Dissidia Final Fantasy NT im Test: Chaotischer Prügler mit zu wenig Inhalt

Lisa Fleischer

Nachdem der Prügler Dissidia Final Fantasy bislang vor allem Handhelds und Arcade-Automaten vorbehalten blieb, schafft es die Serie mit NT auf die PlayStation 4. Das Spiel ist ein Port der Arcade-Version – und das merkt man.

So sieht Dissidia Final Fantasy NT in Aktion aus:

Dissidia Final Fantasy NT: Launch-Trailer.

Normalerweise bieten dir Prügler gleich mehrere Modi. Während du im Story-Modus einzelne thematisch passende Matches bestreitest, um die Geschichte des Spiels zu erleben, kannst du im Offline-Modus entweder lokal gegen Freunde oder gegen NPCs antreten. Du führst leichte, starke und besonders starke Kombo-Angriffe aus. Wer mehr Treffer landet, geht siegreich aus dem Duell hervor. Dissidia Final Fantasy NT geht einen anderen Weg: Das Spiel beschränkt sich bei den Spielmodi drastisch, bietet dafür aber ein scheinbar komplexeres Gameplay.

Das Kampfsystem besteht aus zwei verschiedenen Angriffstypen plus zwei Spezial-Attacken pro Charakter, außerdem gibt es einen Summon, der dein Team unterstützt, sammelst du genügend Kristalle. Natürlich kannst du zwischen Matches dein Alter Ego wechseln, du wirst aber nicht extra dazu aufgefordert, sondern beschränkst dich von vornherein auf einen, den du immer weiter auflevelst. Was in der Theorie nach einem innovativen Spielprinzip klingt, scheitert letzten Endes leider gleich an mehreren Ecken.

Dissidia Final Fantasy NT: Das Gameplay ausführlich erklärt

Das Gameplay: Auf dem Schlachtfeld ein einziges Chaos

Anders als in der von uns ebenfalls gespielten Beta gibt es im fertigen Dissidia Final Fantasy NT ein ausführliches Tutorial. Und das brauchst du auch, ist das Gameplay doch von Anfang an komplex und nur mit viel Übung zu erlernen. Schließlich treffen im Spiel RPG-, Beat-em-Up- und MOBA-Elemente aufeinander, außerdem kannst du nur dann tödliche Treffer landen, hast du den Gegner genügend mit normalen Angriffen traktiert und dadurch genügend Bravery Points gesammelt.

Zum komplexen Gameplay gesellt sich noch eine weitere Schwierigkeit: Kämpfst du im klassischen Dissidia Final Fantasy noch eins gegen eins, befinden sich auf dem Schlachtfeld von Dissidia Final Fantasy NT gleich sechs Spieler. Normalerweise bedeuten solche Tag-Team-Kämpfe mehr taktische Tiefe, kannst du mit mehr Charakteren doch auch mehr Team-Kombos ausführen. Obwohl du auch in Dissidia Final Fantasy NT zu mehreren auf einen Gegner einprügeln kannst, bringt das nur noch mehr Chaos aufs Schlachtfeld.

Bist du beispielsweise alleine unterwegs oder spielst ohne Team-Voice-Chat, läufst du Gefahr, dass deine wohl durchdachten Angriffspläne schlicht dadurch zunichte gemacht werden, dass sich ein weiterer Gegenspieler zu euch gesellt – und deine Faustschläge mit Gegenangriffen vereitelt. Weiterer Kritikpunkt an den sechs statt zwei Spielern auf dem Spielfeld: Durch magische Attacken, Lichtblitze bei Treffern und dem pompösen Auftreten der Summoners geht im schlimmsten Fall so viel auf einmal ab, dass du deinen Charakter überhaupt nicht mehr richtig siehst – und so anfällig für Angriffe bist.

Das sind aber noch längst nicht alle Probleme von Dissidia Final Fantasy NT: Die Kamera-Steuerung erinnert an PS2-Zeiten, kannst du sie doch nur sporadisch bewegen. Gegner werden automatisch anvisiert, wechseln kannst du zwischen ihnen nur mit einiger Mühe. Ab und zu kommt es aber vor, dass automatisch ein anderer Gegner anvisiert wird, was taktische Pläne zu Nichte macht.

