Doom im Test: Here comes the Boom!

Sebastian Tyzak 4

Doom ist zurück und nimmt keine Gefangenen: Der Shooter schielt zurück auf den Ursprung und inszeniert ihn mit atemloser Haudrauf-Action, scheppernden Metal-Riffs und der wunderschönsten Kulisse, die ihr niemals beachten werdet, aufs Neue. Warum, das steht in unserem Test.

Doom im Test.

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Doom im Test

Doom ist wie ein Platz in der ersten Reihe eines Metal-Konzerts. Im kantigen Rhythmus des Schlagzeugs rattert das Mundüngsfeuer von Plasmaknarre, Schrotflinte und (natürlich) Big Fucking Gun. Die Schreie der zersiebten Höllenbrut gleichen den gutturalen Lauten des Frontmanns. Der nicht enden wollende Strom aus Dämonen wirft euch umher wie ein tosender Moshpit. Ich nehme zumindest einen Teil meines Fazits schon jetzt vorweg: Wer kompromisslose, halsbrecherisch schnelle Action sucht und vollkommen auf erzählerischen Kontext pfeift, dürfte in Doom die Erfüllung seiner Träume finden.

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Ein Höllenritt!

Eine simple Prämisse und ein ebenso einfacher Spielablauf, müssen nicht immer etwas Schlechtes sein. Ab Minute Eins macht euch Doom klar, dass es hier nicht um Gänseblümchenflücken geht. Aufgewacht, durchgeladen, losgeballert – keine Zeit für Erklärungen und Charakterzeichnung. Wer ihr seid? Völlig Schnurz! Hauptsache ihr wisst mit einer Schrotflinte umzugehen und spaltet damit fachgerecht Dämonenschädel. Ja, die Geschichte von Doom wird zu Beginn schon von diesem Computerterminal ausreichend und allumfassend protokolliert:

Anstelle einer filigranen Erzählung setzt Doom seine explosive Action. Ehe ihr bis drei gezählt habt, findet ihr euch auch schon wieder von Cacodemons, Revenants und Höllenbaronen umzingelt und entladet dabei euer komplettes Waffenarsenal. Angetrieben wird das Geschehen durch grollende E-Gitarren-Riffs, treibende Beats und einem Design, das direkt dem nächstbesten Death-Metal-Albumcover entsprungen sein könnte. Mit Fug und Recht dürfen sich die Entwickler von id Software damit rühmen, die Vision des Ur-Dooms gekonnt in die Jetztzeit übertragen zu haben. Es ist schnell, es ist gnadenlos und lässt euch nach jedem Fight bei der Suche nach Healthpacks die Gegend durchkämmen.

Was die Action anbelangt, finde ich kaum Kritik. Zwar wird sie immer wieder in abgesteckten Arenakämpfen ausgelebt, doch da das Geschehen so reißerisch ist, verliert sich dieser magere Kritikpunkt. Auch die martialischen „Glory Kill“-Hinrichtungen der Dämonenbrut, die ihr nach ein wenig Beschuss durch einen Nahkampfangriff auslösen könnt, verlieren bis zum Schluss nicht ihre Wirkung. Trotzdem ihr diese hoffnungslos überzeichneten Splatter-Szenen im Sekundentakt auslöst, stören sie nicht, sondern stellen lediglich einen Höhepunkt eurer bestialischen Schlachtplatte da. Nur nach einigen Stunden am Stück zeigen sich Ermüdungserscheinungen und der Wunsch auf eine Folge der Glücksbärchis als Kontrastprogramm. Falls es bis jetzt nicht durchgedrungen ist: Ja, auch das neue Doom ist nichts für Kinder oder schwache Nerven, allerdings auch so hemmungslos übertrieben, dass es niemand für bare Münze nehmen kann.

Doom: Versteckte Level finden und alte Doom-Karte freischalten

Doch bei all der atemlosen Action überrascht mich das Leveldesign: Während ich zu Beginn noch wie ein Adrenalin-Junkie auf Entzug im Eiltempo von einer Auseinandersetzung zur nächsten hetze, merke ich bald, dass ich einen großen Teil des Spiels dabei außer Acht lasse. Die Level sind keine an einer Schnur gefädelten Action-Achterbahnen, sondern überraschend komplex. Auf achtsame Höllenhenker warten zahlreiche kleine Geheimnisse, endlos viele Upgrade-Materialen und sogar Dokumente, die der schmalen Geschichte (wenig erfolgreich) mehr Fleisch auf die Hüften schreiben wollen. Vor allen Dingen die vielen Möglichkeiten, Rüstung und Waffen aufzuwerten, motivieren – trotz klassischem Spieldesign haben die Entwickler die neumodischen Gepflogenheiten nicht außer Acht gelassen. Lediglich ungeschickt platzierte Rücksetzpunkte und verhältnismäßig lange Ladezeiten nach einem Bildschirmtod trüben die Sause ein wenig.

