Deus Ex - Mankind Divided Vorschau: Der Maschinengott muss mal wieder die Welt retten

Matthias Kreienbrink

Deus Ex Machina. Ein Begriff, der seit der Antiken Tragödie die göttliche Intervention beschreibt. Im Kontext des Theaters handelt es sich dabei um den Gott, der „ex machina“, also durch die Maschinerie des Theaters, auf der Bühne erscheint und die Handlung beeinflusst. Es geht also darum, dass unvorhergesehene und nicht steuerbare Vorfälle das Geschehen unterbrechen, zur Lösung eines Konfliktes beitragen oder aber die Figuren auf der Bühne lenken. Wie genau das in die Geschehnisse bei Deus Ex: Mankind Divided passt, erfahrt ihr in unserer Vorschau.

Teaser_Thumbnail

Wie passend, dass das Zweite der beiden spielbaren Szenarien im Hands-On bei Square Enix in einem Theater in Prag spielt. Aufgabe ist es hier, das Theater zu betreten und einen bestimmten Punkt unterhalb des Saals zu erreichen.

Hier kannst du Deus Ex: Mankind Divided vorbestellen *

Das klingt zunächst einmal simpel. Deus Ex: Mankind Divided gibt den Spielenden jedoch dermaßen viele spielmechanische Werkzeuge an die Hand, dass aus der Mission schnell ein faszinierendes Herumprobieren und Austesten wird. Diese Werkzeuge wollen jedoch zunächst kennengelernt werden. Dazu dient das erste Areal dieser Preview Version. In der heißen Wüstensonne von Dubai stürzt sich der Protagonist Adam Jensen aus einem Flugzeug mitten hinein in das als Tutorial dienende erste Level. Hier lernen wir zunächst wie man schleicht, springt oder sich in Deckung bringt. Ebenso werden uns Spezialfähigkeiten, die sogenannten Augmentationen, näher gebracht.

So kann man etwa eine spezielle Sicht aktivieren, die einem zum Beispiel Schwachstellen in einer Wand offenbart, aus denen man mit roher Faustgewalt kurzum ein gewaltiges Loch macht, durch welches man steigt und somit seinem Missionsziel ein Stückchen näher kommt. Andere Fähigkeiten sind unter Anderem ein temporäres Unsichtbar-Sein oder ein Schlag, der eine Klinge aus dem Arm fahren lässt und Gegner umgehend zu Opfern macht. Diese Aktionen verbrauchen eine Energieleiste, die sich langsam von alleine auffüllt, oder durch bestimmte Items, den Biozellen, direkt wieder aufgeladen werden kann.

DXMD_2015_10_08_1stHandsOn_screen_ONLINE_025

Bilderstrecke starten
17 Bilder
15 Spiele, die deinen PC in 4K zum Schwitzen bringen.

Schleiche oder Töte, Hauptsache du kommst voran.

Wie man an den Augmentationen schon ablesen kann, lässt das Spiel zwei grundlegend verschiedene Möglichkeiten des Vorgehens zu. So wird es möglich sein, jeden Level zu beenden, ohne auch nur ein einziges Mal Blut zu vergießen. Durch aufmerksames Beobachten der Gegner und ein gezieltes analysieren der Umgebung können Wege gefunden werde, jedes Hindernis zu umgehen, ohne dabei gesehen zu werden – und sollte man doch ein Mal in eine brenzlige Situation geraten, so kann ein schneller Knopfdruck  die Spielfigur eben unsichtbar, und man sich selbst aus dem Staub machen, praktisch! Für Freunde der lauten Sohle bietet das Spiel jedoch auch jede Menge Möglichkeiten, mit schlagenden Argumenten voran zu kommen. Aus der Deckung heraus lässt es sich hervorragend schießen – ein leichtes Autoaiming hilft bei der Präzision – Granaten werfen oder aber ungesehens ein Messer in den Körper der ebenfalls nicht zimperlichen Gegner versenken. Und so schleicht oder kämpft (oder schleicht UND kämpft, denn auch ein balanciertes Spielen ist möglich) man sich durch die Level, lauscht immer mal wieder den Dialogen der zahlreichen Feinde und probiert sich darin aus, den für einen selbst am besten geeigneten Weg zu finden, erfolgreich zu sein.

