Detroit - Become Human in der Vorschau: Wenn Maschinen zu besseren Menschen werden

Lisa Fleischer 1

2038. Einfache Arbeiten im Haushalt, auf Baustellen oder im Einzelhandel werden von Androiden übernommen. Dem Menschen gleichgestellt sind sie nicht. Trotzdem beginnen sie sich weiterzuentwickeln – können sie menschlich werden?

Detroit: Become Human – Darum geht es.

Dieser Frage geht Detroit: Become Human nach. Das neue Spiel von Quantic Dream, die vor allem für Heavy Rain bekannt sein dürften, lässt dich die Kontrolle über drei der Androiden übernehmen: Du spielst den Pflege-Androiden Markus, die Haushalts-Androidin Kara und den Polizei-Androiden Connor. Alle drei sind Anfangs nicht miteinander verbunden, sie alle haben ein eigenes Schicksal. Wie ihre Geschichte beginnt und was die drei Charaktere jeweils auszeichnet, konnte ich jetzt schon in einer dreistündigen spielbaren Demo erleben.

Vom Roboter zum denkenden Wesen

Während sich Computer in unseren heutigen Zeit wenig bis gar nichts selbst beibringen können, basieren die Androiden in Detroit: Become Human auf künstlichen Intelligenzen. Sie können selbst Entscheidungen treffen, neue Dinge lernen und sich sogar genauso wie Menschen artikulieren – solange ihre Handlung im Rahmen ihrer Programmierung bleibt. Tun sie das nicht, gelten sie als kaputt, im schlimmsten Fall droht ihnen die Abschaltung – und damit die Auslöschung all ihrer Erinnerungen.

Während zwei der drei Charaktere, die in Detroit: Become Human eine Rolle spielen, zumindest in den bislang veröffentlichten Trailern selbstbestimmt handeln, agieren sie in den ersten drei Stunden, die ich gespielt habe, ihrer Programmierung entsprechend. Kara, die repariert werden musste und in Folge dessen ihre bisherigen Erinnerungen verlor, versucht sich in ihre eigentlichen Aufgaben einzuarbeiten und will das Vertrauen der Tochter ihres Besitzers wiedergewinnen. Und auch, wenn der alte Künstler, auf den Markus aufpasst, mehr in ihm sieht, handelt Markus alleine auf Befehl – selbst, wenn es um kreative Aufgaben geht, kopiert er Vorhandenes anstatt selbst etwas zu erschaffen.

Das ändert sich, sobald die Charaktere mit sehr schlimmen Situationen konfrontiert werden. Während Polizei-Android Connor offenbar wegen seines vorherbestimmten Berufs ein dickeres Fell zugestanden wurde und den kühlen Charakter nichts so schnell aus der Ruhe bringt, sind Kara und Markus ähnlich labil wie Menschen. Ihnen beiden setzt jeweils eine ganz bestimmte Situation im Spiel so schwer zu, dass sie an die Grenzen ihrer Programmierung stoßen – und die Chance bekommen, diese zu durchbrechen.

Dadurch können sie fortan genauso Entscheidungen treffen wie Menschen – wenn nicht gar bessere. Wie schon so oft zeichnet Entwickler Quantic Dream auch in Detroit: Become Human ein sehr düsteres Bild von Menschen. Durch die hohe Arbeitslosigkeit infolge des verstärkten Einsatzes von Androiden in der Berufswelt leben zahlreiche Menschen in Armut, sie lenken sich mit Drogen ab und kommen dadurch auf düstere Gedanken.

Wie in Heavy Rain haben die Menschen teils psychopathische Tendenzen, einer der Nebencharaktere setzt seiner Tochter sichtlich zu, nur weil er sich einbildet, sie würde ihn verachten – was natürlich nicht stimmt. Diese Abgründe der Menschheit stehe in krassem Kontrast zu den fast schon unschuldig wirkenden Androiden. Sie erscheinen wie bessere Menschen, ihre Rechenleistung lässt es zu, Emotionen zu empfinden und gleichzeitig analytisch zu denken und zu handeln.

Quicktime-Events für Fortgeschrittene

Nicht nur die düstere Stimmung haben die Entwickler von Quantic Dream aus alten Spielen übernommen. Detroit: Become Human ist erneut mehr spielbarer Film als richtiges Videospiel, du kannst dich zwar relativ frei bewegen, die meisten Aktionen sind aber Quicktime-Events. Damit dir vom ständigen Knöpfe-auf-Kommando-Drücken nicht langweilig wird, wird der PS4-Controller voll und ganz ausgenutzt. Du drückst nicht nur Knöpfe, sondern schüttelst den Controller oder benutzt das Touchpad für bestimmte Aktionen.

Außerdem gibt es wieder mehrere Schwierigkeitsgrade. Während die Kamera im einfachen Modus voreingestellt ist, musst du sie im Modus für erfahrene Spieler selbst steuern. Das eröffnet dir neue Perspektiven, allerdings lässt sich die Kamera nicht ganz so flüssig bewegen wie aus anderen Spielen gewohnt, sodass ich Anfangs noch meine Probleme hatte, den Blick geradeaus zu richten. Mit der Zeit habe ich mich jedoch daran gewöhnt, nach einigen Minuten hatte ich fast keine Probleme mehr mit ihr.

