Wie ein kleines Mädchen Adam Jensens Arm bekam - Die Geschichte von Tilly Lockey

Constantin Krüger

Tilly Lockey war ein Jahr alt, als sie an Meningitis erkrankte und tagelang mit dem Tod kämpfte. Durch die Krankheit verlor sie beide Hände. Dies ist ihre Geschichte.

Augmented Future - Open Bionics × Deus Ex × Razer.

Großbritannien, 2007. Tilly Lockey war ein Jahr alt und bis zu diesem Zeitpunkt ein ganz normales und gesundes Kind. Doch eines Abends lag sie wimmernd mit erhöhter Temperatur im Bett. Ihre Mutter Sarah bemerkte schnell, dass etwas nicht stimmte. Ein Arzt diagnostizierte eine Ohrenentzündung und verschrieb Medikamente. Doch als dunkle Flecken auf Tillys Haut erschienen war klar, dass hier etwas Schreckliches passiert war: Tilly war an Meningokokken erkrankt. Bei dieser Krankheit dringen die Bakterien über die Atemwege ein und verursachen Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen. Besonders bei Kleinkindern kann diese Krankheit lebensgefählich werden.

 

Ihre Mutter erinnert sich:

„Noch heute verfolgen mich die Bilder. Tilly, wie sie ihre kleine Hand ausstreckte und „Mama, Mama“ stammelte, bevor sie im Krankenwagen das Bewusstsein verlor. Ich versuchte ihr zu sagen, dass alles gut werden würde, doch im Krankenhaus angekommen wurde ich nach wenigen Minuten aufgefordert mich vorzubereiten, weil mein kleines Mädchen wahrscheinlich sterben würde.“

Zur damaligen Zeit gab es noch kein Mittel gegen diese seltene Krankheit. Tilly wurde nach Newcastle in eine Intensivstation gebracht. Für ihre Eltern Sarah und Adam brach eine sehr harte Zeit an, da sie nun nichtmehr zu ihrer Tochter durften. Wie Adam Jensen in Deus Ex: Human Revolution wurde das kleine Mädchen nur noch von Maschinen am Leben erhalten. Ihre Eltern sprachen ihr Mut zu und hofften darauf, dass ihre kleine Tochter überleben würde. Doch laut den Ärzten standen die Chancen nicht gut.

 

Nach einer Ewigkeit durften die Lockeys ihre Tochter endlich wiedersehen. Doch Tillys Körper war vom Kampf gegen den Tod gezeichnet. Ihr Körper war geschwollen und übersät mit Blutergüssen, ihre Hände hatten sich schwarz verfärbt und starben ab. Nach einem viertägigen Todeskampf kam endlich die gute Nachricht. Tilly würde überleben. Allerdings war ihr Körper so zerstört, dass die Ärzte ihre Hände amputieren mussten. Das stellte die Familie auf eine harte Probe. Sie wollten Tilly eine normale, glückliche Familienkindheit ermöglichen, und hatten immer damit zu kämpfen, die Prothesen für Tilly zu bezahlen. Das allererste Prothesenpaar kostete umgerechnet über 30.000 Euro und konnte nur durch Fundraising finaniziert werden und da Tilly noch ein Kind war, dass stetig wuchs, hätte es pro Jahr 2 Paar neue Arme gebraucht: eine scheinbar unmögliche Aufgabe.

An diesem Punkt entdeckte die Familie eine Anzeige der Firma Open Bionics, die für ihre Forschung ein Kind suchten, dessen Hände amputiert wurden. Die britische Firma hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Prothesen für jedermann bezahlbar zu machen, indem sie alle Pläne öffentlich zugänglich machten. So konnte jeder Mensch auf der Erde sich mit einem 3D-Drucker preisgünstig eine eigene, funktionierende Prothese erschaffen.

Ein Ziel, dass auch der Videospielentwickler Square Enix unterstützte. Die komplette Spieleserie Deus Ex handelt davon, was es bedeutet menschlich zu sein und welche Chancen Maschinen für die Menschheit und die Wissenschaft darstellten. Oft erreichten die Entwickler die Frage, ob ihre Prothesen denn wirklich erhältlich seien. So entstand die Idee, sich mit Open Bionics zusammen zu tun. Gesagt getan. Tilly Lockey war die perfekte Kandidatin für das Projekt. Sie liebt Superhelden und Superkräfte genauso wie Gaming und Mode. All diese Eigenschaften sorgten dafür, dass Tilly Lockey zur Botschafterin der Firma Open Bionics wurde und seitdem gemeinsam mit der Firma daran arbeitet, Prothesen für jeden Menschen bezahlbar zu machen.

Zu dieser Zeit arbeiteten Open Bionics und Square Enix gemeinsam daran Adam Jensens Armprothese in der echten Welt zum Leben zu erwecken. Die Ergebnisse waren atemberaubend. Die Technik ist mittlerweile soweit fortgeschritten, dass es mit einem einfachen 3D-Drucker möglich ist, ohne Probleme eine voll Funktionsfähige Armprothese zu erschaffen, von der noch vor einem Jahrzehnt noch niemand geträumt hätte. Open Bionics fängt gerade erst an durchzustarten. Egal Ob Anakin Skywalkers Arm oder Iron Mans Handschuh.: Nichts scheint mehr unmöglich zu sein. Auch die Steuerung der künstlichen Gliedmaßen wird von Tag zu Tag verbessert.

Doch was kommt als nächstes für die Familie Lockey? Tilly weiß zumindest genau, wie sie sich die Zukunft vorstellt. Sie möchte weiterhin als Botschafterin für Open Bionics arbeiten. Als sie auf der San Diego Comic Con den Cyborg-Arm der Öffentlichkeit präsentierte, war sie sich sicher:

In ein paar Jahren werde ich einen Schrank voller Arme zu haben, die ich dann wie ein Kleidungstück tragen und wechseln kann.

Ihre Mutter hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, so viele Menschen wie möglich über Meningitis zu informieren. Wenn sie genug Menschen über die Symptome und die Risiken der Krankheit aufklärten kann, erspart sie anderen Menschen das Leid und die Angst, die die Familie Lockey vor einigen Jahren durchleben musste.

Wir hoffen, dass dir Tillys Geschichte ebenso gut gefallen hat wie uns. Wir würden uns freuen, wenn du diesen Artikel mit deinen Freunden und deiner Familie teilst. Weitere Informationen über die Prothesen findest du auf der Webseite von Open Bionics. Schau doch mal vorbei!

Wie gut kennst du Deus Ex? (Quiz)

Es ist noch etwas hin, ehe ihr euch in der Rolle des Adam Jensen wieder in die augmentierte Schale werfen dürft. Seid ihr darauf vorbereitet? Wie gut kennt ihr die Welt von Deus Ex? 15 Fragen, die über Schmach und Glorie entscheiden.

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