Donkey Kong Country Returns Test - Wie gut ist Donkey Kong Country Returns wirklich?

Thomas Goik

In den 90ern gab es ein britisches Entwicklerstudio, das exklusiv für Nintendos Konsolen hervorragende Spiele erschaffen hat: Rareware. Darunter waren Klassiker wie „Banjo Kazooie“, „Battletoads“, „Killer Instinct“ und natürlich die „Donkey Kong Country“-Trilogie.

Auf drei Teile brachte es die Jump & Run-Reihe rund um den Bananen mampfenden Gorilla mit der roten Krawatte.

Nach einem N64-Abstecher und dem „Junglebeat“ mit Trommel-Accessoire auf dem Gamecube wurde es jedoch wieder still um den liebenswürdigen Primaten. Rare arbeitet inzwischen für Microsoft, fünf Jahre vergingen seit Donkeys letzten Auftritt auf einer Heimkonsole und nun endlich wurden die Fans erhört: Donkey Kong Country Returns und wurde bei uns auf Herz und Nieren geprüft. Ob es dem Erbe der legendären 2D-Reihe auf dem SNES gerecht wird oder eher einem virtuellen Voodoo-Fluch gleicht, klären wir in unserem Donkey Kong Country Returns Test!

Donkey Kong Country Returns Review

Worum geht es?

Der Tiki Tak Stamm treibt auf Donkey Kongs tropischer Heimatinsel sein Unwesen. Die lebendigen Voodoo-Masken verfügen über die Fähigkeit der Hypnose und stiften so sämtliche Tiere des Eilands dazu an, massenweise Bananen für sie zu sammeln und zum Vulkan in der Mitte der Insel zu bringen. Donkey Kong und sein kleiner Neffe Diddy Kong können diesen unverschämten Obstdiebstahl selbstverständlich nicht zulassen und stürzen sich nach über 14 Jahren in ihr viertes Country-Abenteuer.

Wie bereits im Klassiker wählt ihr auf der Oberweltkarte das Level an, das ihr spielen wollt. Jede der acht Welten hat dabei acht verschiedene Level inklusive entsprechenden Bossgegner. Schon nach sieben Stunden könntet ihr dem letzten Feind im Spiel gegenübertreten, danach ist Donkey Kong Country Returns aber noch lange nicht vorbei. Wie nahezu jedes Spiel von Nintendo glänzt auch DKCR mit zahlreichen Geheimnissen und freischaltbaren Extras. In alter Donkey Kong Country Tradition müsst ihr so in jedem Level die Buchstaben des Wortes KONG sammeln. Außerdem sind überall Puzzle-Teile versteckt, die besonders schwer zu finden sind. Wenn ihr eine Stage zum ersten Mal geschafft habt, könnt ihr diese fortan „auf Zeit“ spielen und euch so die Bronze-, Silber- oder Gold-Medaille verdienen. Kurzum: Donkey Kong Country Returns ist vollgestopft mit Inhalten.

Wie sieht es aus?

Wie oft haben wir das schon gehört: „Titel XY sieht ganz gut aus für ein Wii-Spiel.“ Die Hardware von Nintendos kleiner Weißen ist zwar limitiert, dennoch gibt es zahlreiche Titel, die sich auch vor der großen Konkurrenz von Sony und Nintendo nicht verstecken müssen. Dazu gehören Spiele wie „Super Mario Galaxy 1 & 2“, „Muramasa – The Demon Blade“, das in den USA bereits erschienene „Kirby’s Epic Yarn“ und jetzt auch Donkey Kong Country Returns.

Entwickler Retro Studios hat sich bei der Rückkehr des beliebtesten Affen der Spieleindustrie so richtig ausgetobt. Bunte und abwechslungsreiche Level, die trotz des zweidimensionalen Gameplays mehrere Ebenen in die Tiefe blicken lassen, faszinieren mit herausragender Liebe zum Detail, erstklassigen Animationen und wunderbar quirligem Gegner-Design. Optisches Highlight sind aber die Silhouetten-Level, in denen wir nur die schwarzen Umrisse von Donkey und Diddy Kong sehen – die sind zwar sehr selten, aber dadurch auch umso wirksamer.

Donkey Kong Country Returns Review

Was uns gefällt:

Die derzeit aktuelle Retro-Renaissance mit ihren zahlreichen Sidescrollern und 2D-Spielen beweist nicht nur, dass Nostalgie ein entscheidendes Verkaufsmittel sein kann, sondern auch, dass diese alten Spielprinzipien auch heute nichts von ihrer Faszination verloren haben. Donkey Kong Country Returns spielt sich genau wie seine Vorgänger: Wir rollen und springen unsere Gegner zunichte, sammeln staudenweise Bananen, schießen uns mit Katapult-Fässern durch die Gegend und reiten sogar wieder auf Rambi dem Rhinozeros.  Ganz auf alte Spielideen haben sich die Retro Studios dann aber doch nicht verlassen: Dank 3D-Grafik katapultiert euch das Spiel ab und zu auf die Ebene im Hintergrund, was sich spielerisch höchstens auf den Schwierigkeitsgrad auswirkt, da Gegner und Plattform aufgrund größerer Entfernung nun schwerer zu erkennen sind. Wichtiger ist da schon Diddys neues Jetpack: Habt ihr euren Neffen aus einem der berühmten DK-Fässer befreit, sitzt er fortan auf eurem Rücken und kann euch mit seinem Jetpack über größere Abgründe befördern. Außerdem dürft ihr mit Diddy Kong eure Roll-Attacke ununterbrochen durchführen.

