Die Zwerge im Test: Wie schlägt sich „das coolste Fantasy-Volk“ im Rampenlicht?

Sebastian Moitzheim 1

In Die Zwerge steht das titelgebende, sonst eher als Nebenfiguren beliebte Fantasy-Volk im Mittelpunkt. In meinem Test erfährst Du, ob es sich lohnt, mit den Fantasy-Machos aus den berühmten Büchern von Markus Heitz auf die Reise zu gehen.

Die Zwerge - Gameplay Trailer.

„Das coolste Fantasy-Volk“ nennt der Marketing-Text auf der Steam-Seite die Titel-Helden von Die Zwerge. Und, ja: Cool sind Zwerge in Fantasy-Romanen immer – kernige, dreckige Machos, die Äxte gegen viel größere Feinde schwingen, pausenlos Bier trinken und total männlich ihre Bärte vollsabbern. Aber cool und interessant sind oft zwei Paar Schuhe und so sind Zwerge auch in jeder Fantasy-Geschichte irgendwie gleich. Deshalb ist die Frage durchaus berechtigt, ob sie überhaupt als Helden ihrer eigenen Geschichte taugen, oder ob sie als Sidekicks besser aufgehoben sind. Immerhin scheiterte schon Tolkien höchstselbst daran, den 13 Zwergen in Der Hobbit ausreichend Persönlichkeit zu geben, damit der durchschnittliche Leser sie überhaupt auseinanderhalten könnte.

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Es funktioniert – nicht mehr, nicht weniger

Wahrscheinlich ist es also eine kluge Entscheidung, dass der Protagonist von Die Zwerge, dem Spiel basierend auf dem gleichnamigen Roman, zwar irgendwie ein Zwerg ist, aber einen weit umfangreicheren Hintergrund hat. Tungdil ist ein Zwerg, der von Menschen großgezogen wurde, weit weg von den saufenden, bärtigen Kriegern seines Volks. Tungdil wird von seinem menschlichen Mentor auf eine Reise geschickt, einen MacGuffin von A nach B zu transportieren – und natürlich wird aus der kleinen, persönlichen Reise eine epische Geschichte über Gut und Böse und das Schicksal eines ganzen Volkes. Das ist nicht besonders originell, aber es funktioniert: Wie einst Frodo und Bilbo gibt uns Tungdil als Vertreter für das spielende Publikum einen Einstieg in die Welt der Zwerge. Genug, um wirklich mit dem Helden und seinen Begleitern mitzufiebern, ist das nicht. Genug, um mehr Interesse zu wecken als der klassische Macho-Zwerg, aber doch.

Das beschreibt im Grunde das gesamte Spiel: Die Zwerge funktioniert. Es geht kein Risiko ein, es hat keine einzige eigene Idee, aber seine zusammengeklauten Mechaniken und Story-Elemente setzt es solide um.

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Fehlende Langzeitmovitation

Spielerisch wechseln sich Missionen in kleinen Levels mit dem Erkunden einer großen Weltkarte ab. Letzteres steht in der Tradition von Oregon Trail und diverser Roguelikes der letzten Jahre: Du klickst auf einen der drei, vier Punkte auf der Karte, die Du von deinem aktuellen Standpunkt aus erreichen kannst; eine Texttafel beschreibt ein Szenario; du wählst eine von mehreren Entscheidungsmöglichkeiten aus. Danach geht es entweder zum nächsten Punkt oder es ergibt sich eine Situation, die zu einer Mission führt. Die besteht entweder daraus, einen Levelabschnitt zu erkunden oder einen Kampf durchzuführen. Besonders Ersteres ist eine etwas mühselige Angelegenheit, denn es ist nie so ganz klar, welche Bäume, Steine oder ähnliches anklickbar sind und zu neuen Informationen führen. Der Kampf hingegen ist der spielerische Kern von Die Zwerge.

Darin kommandierst du Tungdil und seine Begleiter mit der Maus wie in einem Strategiespiel oder MOBA; jedem Helden stehen – ähnlich der Genre-Vorlagen – einige Spezialfähigkeiten zur Verfügung. Du kannst die Kämpfe jederzeit pausieren und Dir Zeit für Deine Entscheidungen nehmen, was Du auch brauchen wirst: Besonders wenn mehrere Helden im Spiel sind, von denen niemand sterben darf, sind die Kämpfe durchaus eine taktische Herausforderung.

Leider fehlt es diesen Mechaniken auf lange Sicht an Abwechslung – daran ändern auch verschiedene Helden, das (überschaubare) Levelsystem und optionale Sidequests wenig. Dafür ist Die Zwerge mit seinen oft kurzen, knackigen Missionen und einer Story, in die man sich schnell (wieder) einfindet, perfekt für kurze Spiel-Sessions zwischendurch.

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Mein Test-Fazit zu Die Zwerge

Wer Die Zwerge spielt, wird nicht stundenlang gebannt vor dem Rechner sitzen. Dafür fehlt es zu sehr an erzählerischen oder mechanischen Überraschungen. Aber zwischendurch ein paar Orks zu verhauen, einen der charmanten Dialoge zwischen Tungdil und den „richtigen“ Zwergen zu verfolgen, oder ein paar Punkte auf der Weltkare zu erkunden, das macht durchaus Spaß – auch, wenn es eher minuten- als abendfüllend ist.

The Dwarves
Entwickler: KING Art
Preis: 39,99 €

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