Unpassende Multiplayer-Mixtur

Eine deutliche Schwäche des neuen Doom ist sein Multiplayer-Modus. Teilweise hängt der kompetitive Mehrspielerpart zu sehr der alten Schule nach, teilweise orientiert er sich dann aber auch wieder zu stark an Neuem. Ohne automatische Regeneration eures Recken und ohne standardmäßig übergeworfenen Brustpanzer seid ihr beispielsweise die meiste Zeit während Partien auf der Suche nach Health-Packs und Rüstung. Somit werden die eigentlich launigen Matches unnötig zerfasert und ihr zu schnell zu Kanonenfutter, solltet ihr eure Energie nicht rechtzeitig aufgeladen haben.

Auf der anderen Seite streicht Doom klassische Waffen-Pickups und lässt euch nur mit den anfänglich gewählten Ballermännern in den Mehrspielerkrieg ziehen. Seltsam dabei ist das Balancing der Schießprügel, deren Effektivität sich stellenweise deutlich von der Kampagne unterscheidet. Gerade Schrotflinten scheinen dabei meist die erste Wahl zu sein, während Plasma- und Maschinengewehr dem Umherwerfen mit Wattebäuschchen gleichkommen. Um ein paar wichtige Gegenstände dürfen sich die Spieler dann aber schon balgen: Neben Extras wie kurzzeitigem, vierfachem Schaden oder vorübergehender Unsichtbarkeit, sind vor allen Dingen die Dämonenrunen begehrt. Zu Recht, verwandeln euch diese doch in Overpower-Monstrositäten, die normale Space Marines zum Frühstück verspeisen.

Doom: Selbst die Entwickler packen den härtesten Modus nicht

Da die Dämonenrunen zufällig auf der Karte auftauchen, sind sie ein nicht zu unterschätzender Zufallsfaktor, der leider auch einem deutlich überlegenen Team ziemlich schnell den Vorsprung kaputt machen kann. Doch wenn der Multiplayer-Modus erst einmal richtig in Fahrt kommt, macht auch er einiges an Spaß. Vor allen Dingen klassisches Team-Deathmatch und die Seelenernte machen Laune. Bei Letzterem müsst ihr nach Abschuss eines Gegners dessen Seele einsammeln, um zu punkten. Da beim ersten Abschuss auch automatisch die Dämonenrune auftaucht und über den kompletten Spielverlauf aktiv bleibt, entwickeln sich schnell hitzige Rangeleien um das Monstrum herum, die sich ein wenig nach „Tauziehen in der Hölle“ anfühlen.

Das Do-it-Yourself-Totenreich

Mit Snapmap gibt id Software kreativen Spielern ein tolles Tool zur Hand. Schon nach dem Basis-Tutorial beherrscht ihr genug Kniffe, um einfache Karten zusammenzustückeln. Dank eines übersichtlichen Aufbaus und der verhältnismäßig einfachen Bedienung ist die Arbeit in Snapmap wirklich angenehm. Sogar ein Baukasten-Muffel wie ich konnte nach der kurzen Einführung bereits ein einfaches Einzelspieler-Level zustande bringen. Wer tiefer in die Materie einsteigt und sich alle Anleitungen zu Gemüte führt, kann allerdings noch weit komplexeres schaffen: Von austarierten Multiplayer-Maps bis hin zu durchdachten Einzelspieler-Levels mit intelligent aufgestellten Gegnerhorden, ist viel möglich.

Wer keine Lust aufs Selberbauen hat, darf auch auf eine Großzahl an Community-Bauten zugreifen, die schon stellenweise kurz nach Release richtig anständig waren – da wird im Laufe der Zeit bestimmt noch mehr kommen. Nur Wunder solltet ihr keine erwarten: Snapmap lässt euch auf einem rudimentären Level agieren. Ähnlich detaillierte Architekturen wie aus der Einzelspielerkampagne gewohnt, werdet ihr aus dem Tool kaum kratzen können. Als bereits integriertes Feature ist Snapmap aber eine feine Sache.

Mein Fazit von Doom

Doom lässt die Wände wackeln: Soviel aufgedrehte Action gab es in einem Shooter schon lange nicht mehr! Die rund zwölf Stunden umspannende Kampagne ist ein Traum für jeden von euch, der sich schon immer gefragt hat, wie sich ein Old-School-Shooter heutzutage spielen würde. Die Antwort ist „schnell, brachial und grandios“. Leider lässt sich ein ähnlich gutes Urteil nicht über den Multiplayer-Modus fällen, der zwar in seinen besten Momenten richtig unterhaltsam sein kann, sich die meiste Zeit aber mit Balancing-Problemen und Genre-Altlasten herumplagt.

Doom ist seit dem 13. Mai 2016 für PC, Xbox One und PlayStation 4 erhältlich. Ihr könnt das *.

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