Dishonored 2 in der Vorschau: Entdecke die Möglichkeit

Martin Eiser

Für Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske setzt das Team der Arkane Studios zwar auf ein bewährtes Rezept, verfeinert aber die Zutaten. Durch Emily als zweiten Charakter kommt noch mehr Vielfalt in ein ohnehin schon abwechslungsreiches Spiel. Wir konnten Dishonored 2 vorab spielen, in unser Vorschau liest du unsere Erkenntnisse.

Dishonored 2 - Gameplay: Emily in Aktion

Dishonored 2 - gamescom 2016 - Emily in Aktion Gameplay.

Keine leichte Entscheidung, vor der ich stehe: Ist es schlimmer, einen Menschen zu töten oder ihn seines Verstandes zu berauben? Der geniale, aber verrückte Wissenschaftler Kirin Jindosh hält Anton Sokolov gefangen. Meine Aufgabe ist es, ihn auszuschalten und Sokolov zu befreien. Am Ende dieser Mission habe ich, so wie es schon in Dishonored: Die Maske des Zorns usus war, zwei Möglichkeiten: Ich kann Jindosh aus dem Weg räumen, in dem ich ihm etwa die Kehle aufschlitze. Als zweite Variante darf ich ihm aber auch einen starken Elektroschock verpassen, der Teile seines Gehirns lahmlegt und somit ebenfalls für alle Zeit unschädlich macht.

Weil es zu meinem eigenen Anspruch gehört, nicht den einfachsten Weg einzuschlagen, sondern das optimale Ergebnis zu erzielen, habe ich Jindosh in die Bewusstlosigkeit geschickt und die Elektroschock-Maschine in Gang gesetzt – der Schockbehandlung und der vermeintlich moralisch besseren Lösung steht also nichts mehr im Weg. Gleichzeitig frage ich mich aber, ob es nicht viel gemeiner ist, das böse Genie seines Verstandes zu berauben, statt ihm das Lebenslicht ganz auszublasen. Er würde nicht einmal merken, dass ihm das genommen wurde, was er wahrscheinlich am meisten schätzt.

Noch in Gedanken über die Frage lege ich den Schalter um. Und als er durch den ersten Stromstoß wieder zu sich kommt und um Gnade winselt, bin ich sogar gewillt, ihn zu befreien. Doch der Vorgang lässt sich nicht unterbrechen. Und als die Maschine fertig ist, liegt vor mir kein genialer Geist mehr, sondern nur eine bemitleidenswerte Kreatur. Bevor ich ihn aber zu sehr bedauere und am Ende doch noch erschieße, verlasse ich eilig das Anwesen. Meine Mission hier ist vorbei.

Ein starkes Fundament

Zwei Dinge haben den Vorgänger Dishonored: Die Maske des Zorns so besonders gemacht. Zum einen war es der besondere Stil, der ein bisschen an das viktorianische Zeitalter erinnerte, aber in seinen Steampunk-Referenzen trotzdem viel abgefahrener war – auch durch die in der Spielwelt etablierte Hauptenergiequelle Walöl. Dazu kommen die bereits angedeutete Entscheidungsfreiheit sowie die vielfältigen spielerischen Lösungswege. Die Welt von Dishonored war nicht riesig, aber die enthaltenen Orte waren große, verschachtelte Spielplätze. Es hat sich gelohnt, die Umgebung auszukundschaften und das Verhalten der Gegner zu studieren.

Die nun von mir angespielte Mission aus Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske zeigt, dass die Entwickler für den Nachfolger in dieselbe Kerbe schlagen wollen. Sie unterstreicht all das, was schon den Vorgänger ausgezeichnet hat. Dazu gehört nicht nur der absurde Charakter in Form von Kirin Jindosh und die Entscheidung, was ich am Ende mit ihm tun will; es ist der Weg selbst, der exemplarisch zeigt, warum das Team auf bewährte Konzepte setzt.

Zum Thema: So sind die Charaktere in Dishonored 2 entstanden

Clockwork Mansion ist das sonderbare Herrenhaus, in dem Kirin Jindosh lebt. Sonderbar ist es deswegen, weil auf den ersten Blick zwar nur aus zwei Ausstellungsräumen besteht, in denen der Egozentriker seine Erfindungen zeigt. Ein Schalter im zweiten Raum offenbart allerdings mit den Clockwork-Soldaten nicht nur seine größte technische Meisterleistung, sondern enthüllt auch, dass das ganze Haus ein mechanischer Verwandlungskünstler ist. So verschieben sich plötzlich Wände und es tauchen zwei Treppen nach oben auf. Aus Lautsprechern tönt die Stimme von Jindosh, der sich über Besuch zu freuen scheint – endlich hat er wieder etwas zum Spielen gefunden.

Dishonored 2 - Gameplay: Corvo in Aktion

Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske – Corvo-Gameplay-Trailer.

Der Weg ist das Ziel

Über zwei Stunden versuche ich jeden Winkel des Hauses zu erkunden und ihm seine Geheimnisse zu entlocken. Ich bin fasziniert von der Technik, mit deren Hilfe sich Esszimmer in entspannte Aufenthaltsräume mit Billardtisch verwandeln oder ein ganzes Büro wie ein Lift nach oben befördert wird und Platz macht für einen neuen Raum. Ein wenig fühlt man sich an die Auto-Roboter-Wandlungen der Transformers erinnert.

