Die Spieleindustrie und Motion Sickness

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Um Einzelfälle scheint es sich hier also nicht zu handeln – aber warum tun Entwickler dann nichts dagegen und inszenieren ihre Spiele so, dass vielen Spielern beim Zocken oder Zuschauen schlecht wird?

Da die Herkunft des Problems teilweise so unterschiedlich ist, ist es tatsächlich gar nicht so leicht für Entwickler, ihre Spiele anzupassen. Geht es um das Thema Farbenblindheit, lässt sich oft durch wenige Umstände ein Colorblind-Modus einbauen. Bei Motion Sickness sieht das dann schon anders aus – schließlich wäre die Änderung von einem FPS in einen Third-Person-Shooter eine grundsätzliche Design-Entscheidung, die das Spiel bereits in seinen Grundzügen verändern würde.

In einem Artikel auf Polygon verrät Techland einige Details aus der Entwicklungsphase von Dying Light – einem kommenden Zombie-Survival-Spiel mit Parkour-Elementen. Laut dem Entwickler ist es möglich, beim Thema Motion Sickness zumindest stellenweise auf die Spieler zuzugehen. Sie investieren aus diesem Grund Zeit, um Kamerabewegung, Blickwinkel, Farbsättigung, Architektur und Aufbau mit anderen Spielen zu vergleichen und entsprechend zu verbessern. Parkour-Videos auf YouTube helfen ihnen dabei, einen möglichst natürlichen Kamerawinkel sowie passende Kopfbewegungen zu emulieren.

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Viele Faktoren – wie beispielsweise zu nah vor dem Bildschirm zu sitzen - liegen allerdings außerhalb des Einflussbereichs der Entwickler. Trotzdem tun manche Studios alles, was sie können. Beispielsweise einen kleinen Punkt in die Mitte des Sichtfelds integrieren, der den betroffenen Spielern beim Fokussieren helfen soll. Das hat allerdings auch schon DICE bei Mirror’s Edge versucht – was laut vielen Spielern den Ausbruch der Übelkeit zwar verzögern, aber nicht wirklich ganz verhindern konnte.

Was kann man gegen Motion Sickness tun?

Klingt ein bisschen aussichtslos. So, als würde es eigentlich nur was bringen, Spiele komplett zu ignorieren.

nah am bildschirm
Jein. Motion Sickness erfolgreich bekämpfen kann genauso persönlich sein wie die eigene Reaktion. Manchmal hilft es bereits, einen guten Bildschirm mit hoher Auflösung zu kaufen und zumindest auf die alten Spiele-Gurken mit schlechter Textur-Qualität zu verzichten. Alternativ kann man durchaus auch mal ausprobieren, sich weiter vom Bildschirm weg zu setzen, damit das Gehirn die Umgebung (also euer Zimmer) besser wahrnimmt. Twitterer und Schreiberling Lukas Flad nimmt die Übelkeit zum Beispiel viel eher wahr, wenn er am PC spielt. Wem es ähnlich geht, dem ist vielleicht schon damit geholfen, eine Konsole an den Fernseher im Wohnzimmer anzuschließen und etwas weiter entfernt auf dem Sofa zu sitzen.

Als kurzzeitige Hilfe soll angeblich Ingwer in Form von Lutschbonbons oder Ginger Ale, sowie Car-Sickness-Medizin aus der Apotheke helfen. Und ein genereller Verzicht auf Koffein, Nikotin, Alkohol oder salzige Snacks beim Spielen. All diese Möglichkeiten verzögern die Reaktion aber meist nur um eine weitere halbe Stunde und helfen sowieso nicht jedem – ist also eher was für kurze, dringliche Autofahrten als eine durchgezockte Nacht.

Unkonventionell: Akupressur-Armbänder, die einen Druckpunkt am Gelenk stimulieren, helfen Schwangeren gegen Übelkeit. Weder Tom, Mats, Robin noch ich * sind schwanger, weshalb wir euch jetzt schlecht sagen können, ob das funktioniert. Allerdings wird diese Variante häufig von Motion-Sickness-Betroffenen empfohlen, also vielleicht hilft sie euch ja ebenfalls.

* (muss mal Tobi fragen, der war ja grad quasi-schwanger)

Motion_Abhilfe

Wenn all das nichts bringt, bleibt nicht mehr viel übrig: Kurze Spieleinheiten oder zwischendurch eine Mütze voll Schlaf gehen immer, machen uns Videospiel-Fans aber nicht wirklich glücklich. Und sich einfach von Anfang an anderen Genres wie Simulationen oder Strategie-Spielen widmen, mag zwar eine Hilfe für Redakteure wie Christian Burtchen oder mich sein, euch FPS-Spielern aber wenig Freude bringen.

Christian Burtchen: „Ich vermeide die entsprechenden Spiele oder Videos einfach. Bis jetzt gab es noch keinen Fall, in dem das innere Haben-Wollen mich dazu überredet hätte, Tabletten für Reisekrankheit aus der Apotheke zu holen.“

Alles, was dann noch bleibt, ist der pure Verzicht. Traurig, aber für einen nicht kleinen Anteil von Spielern die tägliche Realität.

Vielen Dank an Christian Burtchen, Lukas Flad, Quinn Drake und Ralf-Jürgen Stilz fürs Teilen persönlicher Erfahrungen, die teilweise mit in den Artikel geflossen sind.

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