Donkey Kong Country - Tropical Freeze Test: Tropisches Déjà-Vu

Thomas Goik 17

Hier ist es also, das erste große Spiel für die Wii U im Jahr 2014. Wenn „Donkey Kong Country: Tropical Freeze“ ein Zeichen für die kommenden Monate sein soll, dann wird Nintendos Spielejahr sehr gut, aber wenig überraschend. Fast schon routiniert liefern die Retro Studios hier einen 1A-Platformer ab, der mich ultimativ aber ein bisschen kalt gelassen hat. Und nein, das hat jetzt nichts mit dem Namen zu tun.

Mit „Donkey Kong Country Returns“ hat es Nintendo zuletzt geschafft, eine altbekannte Spielereihe aus Super Nintendo-Zeiten zu modernisieren. Der neue Donkey Kong war bunt, schnell, bockschwer und hat an allen Ecken und Enden mit Gamedesign-Ideen und spielerischer Abwechslung überrascht. Nahezu das gleiche Fazit könnte ich nun „Tropical Freeze“ attestieren, nur dass mich der aktuelle Teil der Bananen-Hüpferei an nahezu keiner Stelle überrascht hat. Viel Neues ist den Retro Studios nämlich leider nicht eingefallen.

Donkey Kong Country - Tropical Freeze - Test.
Das muss natürlich erst einmal nichts Schlechtes sein, bedeutet es doch, dass „Tropical Freeze“ das sehr hohe Niveau seines Vorgängers halten kann. Eine Flotte aus feindseligen Pinguinen und Walrossen schippert im Intro auf die Insel der Kongs zu, nur um das saftig grüne Eiland kurzerhand in einen riesigen Eiszapfen zu verwandeln. Donkey und seine Entourage fliegen im hohen Bogen aus ihrer Tropen-Heimat heraus und müssen sich nun über verschiedene kleinere Inseln zurück zu ihrem eigenen Flecken Erde kämpfen. Es ist also keines Wegs so, dass das gesamte Spiel nun einer Frost-Thematik folgt. Stattdessen bietet jede Insel ein ganz eigenes Szenario, etwa nordische Dörfer und Berge, afrikanische Steppe oder eben tropischer Dschungel.

Donkey
Dann schwingt man sich von Liane zu Liane, findet hinter Büschen oder Holzverschlägen versteckte Puzzleteile und Minispiele, rammt sich mit dem Nashorn Rambi durch große Felsbröcke oder fährt mit der Lore auf extrem fies gelegten Schienen durch das Level, nur um ein paar Minuten später im Raketenfass riesigen Fischen auszuweichen. All das macht Spaß, all das haben wir aber auch schon in „Returns“ gemacht.

Für „Tropical Freeze“ hat Nintendo zwei alte Bekannte erneut ins Tropen-Rennen geschickt: Dixie und Cranky Kong dürfen gespielt werden. Dixie kann dabei ähnlich wie Diddy Kong mit ihren Propeller-Zöpfen eine Weile schweben, während Cranky seinen Gehstock als Pogostick benutzt und wie einst Dagobert Duck in „Ducktales“ über Hindernisse hüpft. Mit Cranky spielt sich „Tropical Freeze“ angenehm anders und frisch, in meiner Spielerfahrung erwies sich aber Dixie Kong als die mit Abstand nützlichste Partnerin, da sie im Gegensatz zu Diddy Kong während des Schwebens aufsteigt und damit so einige Jump&Run-Passagen erleichtert und weil sie in den neuen Unterwasser-Passagen mit ihren Zöpfen auch gegen den Strom schwimmen kann.