Das unscheinbare Haus steckt voller Überraschungen und versteckter Wege. Als ich Kirin Jindosh bei einem zweiten Durchlauf erneut das Handwerk legen und Sokolov befreien will, brauche ich dafür lediglich 20 Minuten. Mir gelingt es sogar, dieses Ziel zu erreichen, ohne Jindosh zuvor zu begegnen. Seine Kommentare über die Lautsprecher unterscheiden sich an vielen Stellen deutlich, wenn er nicht weiß, wer da eigentlich durch seine Gemächer schleicht. Unterschiede gibt es auch zwischen dem Durchlauf mit Corvo Attano und mit Emily Kaldwin.

Dishonored 2: Corvos Fähigkeiten im Detail*

Die Wahl zwischen zwei Spielcharakteren ist dann auch eine der großen Neuerungen von Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske. Corvo beherrscht zahlreiche Fähigkeiten und Talente, die bereits aus dem Vorgänger bekannt sind, in der von uns gespielten Demo aber auch eingeschränkt waren. Die junge Kaiserin Emily ist ein neuer Charakter, sie spielt sich natürlich auch anders. Während Corvo beispielsweise mit „Blink“ schnell nach vorn sprintet, ist es bei Emily mit „Far Reach“ eher ein weiter Sprung, auch wenn sich diese beiden Fähigkeiten zur Teleportation ähneln.

Darüber hinaus konnte ich die „Domino“-Attacke ausprobieren, durch die mehrere angewählte Soldaten das gleiche Schicksal ereilt – sie etwa alle einschlafen, nachdem einer von einem Betäubungspfeil getroffen wurde. Das fühlt sich ziemlich mächtig an, setzt aber auch voraus, dass Emily nah genug am Gegner ist. Sonst funktioniert es nicht. Und dann ist da noch „Shadow Walk“, eine fiese Assassinen-Kraft, mit der ich mich in Art Schatten verwandle und somit fast unsichtbar für meinen Gegner bin. Diese Fähigkeit ermöglicht es mir auch, den Feind zu töten, ja, ihn sogar in Stücke zu reißen.

Um die menschlichen Lakaien und die Clockwork-Soldaten auszuschalten, muss ich aber nicht auf die Spezialfähigkeiten zurückgreifen, sondern kann auch herkömmliche Schusswaffen oder mein Messer einsetzen. Das Spiel ist allgemein ziemlich brutal, die Abschlussattacken sind praktisch Exekutionen – für seichte Gemüter ist das Spiel eher nicht geeignet. Selbst die Pistole hat eine fast schon übertriebene Durchschlagskraft und fühlt sich fast wie eine Schrottflinte an. Wie sich die Mischung aus regulären Waffen, natürlichen und übernatürlichen Fähigkeiten letztendlich anfühlt, dafür muss ich einfach mehr vom Spiel sehen.

Vorfreude auf die schöne, neue Welt

Insgesamt war der Ausflug nach Karnaca schön. Die Einzigartigkeit der Welt und die Vielfalt bei den Lösungswegen bleibt offenbar auch eine Stärke des zweiten Dishonored. Es macht Spaß, die Missionen mehrmals zu spielen, unterschiedliche Herangehensweisen auszuprobieren und das Tempo zu variieren. Und natürlich sind auch die einen oder anderen Erweiterungen für meine Fähigkeiten in der Umgebung versteckt. Wer alle Relikte und Knochenartefakte finden will, muss freilich gründlich suchen. In der mechanischen Villa fehlte mir auch nach langer Suche am Ende noch immer eins.

Was ich auch nicht herausfinden konnte war, welche Fortschritte bei der Handlung gemacht wurden. In Vorgänger Dishonored: Die Maske des Zorns erschien mir der Hauptcharakter noch sehr farblos und blass. Corvo war ein Spielball der anderen, so dass ich selten das Gefühl hatte, wirklich selbst eine Entscheidung zu treffen. In dieser Mission war dieses Gefühl nun schon wieder da, denn am Ende die Wahl, ob ich Kirin Jindosh töte oder ihn einfach am Leben lasse, ohne Auswirkung – ihn seines Verstandes zu berauben ist schließlich am Ende genauso grausam.

Nun habe ich nur einen kleinen Teil von Dishonored 2 gespielt, auf dessen Basis sich selbstverständlich kein Urteil über das Spiel in seiner Gesamtheit bilden lässt. Zumindest über den Umfang machen ich mir wenig Sorgen, die Entwickler haben bereits angekündigt, das Spiel umfangreicher zu machen. Für mich stimmen die Vorzeichen daher trotzdem und ich bin schon sehr gespannt auf die Release-Version.

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Exklusiver Einblick in Dishonored 2: So abgefahren wird die neue Welt Karnaca

Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske erscheint am 11. November 2016 für PC, PlayStation 4 und Xbox One.

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Wie gut kennst Du Dishonored? (Quiz)

Mit Hilfe übernatürlicher Kräfte wirst Du in Dishonored zur ultimativen Waffe des Zorns. Ob Du mit Deinem Wissen gewappnet bist für den im November erscheinenden zweiten Teil Das Vermächtnis der Maske, findest Du im Quiz heraus!

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