Duke Nukem 3D-Jubiläum: 20 Jahre Kontroversen, Coolness und Klospülungen

Sebastian Moitzheim 1

Ende Januar wird Duke Nukem 3D 20 Jahre alt. Zeit, einmal darüber nachzudenken, was das Spiel zum Klassiker macht und welchen Einfluss es auf die Spielegeschichte hatte.

Duke Nukem 3D-Jubiläum: 20 Jahre Kontroversen, Coolness und Klospülungen

Wenn dieser Tage Gamer anlässlich des 20jährigen Jubiläums von Duke Nukem 3D an das Spiel zurückdenken, werden jedem von ihnen verschiedene, teils widersprüchliche Dinge einfallen: Manche werden an einen Meilenstein des Shooter-Genres zurückdenken, andere an ein Spiel, das keine einzige wirklich originelle Idee hatte; manche werden daran denken, wie sie Horden von Aliens niedergemäht haben – andere daran, wie sie eine Billardkugel anstießen; manche werden an einen der coolsten Actionhelden der Spielegeschichte denken, manche an einen Charaktertyp, der, wenn er schon damals nicht längst seiner Zeit hinterher war, es definitiv heute ist; manche werden es für Zeitverschwendung halten, überhaupt an Duke Nukem 3D zurückzudenken. In diesem Artikel will ich auf einige dieser verschiedenen Sichtweisen auf das Spiel eingehen und fragen, was, wenn überhaupt, der Einfluss von Duke Nukem 3D auf die Videospielwelt war.

Klon oder Weiterentwicklung?

Fraglos ist, dass Duke Nukem 3D, als es am 29. Januar 1996 zunächst in einer Shareware-Version erschien, einen Nerv traf – ganz sicher bei Spielern, wahrscheinlich aber auch bei anderen Entwicklern: Bis heute hält sich das Gerücht, dass das Entwickler-Team von Doom um John Romero Duke Nukem 3D damals gehasst haben soll. Ob etwas dran ist, lässt sich heute schwer überprüfen. In diesem Interview nennt Romero Duke Nukem 3D einen „brauchbaren Klon“ von Doom, was nicht unbedingt nach Hass, aber auch nicht so klingt, als wäre Romero großer Fan des Spiels des Konkurrenz-Studios 3D Realms gewesen.

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Es sagt außerdem einiges über die Entstehungsgeschichte von und mögliche Kritik an Duke Nukem 3D aus: Ohne das 1993 erschienene Doom hätten die Designer George Broussard, Allen Blum und Todd Replogle wohl nie den Sprung vom 2D-Sidescroller-Gameplay ihrer bisherigen Duke Nukem-Games zum First Person Shooter gewagt. Die 2.5D-Grafik, das Level- und Gegner-Design, das Kern-Gameplay, all das ist ohne Frage von Doom inspiriert. Man kann nicht über Duke Nukem 3D reden, ohne über Doom zu reden. Die Frage ist, ob die 3D Realms-Entwickler der von id Software entwickelten Formel genug hinzufügen konnten, um den Klassiker-Status, den Duke Nukem 3D in den Augen vieler Spieler innehat, zu rechtfertigen.

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Babes, Billard und…bessere Gags

Die offensichtliche Neuerung, die Duke Nukem 3D gegenüber Doom zu bieten hatte, ist der Humor. Mit seinen plumpen Referenzen an Filme (Dukes Catchphrase „Hail to the king, baby!“ ist zum Beispiel von Sam Raimis Army of Darkness übernommen) und andere Spiele (zum Beispiel ein paar wenig respektvolle Seitenhiebe auf Doom und das angekündigte Quake) sowie seiner pubertären Faszination für Körperflüssigkeiten und die weibliche Anatomie war dieser Humor zwar alles andere als subtil, aber dass ein Shooter überhaupt lustig sein kann, das war damals eine so wichtige Lektion wie in den folgenden Dekaden und bis heute. Dass der Duke außerdem, vor allem durch seine witzigen, respektlosen Sprüche, ein wesentlich klarer definitierter Charakter war als der namenlose Space Marine aus Doom (und viele andere FPS-Protagonisten bis heute), ist ohne Frage einer der Gründe, warum viele Spieler eine so enge Verbindung zum Duke Nukem-Franchise knüpfen konnten, warum sie jahrelang auf das immer wieder verschobene Duke Nukem Forever warteten, warum noch heute viele große Zuneigung für das Franchise übrig haben, obwohl alles, was nach Duke Nukem 3D kam, eher weniger das Zeug zum Klassiker hat.