Rasant wird es in den neuen Raketenfässern, mit denen Donkey Kong Country Returns kurzzeitig zu einer Art 2D-Shoot’em up wird, nur ohne das Geballer. Ihr braust also stetig nach rechts und müsst Feinden und Geschossen ausweichen – das ist nicht nur sehr schnell und spannend, sondern auch eine richtige Herausforderung. Gleiches gilt für die Rückkehr der berühmt berüchtigten Lorenfahrten, die genauso knackig ausgefallen sind, wie zur guten alten Zeit des Super Nintendos. Bestellt euch also schon mal einen neuen Wii-Controller.

Ein absolutes Highlight der Tiki-Jagd sind die Obermotze am Ende jeder Welt. Die großen Bossgegner stellen stets eine ernstzunehmende Bedrohung dar und haben mehrere Phasen, die sie immer stärker machen. Der erste Oberfiesling ist etwa eine fette Echse namens Grässli, die im Laufe des Kampfes immer schneller wird und erst in der letzten Phase anfängt, Schockwellen zu verursachen, denen man ausweichen muss.

Mit Cranky Kong hat es ein weiterer alter Bekannter ins Spiel geschafft. Der alte Schimpanse verkauft euch in seinem Shop Extra-Leben oder hilfreiche Bonus-Gegenstände, wie etwa einen Papagei, der euch auf versteckte Puzzleteile aufmerksam macht – klasse!

Ihr könnt das affenartige Rumgehüpfe entweder allein oder zusammen mit einem Freund im lokalen Koop-Modus spielen. Spieler 2 übernimmt dann die Rolle von Diddy Kong und kann sich entweder separat bewegen, oder auf Donkeys Rücken springen und mit seiner kleinen Knarre Erdnüsse auf die fiesen Feinde feuern. Zu zweit ist Donkey Kong Country Returns nicht nur ein wenig unterhaltsamer, sondern auch um einiges einfacher als Solo. Während im solitären Spiel Donkey Kong nach zwei Schlägen tot ist und Diddy Kong dem eigenen Leben einfach nur zwei Herzen hinzufügt, wird der jeweils andere Spieler im Koop-Modus wiederbelebt, solange nur einer überlebt. Ausnahme: Bei den Loren-Passagen sitzen auch im Zwei-Spieler-Modus beide Affen im selben Wagen, hier wird der vermeintlich hilfreiche Partner eventuell zum Hindernis, da beide Spieler die Lore gleichzeitig steuern können. Trotzdem oder gerade deshalb ist der Koop-Modus ein Spielspaß-Garant, nicht nur für Nostalgiker. Einzelspieler kommen aber auch auf ihre Kosten, sollten allerdings ein dickeres Fell mit mindestens +5 zu Frustresistenz mitbringen.

Was uns nicht gefällt:

Der Schwierigkeitsgrad von Donkey Kong Country Returns ist mit Sicherheit Geschmackssache. Veteranen freuen sich über die Herausforderung, Casual-Spieler greifen wahrscheinlich schnell zum Super-Guide, der nach dem achten Tod in Folge das Level für einen übernimmt. Es gibt aber ein Element, das maßgeblich zum Härtegrad des Spiels beiträgt, obwohl es das nicht sollte: Die Steuerung. Ihr kontrolliert Donkey und Diddy entweder mit Wii-Remote und Nunchuck oder nur mit der Wii-Remote seitwärts. Problem: Bis auf das Springen funktionieren alle Manöver über Schüttel-Bewegungen. Für das Trommeln auf dem Boden ist das auch effektiv und intuitiv, aber gerade die Roll-Attacke hätte auf einer Taste liegen müssen. Schließlich gibt es nichts frustrierendes als bei der halsbrecherischen Turnerei über in sich zusammenbrechende Plattformen statt eine Sprungrolle zu vollführen, stehen zu bleiben und versehentlich auf den Boden zu trommeln, nur am anschließend im totbringenden Abgrund zu landen. Die Alternative des Classic-Controllers hätte hier Wunder gewirkt.

Donkey Kong Country Returns Review

Fazit:

Donkey Kong Country Returns ist das beste 2D-Jump&Run, das ihr dieses Jahr spielen werdet. Es ist bunt, witzig, kreativ und fordernd, aber bisweilen auch ganz schön frustrierend. Wenn ihr euch also allein oder zu zweit an Lianen hangelnd in den farbenfrohen Dschungel stürzen wollt, dürft ihr euch auf ein rasantes und abwechslungsreiches Abenteuer freuen. Und auf zerbrochene Controller.

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