Die Werbekampagne von Detroit traf voll ins Schwarze

Ob der Schwierigkeitsgrad auch das Gameplay beeinflusst, konnte ich nicht überprüfen, darum nur so viel: Zumindest im schwierigeren Modus sind einige Sequenzen trotz Quicktime-Events richtig fordernd, teilweise musst du Tasten in so schneller Frequenz hintereinander drücken, dass selbst erfahrene Spieler ins Schwitzen kommen dürften. Schließlich steht wieder viel auf dem Spiel. Versemmelst du eine Abfolge komplett, kann es durchaus sein, dass du einen NPC versehentlich umbringst – oder gar einer deiner Charaktere dran glauben muss.

Während Menschen bekanntlich nur ein Leben haben, wäre es durchaus denkbar, dass ein zerstörter Android repariert wird und zurückkehrt. Ob das auch im Spiel genutzt wird und du mehrere Chancen hast, ist noch nicht bekannt.

Wunderschön bis ins letzte Detail

Detroit: Become Human hat seinen Anfang in der Tech-Demo Kara für die PlayStation 3. Weil die Demo so großartig aussah, waren die Erwartungen an die Grafik des finalen Spiels dementsprechend groß. Schließlich ist die Demo schon vor sechs Jahren entstanden, die Technik hat sich seitdem wesentlich weiterentwickelt und bietet viel Luft nach oben. Diesen hohen Erwartungen wird Detroit: Become Human tatsächlich gerecht.

Die Charaktere artikulieren und gestikulieren nicht nur ähnlich wie echte Menschen, ihr Design ist auch unglaublich detailliert. Vor allem ihre Gesichter strahlen das pure Leben aus, sie haben Narben, Leberflecke, Sommersprossen, Falten, ja sogar Poren.

Detroit: Become Human – Interview mit Connor.

Damit die Figuren so realistisch wie möglich aussehen, haben sie reale Schauspieler als Vorlagen, deren körperliche Merkmale fast eins zu eins übernommen wurden, wie ein Making-Off-Video eindrucksvoll beweist. Insgesamt haben die Motion-Capturing-Sessions ein bis zwei Jahre in Anspruch genommen, circa 300 Schauspieler waren an dem Projekt beteiligt, erzählen mir die Entwickler.

Wenn Androiden menschlicher sind als die Menschheit selbst

Detroit: Become Human erzählt natürlich an sich nichts Neues. Geschichten um Androiden oder KIs, die dem Menschen immer ähnlicher werden, aber dennoch von ihm unterdrückt werden, kennen wir schon aus Filmen wie Blade Runner. Trotzdem schafft es Detroit, der Thematik einen neuen Dreh zu geben. Anders als in Filmen schaust du nicht etwa auf die andersartigen Androiden herab, sondern wirst selbst zu welchen. Dadurch bekommst nicht nur du eine neue Perspektive, die Grenzen verschwimmen, durch deine Entscheidungen werden auch die Androiden immer menschlicher.

Apropos Entscheidungen: Auch, wenn ich aktuell natürlich noch nicht alle Konsequenzen meiner Entscheidungen absehen kann, hatte ich zumindest das Gefühl, dass sie das Spiel entscheidend beeinflusst haben. Anders als bei gescripteten Spielen wie A Way Out und den Telltale-Abenteuern gibt es eine große Bandbreite an Entscheidungsmöglichkeiten, von pazifistischen bis hin zu chaotischen Wegen ist alles dabei. Selbst, als einer der Charaktere die eigene Programmierung durchbricht, muss er nicht unbedingt das Gegenteil seiner Programmierung tun, sondern kann seinen Befehlen auch folgen – allerdings aus eigener Entscheidung.

Auch Telltale Games entwickelt bekanntlich spielbare Filme – das sind all ihre Werke:

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Telltale Games: Alle Spiele in der Übersicht!

Obwohl ich Androiden steuerte, blieb meine emotionale Identifikation nicht aus. Im Gegenteil: Gerade weil die Androiden anfangs so unschuldig, durch und durch gut handeln, geht es mir besonders nahe, droht ihnen Gefahr. An einer Stelle ist die Atmosphäre im Spiel so drückend und bedrohlich, dass ich sogar anfange zu zittern, befürchte ich doch, einen meiner geliebten Charaktere zu verlieren. Während menschliche NPCs Abgründe offenbaren und fast schon böse erscheinen, sind die Androiden die wahren Menschen von Detroit – ob sie als solche auch anerkannt werden, wird sich im fertigen Spiel zeigen.

Detroit: Become Human erscheint am 25. Mai 2018 exklusiv für die PlayStation 4. Wirst du dir das neue Werk von Quantic Dream genauer anschauen oder sind Story-Spiele mit Quicktime-Events statt taktischer Gameplay-Elemente eher nichts für dich?

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