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Doch die vielleicht noch wichtigere Neuerung von Duke Nukem 3D war die Interaktivität der Level. So großartig die Level in Doom designt waren, sie blieben doch genau das: Videospiel-Level. Duke Nukem 3D dagegen versuchte, eine funktionierende, organische Welt zu erschaffen und war zumindest näher dran, dieses Ziel zu erreichen, als die anderen Action-Spiele seiner Zeit. Viele Objekte in den Levels des Spiels ließen sich zerstören oder manipulieren, was damalige Spieler nachhaltig beeindruckte: Bringt heute in einer Runde von Gamern (im richtigen Alter) das Gespräch auf Duke Nukem 3D und ich garantiere euch, mindestens einer wird mit großen Augen davon berichten, wie unglaublich es damals war, in einem Level mit Billardtisch tatsächlich die Kugeln anstoßen oder tatsächlich den Abzug der virtuellen Toiletten im Spiel betätigen zu können.

Natürlich klingt das aus heutiger Sicht wenig beeindruckend und eher nach netter Spielerei als nach einer bahnbrechenden Weiterentwicklung des Shooter-Genres. Aber das wichtige ist die Philosophie, die hinter diesen Details steckte: In gewisser Weise sagte Duke Nukem 3D die weitere Entwicklung des Genres voraus, denn viele heutige Gameplay-Konventionen, wie die bei AAA-Actionspielen fast schon obligatorische Open World, haben letztlich denselben Hintergedanken wie die funktionierenden Toiletten in Duke Nukem 3D: Sie sollen die Spielwelt lebendiger, die Immersion größer machen.

Duke Nukem 3D auf einen reinen Doom-Klon zu reduzieren, wäre also unfair. Allerdings gab und gibt es noch weitere Kritikpunkte am Spiel, die man nicht ignorieren sollte.

Sexistisch und Gewaltverherrlichend?

Fast so lange, wie es Videospiele gibt, gibt es auch Menschen, die in Videospielen Gefahren für die Jugend sehen. Auch Duke Nukem 3D erhitzte bei Erscheinen die Gemüter: Pornografisch, sexistisch und gewaltverherrlichend sei das Spiel, beklagte zum Beispiel die US-Organisation Media Watch. In Deutschland landete das Spiel aufgrund seiner in den Augen der damaligen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften exzessiven Gewaltdarstellung auf dem Index.

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Es ist leicht, diese Kritik zu belächeln, gerade aus heutiger Sicht, aus der es schwerfällt, die aufgrund der damaligen grafischen Möglichkeiten doch eher abstrakte Darstellung von Gewalt und sexuellen Inhalten ernst zu nehmen. Eine Indizierung des Spiels ist ganz sicher nicht gerechtfertigt. Ein Bisschen ist aber doch dran an den Vorwürfen der damaligen Kritiker, zumindest, was den Sexismus des Spiels angeht: Duke Nukem 3D mag den Spieler nicht explizit in Form von Punkten, Power-Ups oder ähnlichem für das Töten der Frauenfiguren im Spiel belohnen, aber Fakt ist, dass Frauen in Duke Nukem 3D in erster Linie als Staffage vorkommen, als weitere Objekte, mit denen der Spieler auf dieselbe primitive Weise interagieren kann (Geld geben = Brüste) wie mit Lichtschaltern, Billardkugeln und Klospülungen. Das Spiel mag den Spieler nicht ermuntern, Frauen wie Objekte zu behandeln, aber ganz sicher leitet es ihn auch nicht an, Frauen als lebendige, menschliche Wesen wahrzunehmen – sie sind eben ein weiterer Teil dieses virtuellen Abenteuer-Spielplatzes, den man ignorieren, an dem man sich aber auch, nicht gerade auf Gentleman-Art, austoben kann.

Hail to the King

Das nimmt Duke Nukem 3D aber natürlich nicht seine spielerische Qualität und seinen Einfluss, den man von Serious Sam bis Borderlands immer wieder – meiner Meinung nach aber noch ein Bisschen zu selten – im Action-Genre sehen kann. Und übrigens macht Duke Nukem 3D, wie das Vorbild Doom, dank seinem wirklich guten Leveldesign und dem zwar, wie gesagt, etwas doofen, aber immerhin zeitlos doofen Humor auch heute noch Spaß. In seinem letzten Auftritt mag der Duke so manche Alterserscheinungen offenbart haben, doch Duke Nukem 3D ist zurecht ein Klassiker und deshalb gilt auch heute, 20 Jahre später, noch: Hail to the king, baby!

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