Kopf aus, Konsole an: Warum stumpfe Spiele Balsam für mein Hirn sind

Anne Wernicke 33

Videospiele sind der kreative Spielplatz für tausende Entwickler und Programmierer aus aller Welt. Der Fantasie werden keine Grenzen gesetzt und so beeindrucken uns jene Menschen ständig mit rührenden Geschichten, bombastischen Actionpassagen und hochemotionalen Soundtracks. Umso verwunderlicher ist es für Unsereins, wenn dieser kreative Freiraum scheinbar nicht genutzt wird und uns Spiele serviert werden, die uns entweder durch ständige Wiederholungen, ödes Leveldesign oder schwammiges Gameplay zu Tode langweilen. Warum aber genau diese Spiele meinen Feierabend retten, möchte ich euch in diesem Artikel näher erklären.

Kopf aus, Konsole an: Warum stumpfe Spiele Balsam für mein Hirn sind

Früher war alles besser

Werfen wir zunächst einen Blick in meine Jugend. Die 16-jährige Anne war jeden Tag sechs bis acht Stunden in der Schule und hat sich einen S*** für ihre Hausaufgaben interessiert, was rückblickend nicht sehr schlau war. Das erlaubte ihr allerdings ihre übliche Freizeit in Freunde, Filme und Videospiele zu investieren. Wenn sie um 15 Uhr nach Hause kam, war ihr Gehirn nicht annähernd ausgelastet. Es blieb also genug Zeit und Kapazität sich unter anderem epochale Videospielschinken einzuverleiben.

In der Uni wurde dieses Unterfangen schon etwas schwieriger. Die 20-jährige Anne hatte ein sehr praxisorientiertes Studium und ihr Wochenendjob bei einer großen Fast-Food-Kette schränkte sie zusätzlich ein. Trotzdem sind die großen Geschichten und die anspruchsvollen Spiele nicht zu kurz gekommen.

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In der Arbeitswelt, in der ich nun mein Dasein friste, wird mein Gehirn stärker denn je beansprucht. Ich habe das Glück mich beruflich mit Videospielen zu befassen, was aber nicht heißt, dass ich jeden Tag ausgiebig zum Zocken komme. Ganz im Gegenteil: Nach Feierabend bin ich froh, wenn ich mal ein Spiel spielen kann, das meine Gehirnwindungen nicht allzu sehr beansprucht.

Bedeutet das aber gleichzeitig auch, dass diese simplen Titel, denen wir Einfalls- und Anspruchslosigkeit vorwerfen, schlecht sind? Nein! Und genau hier liegt der Hund begraben.

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Fallbeispiel Destiny

Destiny Dunkelheit lauert Launch-Trailer.

 

Zum gefühlt hundertsten Mal patrouilliere ich schon auf dem Mars. Ich gleite mit dem Sparrow durch die Gegend und suche nach Leuchtsignalen, um neue Missionen zu bestreiten. Wiedermal erhalte ich den Auftrag eine Horde Gegner zu eliminieren. Ich lege mich also auf die Lauer, packe meine Sniper-Rifle aus und nehme aus sicherer Entfernung meine Gegner ins Visier. In der nächsten Mission gilt es irgendwelche Fragmente zu beschaffen. Ich schnappe mir mit dem Scout-Gewehr meine Lieblingswaffe und stürze mich in einen Haufen sich bekriegender Vex und Kabale. So geht es Tag ein, Tag aus.

Destiny ist der Inbegriff des No-Brainers. Die Story ist nicht nur hanebüchen, sondern auch plump erzählt und damit irrelevant. Das Leveldesign ist zudem schlicht repetitiv und gleicht einem orange-blauen Brei aus freier Fläche und monotonen Gebäudekomplexen. Tja, und das Loot-System ist trotz Patches nach wie vor nicht zufriedenstellend. Bleiben noch die Missionen - doch auch diese sind alles andere als spannend oder gar abwechslungsreich.

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Das Ass, das Destiny ausspielt, ist gutes Gameplay. So gutes Gameplay, dass ich stundenlang über Planeten hüpfe und generische Gegner töte. Waffen, die unglaublich gut in der virtuellen Hand liegen und präzise ihre Pflicht erfüllen. Strikes, die ich im Team bestreite und mit denen ich eine Weile gut zu tun habe. Ja, Destiny hat nicht das gehalten, was Bungie und Activision uns versprochen haben - aber trotzdem erfüllt es einen Zweck. Den Zweck mein Gehirn so zu stimulieren, ohne es zu sehr zu beanspruchen. Der stumpfe Kreislauf des „ballern, looten, leveln und ballern“ mag für eine Vielzahl von Menschen langweilig wirken. Für mich ist er pure Entspannung.

Die Leichtigkeit des Seins

Generell ist das Shooter-Genre bestens geeignet, um den Kopf freizukriegen. Titel wie die Earth-Defense-Force-Reihe sind vielleicht kein grafisches Wunder und erzählen nicht die besten Geschichten, aber sie unterhalten mich blendend und helfen mir mit ihrem einfachen, aber hervorragend funktionierenden Konzept zu entspannen. Spielen dieser Art wird Stumpfsinn vorgeworfen und werden auf Grund dessen als schlechtes Spiel abgestempelt. Doch nach welchem Maßstab definieren wir „schlecht“? Bedeutet es, dass ein Spiel repetitiv und eintönig ist oder keine gute Geschichte erzählt?

Earth-Defence-Force-2025

Ich denke, dass ein Spiel nicht schlecht sein kann, solange es euch auf irgendeiner Art und Weise anspricht. Titel wie Destiny oder Earth Defense Force sind vielleicht in Sachen Missionsdesign oder Optik keine revolutionären Knüller, dennoch warten sie mit ganz individuellen Stärken wie eben charmanten Stumpfsinn auf, die mich immer wieder an die Konsole fesseln. Aus diesem Grund würde ich mir für solche Titel eine höhere Toleranzschwelle wünschen und konservativen Spielern den Rat geben, über den Tellerrand hinaus zu blicken. Stumpfsinn ist ein sehr negativ belasteter Begriff und sollte in diesem Zusammenhang als positive Eigenschaft aufgefasst werden. Einmal nicht denken zu müssen tut uns gut und Titel, die wir vielleicht verteufeln, können uns genau dabei helfen.

Deswegen möchte ich folgendes loswerden: Vielen Dank Bungie! Viele mögt ihr enttäuscht haben, aber mir habt ihr einen großen Gefallen getan.

Wie gut kennst du Destiny? (Quiz)

Egal ob Schar, Gefallene oder Kabale - niemand hat eine Chance gegen euch und ihr kennt jeden Winkel in der Welt von Destiny? Beweist euer Wissen in unserem Quiz!

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