Ebenfalls ein beliebtes Ziel der Kritik war schon im Vorfeld die Charakteranpassung, bemängelten – wie auch wir – viele doch die nötige Individualisierung. Statt in einem von drei Talentbäumen „seine“ Skillung zusammen zu tüfteln, schenkt Blizzard dem Spieler dieses Mal nämlich einfach alle Skills. Alle. Ausnahmslos. Bei jedem Stufenaufstieg ploppen sie lediglich als Bildschirmnachricht vor uns auf und wollen dann im Menü umständlich der Skillleiste zugewiesen werden.

 

Diablo 3

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Diablo 3
Schnelle Flucht unmöglich: Stadtportale sind nun unbegrenzt, benötigen allerdings eine Aktivierungszeit.
 

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Ich sage es ehrlich: Daran muss man sich gewöhnen. Spaß macht das Experimentieren mit neuen Skills alle Mal, aber anders als im Vorfeld versprochen, bringen die Runen, mit denen sich die Charakteristika der Skills manipulieren lassen, weit weniger Abwechslung als gedacht. Da alle Sprüche nur eine Handvoll Runen haben, die auch nur für diese gelten, viele davon aber völlig nutzlos sind, nutzt man ohnehin nur ein

Noch dazu wurde das Steigern der Attributspunkte gestrichen. Stört uns nicht, war sogar längst überfällig, weil man ohnehin nur in eine Richtung erhöht hat. Da kann man das auch automatisieren. Weniger schön ist, dass die „Diablo 3“-Helden nun wesentlich abhängiger von den Items sind, die sie tragen. In unserem Test kam es gleich mehrfach zu Situationen, wo sich einfach keine guten Gegenstände finden ließen, wir dadurch aber merklich schwächer wurden.

Blizzards Intention ist klar: Die Stärkung des neuen Auktionshauses, das künftig sogar Echtgeldinhalte anbietet. Schon absurd, dass Blizzard neuerdings immer dann besonders kreativ wird, wenn es darum geht, Geld zu verdienen. Wie sich dieser Umstand auf das Lategame-Balancing auswirkt müssen wir noch ausprobieren, wir hoffen aber, dass die natürliche Droprate im Spiel nicht künstlich herabgesetzt wurde. Ich habe ja jetzt viele, viele Wochen, um das herauszufinden.

Fazit

12 Jahre ist „Diablo 2“ alt. Schon skurril, dass bis heute keiner der zahllosen Konkurrenten zu Blizzards Meisterwerk aufschließen konnte. Jeder war sich sicher: Wenn jemand das Genre auf die nächste Evolutionsstufe erheben kann, dann nur Blizzard selbst. „Diablo 3“ beweist nun, nach eben diesen 12 Jahren, dass wir uns geirrt haben. Blizzard geht leider auf Nummer sicher, wie so häufig in letzter Zeit. In Punkto Inszenierung oder beim Erfinden neuer Features zeigen sich die Irviner erschreckend einfallslos. Diese vertane Chance kann man eigentlich nur bedauern.

Selbst mit dieser voreingenommenen Haltung muss ich nach vier Akten urigster Metzelfreuden jedoch sagen: Zur Hölle mit der Innovation. Was dieses Spiel in rund zehn bis 12 Stunden des ersten Schwierigkeitsgrades aus dem Hut zieht, macht so unglaublich viel Spaß, so unglaublich süchtig, dass man einfach nicht aufhören kann, geschweige denn will. „Diablo 3“ definiert dieses Genre nicht neu, aber es löst den genialen Vorgänger spielend leicht ab.

Der Spielfluss sucht seines Gleichen, die Präsentation ist – wir erinnern uns: gemessen an Genrestandards – absolut fesselnd und hochatmosphärisch, die CutScenes sind bis auf das Finale allesamt kleine Mini-Meisterwerke, die Bosskämpfe (Akt 2!!) sind knifflig, taktisch fordernd und dramatisch inszeniert, der Nostalgiefaktor ist angenehm hoch, die Items vielfältig, die Levels abwechslungsreich, die Grafik detailverliebt, die…ich breche mal, ab – das würde sonst eine Weile so weitergehen.

Ich könnte an dieser Stelle noch das einfallslose Crafting, die generelle Neuerungsarmut und das verbockte Runensystem bemängeln, aber wie könnte ich meckern, wenn all das von einem Spielspaßpanzer überrollt wird, der über die gesamte Spielzeit nie Halt macht, keinen Bezin braucht und aus ganz dicken Rohren feuert. Ich, als im Vorfeld größter Kritiker, muss nun leider stillschweigend zugeben: Manchmal muss man sich einfach mit dem zufrieden geben, was man hat. Und das ist in diesem Fall schlicht und ergreifend grandios!

Wertung: 93%

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