Dual Universe macht alle Spieler zu Entwicklern

Alexander Gehlsdorf

Schon wieder keine neue Karte im nächsten Overwatch-Update? Im kommenden World of Warcraft Addon gibt es keinen zusätzlichen Crafting-Beruf? Dual Universe kann darüber nur lachen, denn in dem Weltraum-Sandkasten sind die Spieler selbst für alle Inhalte verantwortlich.

Dual Universe - Teaser.
Normalerweise haben Entwickler zwei Möglichkeiten, ihr Spiel mit Inhalten zu füllen. Entweder bauen sie alle Quests, Charaktere, Umgebungen und Gebäude selbst, wie es in den meisten Spielen der Fall ist, oder aber sie überlassen komplizierten Algorithmen die Arbeit. Diablo 3 etwa bietet dank immer neu zusammen gesetzter Rifts stets einen Anlass für einen weiteren Durchlauf. Auch No Man’s Sky wollte mit Algorithmen ein gesamtes Universum füllen, heraus kam dabei anfangs jedoch eine scheinbar leere, abwechslungsarme und generische Spielwelt, bis die Entwickler mit eigenen Inhalten nachlegten.

Dual Universe will hingegen einen dritten Weg gehen: Die Spieler bauen ganz einfach ihren eigenen Content. Das Konzept ist nicht neu, schließlich verdanken auch Minecraft und EVE Online ihren Erfolg dem Do-It-Yourself-Prinzip. Du willst in einem gigantischen, fliegenden Schloss aus Glas leben? Dann bau es dir! Du willst Teil eines intergalaktischen Krieges sein, dessen Verlauf du durch diplomatische Entscheidungen, strategische Handelsrouten und gut bezahlte Spione mitbestimmten willst? Dann zettel ihn einfach selbst an!

In Dual Universe ist nichts in Stein gemeißelt, die gesamte Spielwelt kann verändert, geformt, beeinflusst werden. Von den Spielern. Jeder Berg, jeder Baum, jeder Untergrund kann abgebaut und an anderer Stelle wieder in eine Basis oder ein Raumschiff verarbeitet werden. Anders als in Minecraft steht dir jedoch ein ganzes Sonnensystem als Sandkasten zur Verfügung. Wenn genügend Spieler kontinuierlich zusammenarbeiten, könnten sie sogar ein Loch in einen der Planeten graben, auch wenn das laut den Entwickler selbst mit tausenden Spielern Jahre dauern würde. Technisch möglich ist es dank Voxel-Grafik trotzdem. Mit dieser Technologie wurde bereits in den 90er Jahren experimentiert. In den vergangenen zwei Jahrzehnten musste sie jedoch den deutlich populäreren Polygonen weichen. Für das Sandkasten-Prinzip von Dual Universe eignet sie sich jedoch perfekt.

Aus diesen schier endlosen Möglichkeiten ergeben sich schließlich auch die Quests von Dual Universe, wenn das überhaupt das richtige Wort ist. Die Spieler wissen in der Regel schließlich am besten, was sie machen wollen und was ihnen am meisten Spaß macht. Also lässt sie Dual Universe auch genau das tun. Bereits jetzt gibt es zahlreiche Spieler-Organisationen, die alle ganz eigene Ziele verfolgen. Die Terran Union etwa erinnert an die Föderation aus Star Trek, während die Band of Outlaws zum mächtigsten Verbrecher-Syndikat des Spieluniversums aufsteigen will.

Dual Universe - Community Outposts.

Um diese Ziele zu verfolgen, sind natürlich unterschiedliche helfende Hände nötig. Dual Universe hat kein Klassensystem, prinzipiell kann und darf jeder Spieler machen was er will. Dennoch werden sich die Spieler ganz organisch spezialisieren, genau wie im echten Leben. Während zahlreiche Spieler ihr Glück als Pilot versuchen werden, konzentrieren sich andere auf den Ausbau der Basis, andere fördern Baumaterialien und wiederum andere entwerfen, bauen und verkaufen Raumschiffe.

Vorgefertigte Raumschiffstypen gibt es in Dual Universe nämlich nicht, jedes Vehikel muss von Hand entworfen und gebaut werden. Damit dabei auch wirklich ein flugfähiges Gefährt heraus kommt, ist also jede Menge Handwerkskunst nötig. Dass nicht jeder Spieler diese Expertise besitzen wird, ist klar, aber genau dadurch funktioniert ja auch das Spezialisierungs-Ökosystem. Wer ein Raumschiff braucht, bezahlt einen der fähigen Spieler dafür. Dieser wiederum muss sich die Baumaterialien bei einem der Ressourcen-Farmer erstehen. Dieser hingegen ist womöglich Teil eines Handelsabkommens, muss sich vor Weltraumpiraten schützen und so weiter und so weiter.

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Dazu kommt, dass sich weite Teile des Spiels sogar automatisieren lassen. Wer Javascript beherrscht, kann in seiner eigenen Basis ein Sicherheitsprotokoll programmieren, seinem Raumschiff eine Landehilfe verpassen, die Transaktionen seines Handelsimperiums verwalten oder wie die Organsation Moonscythe Inc ihr eigenes Casino errichten. In Zukunft dürfte also großes Interesse an begehrten Quellcodes bestehen, die von Programmierern auf Reddit ausgetauscht werden — oder für viel Ingame-Währung verkauft.

Aktuell befindet sich Dual Universe in der Pre-Alpha. Wer teilnehmen möchte, kann für 60 Euro ein Contributor Pack erwerben.

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