Das ist dann auch die zweite große Neuerung in „Tropical Freeze“. Die Rückkehr der aquatischen Schwimm-Passagen funktioniert in etwa so, wie man sich das eben vorstellt – das spielt sich dann nicht großartig anders als damals auf dem Super Nintendo, macht aber wie gewohnt Spaß. Bis auf bei diesem einen nervigen Boss, der das Plastik meines Gamepads fast zum Bersten gebracht hat. In Sachen Schwierigkeitsgrad haben sich die Retro Studios nichts nehmen lassen, „Tropical Freeze“ ist gefühlt noch mal einen Zacken härter als sein ohnehin schon knackiger Vorgänger. Gerade die mehr-phasigen Bossgegner haben es in sich. Und genau so möchte ich das! Zwar pumpt einen das Spiel mit Extraleben voll, gerade um alle Geheimnisse in den Levels zu finden sind die aber auch dringend nötig.

Dixie
Um den Affen das tropische Jump&Run-Vergnügen etwas zu erleichtern, verkauft Funky Kong in seinem Shop gegen Münzen diverse Gegenstände, die dann etwa vor Abgründen retten, ein weiteres Herz verleihen oder für kurze Zeit unbesiegbar machen.

Im Zwei-Spieler-Modus wird „Tropical Freeze“ bisweilen sehr frustrierend, weil die wenig dynamische Kamera stets nur dem Spieler zu folgen scheint, der gerade vorn im Level ist. Da wird nicht rausgezoomt oder der Bildschirm geteilt, nein, beide Kongs müssen sich den gleichen, oft zu kleinen Spielausschnitt teilen. Spaß macht die Jagd auf Puzzleteile, Bananen und Münzen zu zweit natürlich immer noch, mir hat der Einzelspieler-Modus aber deutlich mehr zugesagt.

„Tropical Freeze“ reizt zwar nicht die technischen Möglichkeiten der Wii U komplett aus, gehört mit seiner farbenfrohen Grafik und dem groovigen Soundtrack aber zum Besten, was die Konsole zur Zeit zu bieten hat. Die neuen 3D-Kamerafahrten und Perspektivwechsel stehen dem Spiel ausgezeichnet, das Kreaturen-Design ist erstklassig, die Animationen auf Film-Niveau und das Fell der Kongs sieht aus, als könne man es wirklich streicheln.

Es gibt insgesamt also wenig zu meckern an „Tropical Freeze“ und doch bin ich ein wenig ernüchtert. Als ich den Vorgänger „Returns“ zum ersten Mal gespielt habe, haben mich Elemente wie die Raketenfässer, Loren- & Nashorn-Passagen, Fässer-Minispiele und der ordentliche Schwierigkeitsgrad noch überrascht – hier wurden all diese Elemente erneut abgehakt. Selbst grafisch werden nur wenige neue Akzente gesetzt, es gibt etwa wieder die Silhouetten-Levels, die man aber ebenfalls aus „Returns“ kennt und die somit weniger Eindruck hinterlassen.

Die neuen spielbaren Kongs und Unterwasser-Level sind nett, ändern aber wenig am Spielgefühl. Wo Nintendo mit „Super Mario 3D World“ erst kürzlich noch gezeigt hat, dass auch einem alten Klempner noch viele neue Tricks einfallen können, scheint dieser Affen-Crew schneller das Pulver auszugehen. „Tropical Freeze“ fehlt einfach der letzte Funken Inspiration, um wirklich wieder großartig zu sein.

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Fazit:

„Donkey Kong Country: Tropical Freeze“ ist abwechslungsreich, charmant und bockschwer. Es setzt die Tugenden seines inzwischen vier Jahre alten Vorgängers konsequent fort, traut sich aber nicht, das etablierte Konzept mit echten Neuerungen nachhaltig zu erweitern. Stattdessen bedient sich „Tropical Freeze“ weiterhin bei den SNES-Klassikern und bringt Unterwasser-Levels und zwei weitere Kongs zurück. Das ändert natürlich wenig am nach wie vor hervorragenden Level-Design, der vorbildlichen spielerischen Abwechslung und dem Spaß, den man mit diesem Spiel hat. Nur weiß ich, dass die Retro Studios nicht nur sehr gut können. Sie können großartig.

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