Hast du endlich einen Gegner ins Visier genommen und landen deine Angriffe tatsächlich bei ihm, ist er aber noch lange nicht geschwächt: Setzt du deine HP-Attacke nicht rechtzeitig ein, lädt er sich wieder auf und du musst noch einmal von vorne Anfangen. Gerade zu Ende eines Matches kann das frustrieren, geht es doch darum, wer als erster drei gegnerische Spieler zur Strecke bringt. Bist du zu langsam, riskierst du einen sicher geglaubten Sieg ans gegnerische Team zu verlieren.

Die Modi: An falscher Stelle gespart

Ich weiß nicht, ob die Entwickler das Spiel nicht überladen wollten und deshalb zu Gunsten des komplexen Gameplays an den verschiedenen Modi gespart haben oder ob ihnen schlicht die Ideen oder die Zeit ausgingen. Jedenfalls bietet dir Dissidia Final Fantasy NT lediglich zwei Modi: Der reguläre Modus und der Kristall-Modus, in dem du deinen eigenen Kristall beschützt, während du versuchst, den gegnerischen zu zerstören. Beide Modi kannst du entweder Offline gegen NPCs oder Online gegen echte Gegner spielen. Ansonsten scheint noch der Story-Modus attraktiv.

Bei genauerem Hinsehen stellt sich dieser jedoch als Video-Galerie heraus. Cutscenes musst du mit erspielten Memoria freischalten, zu spielen gibt es nichts. Das ist schade; wenn schon Story-Modus, dann doch bitte mit spielerischen Elementen, sonst kann ich mir ja auch einfach eine DVD angucken – die ich nicht erst freispielen muss.

Die Geschichte, die die Cutscenes erzählen, baut auf dem PSP-Spiel Dissidia 012 Final Fantasy 12 auf und dreht sich vor allem um Neuling Noctis (Final Fantasy 15), dem die Götter-Welt erst einmal erklärt werden muss. Das gibt dem aufs Gameplay fokussierten Spiel einen passenden Unterboden – schade nur, dass du diesen erst verstehst, hast du schon zahlreiche Spielstunden in das Sammeln von Memoria investiert.

Umfangreicher Fan-Service für Final Fantasy-Fanatiker

Wenn sich Dissidia Final Fantasy NT auch nur wenig für Beat-em-Up-Spieler und Story-Liebhaber lohnt, ist es das perfekte Spiel für Sammler mit Fable für das Final Fantasy-Franchise. Neben 28 Charakteren aus den 15 Teilen der Hauptserie sowie aus Tactics und Type-0 finden sich in Dissidia Final Fantasy NT zahlreiche bekannte Schauplätze aus den Spielen, die in eine Kampf-Stage umgewandelt wurden.

Hier findest du alle Charaktere und Arenen aus Dissidia Final Fantasy NT; natürlich mit den Spielen, aus denen sie ursprünglich stammen:

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Dissidia Final Fantasy NT: Alle Charaktere und Arenen (mit Kämpferliste).


Untermalt wird das Spiel mit der besten Musik aus den Spielen, außerdem kannst du diverse Avatare sammeln und auswählen, die weit über die 28 Charaktere hinausgehen. Mit dem Season Pass folgen sogar noch sechs weitere Charaktere, um welche es sich dabei handelt, ist bislang noch nicht bekannt.

Mein Test-Fazit zu Dissidia Final Fantasy NT

Dissidia Final Fantasy NT hat sich viel vorgenommen – und nur wenig davon tatsächlich gemeistert. Das Gameplay ist zwar komplex und theoretisch taktisch, durch die Überladung auf dem Schlachtfeld durch sechs Charaktere ist es in der Praxis aber deutlich zu chaotisch. Die wenigen Modi lassen Abwechslung vermissen, weil dem Story-Modus das Gameplay fehlt, weiß selbst er nicht zu motivieren.

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Was bleibt, ist ein Sammelsurium an Final Fantasy-Fragmenten, das für Sammler sicherlich eine Freude ist. Schließlich kannst du nicht nur die Kontrolle über mindestens 28 Final Fantasy-Lieblinge übernehmen, sondern währenddessen auch noch einmal in den Genuss der besten Musik auf den Spielen kommen. Wer hingegen ein richtiges Hommage an 30 Jahre Final Fantasy-Geschichte erwartet, der ist mit World of Final Fantasy besser beraten.

 

Wird dir gefallen, wenn du ein Fable für Sammelobjekte hast, schnelle Online- oder Offline-Kämpfe suchst und über eine außergewöhnlich gute Orientierung verfügst.

Wird dir nicht gefallen, wenn für dich ein guter Story-Modus ein Muss ist, du Voice-Chats unnötig findest und bei Hektik schnell die Nerven verlierst.

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