltet so neue Boni frei, mit denen sich etwa meine Spezialfertigkeiten schneller aufladen oder meine Waffen deutlich mehr Schaden machen.

Doch während ich so über den Mond wanderte, stellte sich bei mir nach und nach immer mehr die Frage: „War’s das schon?“. Vier große, aber nicht gigantische Gebiete, eine Kampagne ohne Geschichte, spaßige Spielmechaniken und ein aus zahllosen Rollenspielen bekanntes Lootsystem? Nein, das war es vermutlich noch nicht. Den PVP-Modus habe ich bisher genauso wenig zu Gesicht bekommen wie die meisten der sogenannten „Strikes“ - die „Destiny“-Version der aus MMORPGs bekannten Dungeons – und die auf sechs Spieler ausgelegten Raids. Es ist die große Frage, die darüber entscheiden wird, ob ich „Destiny“ als gut oder großartig bezeichnen werde: Ist die enttäuschende Kampagne lediglich eine Art Tutorial für den spektakulären Endgame-Content ab Level 20, oder hat „Bungie“ mit ihren vollmundigen Versprechungen zu hohe Erwartungen geweckt? Im bald folgenden Test-Tagebuch halte ich euch in Video-Form auf dem Laufenden!

Destiny - Planet View Trailer.mp4.

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