Denn genau das möchte Deus Ex: Mankind Divided: den Spielenden die Möglichkeit geben, durch gezieltes Aufleveln einen Charakter zu erschaffen, der dem eigenen Spielstil entspricht. Wer also ganz auf die Stealth-Karte setzen möchte, sollte sich auf jene Skills konzentrieren, die einem geräuschlosen Vorankommen angemessen sind. Wer jedoch schnell und brutal durch die Level eilen möchte, der sollte am besten die vielen Augmentationen beherrschen, die Gegner schnell zu blutigem Klump zu schlagen.

DXMD_2015_10_08_1stHandsOn_screen_ONLINE_027

Dabei möchte der Entwickler den Kern des Vorgängers Human Revolution beibehalten, ihn aber rundum weiterentwickeln und besser ausbalancieren. Die Shooter-Mechanik wirkt bereits sehr viel ausgereifter als im Vorgänger, sodass es diesmal auch wirklich Spaß macht, sich für den brutalen Weg zu entscheiden. Die Areale sollen vertikaler ausfallen. So wird Adam über Dächer huschen, durch die Kanalisation waten oder über Gerüste balancieren um gegen seine Feinde anzukommen. Besonders die Non-Linearität des Levelaufbaus soll dabei betont werden. Warum beim zweiten Durchspielen also nicht mal auf ganz anderen Pfaden schreiten und diesmal nicht links über die Leiter aufs Dach, sondern rechts durch den Lüftungsschacht und dem Gegner dann in den Rücken fallen?

Ein grafisches Brett mit hölzerner Steuerung?

Grafisch gibt es an dem Spiel nichts auszusetzen. Im Gegenteil, ihr steuert  Adam durch eine aufwendig gestaltete und stets flüssige Umgebung, die einige Male zum Anhalten und Staunen einlädt.
Leider wirkt die Steuerung dagegen zum Teil noch zu hakelig. Gerade wenn es darum geht in Deckung zu bleiben, sich hinter Mauern, Autos oder Schränken zu verstecken, wird es oft zu hektisch. Plötzlich steht Adam auf oder er läuft um die falsche Ecke der Deckung. Das kann in brenzligen Situationen das vorschnelle Ende bedeuten. Auch die Sprünge sind noch zu unpräzise. Oftmals springt man an seinem Ziel vorbei, oder aber bleibt an einer unsichtbaren Ecke hängen. Generell ist zu sagen, dass die verschiedenen, teilweise recht komplexen Mechanismen der Steuerung gut erlernt sein wollen. Nur so kann man in stressigen Situationen einen klaren Kopf behalten und wirklich souverän gegen die Gegner ankommen.

DXMD_2015_10_08_1stHandsOn_screen_ONLINE_026

Wer unterdrückt hier eigentlich wen?

Leider wurden viele der Cutscenes aus der Preview-Version herausgeschnitten, sodass noch nicht viel über die Erzählweise der finale Version gesagt werden kann.
Düsterer soll das Spiel jedoch sein. Nach den utopischen Ideen des Vorgängers – die Menschheit erreicht durch die Augmentierungen eine neue Stufe der Evolution – soll jetzt, in der Handlung zwei Jahre später, eine dystopische Stimmung herrschen.
Im Mittelpunkt steht eine „Mechanical Apartheid“. Es wird also mit einem historisch aufgeladenen Begriff gespielt und in einen neuen Kontext gestellt. Um Diskriminierung und Unterdrückung soll es gehen. Reaktionäre Kräfte bedrohen die Spielwelt, terroristische Organisationen kämpfen gegeneinander. Alles also tagesaktuelle und politische Themen die, wenn sie denn ordentlich erzählt und nicht nur Beiwerk sein werden, ein sehr interessanter Aspekt des Spiels sein können. Die interessante Frage ist dann, ob wir in dieser Welt der Deus Ex Machina sein werden, der die Konflikte lösen kann.

Hier seht ihr alle neuen Tricks und Augmentierungen von Adam Jensen!

Sollten die Entwickler die kleinen Macken der Steuerung in den Griff bekommen, dann steht am 23. Februar ein Spiel im Regal, das nicht nur für Fans der Reihe ein Pflichtkauf sein wird, sondern auch für jene interessant sein kann, die noch keinen Teil der Serien gespielt haben. Denn auch für die Neulinge ist gesorgt: ein 20 minütiger Film erzählt, so man ihn denn sehen möchte, am Anfang des Spiels die Ereignisse des Vorgängers nach.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung