Everybody's Gone to the Rapture Test: So schön ist die Apokalypse

Annika Schumann 2

Ein ruhiges, englisches Dorf. Wundervolles Wetter. Sanfter Wind. Alles scheint völlig normal - doch das ist es nicht. Im Gegenteil. Es ist der Beginn der Apokalypse. Das ist Everybody’s Gone to the Rapture. Mehr zum Indie-„Nachfolger“ von Dear Esther erfahrt ihr in unserem Test.

Everybody's Gone to the Rapture launch trailer.

Everybody’s Gone to the Rapture

Bei Everybody’s Gone to the Rapture handelt es sich um ein Spiel der ganz besonderen Art. Eure Figur, die ihr aus der First-Person-Perspektive steuert, ist sprachlos und erlebt als teilnahmsloser Zuschauer die Geschichte eines kleinen Dorfes. Zunächst scheint es, als wäre alles normal - doch schnell stellt sich heraus, dass etwas vorgefallen sein muss. Zigarrenstummel und Lichter brennen, Radios senden auf seltsamen Frequenzen; doch keine Menschenseele ist zu finden.

Das Einzige, was den Spieler begleitet, ist ein gleißendes, orangenes Licht. Es weist den Weg und wie eine Motte verfolgt man es durch das englische Dorf und erfährt nach und nach, durch leuchtende Rückblenden, was mit den Einwohnern passiert ist - jedoch ohne auch nur ein einziges Mal eine konkrete Figur gänzlich zu erkennen. Alles, woran die Charaktere zu erkennen sind, sind ihre Stimmen, die aus dem Lichtermeer erklingen. Ein Stilmittel der ganz besonderen Art, das die Tiefsinnigkeit und die Tragweite des Ereignisses philosophisch untermalt. Denn bald ist klar: nicht nur das Dorf, sondern die ganze Welt ist in Gefahr und am Rande der Apokalypse.

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Wann ist ein Spiel ein Spiel?

Everybody’s Gone to the Rapture lebt nicht von viel Action, extremen Zwischensequenzen oder gar einem besonders ausgefeilten Gameplay. Nein, das Spiel ist im Grunde genommen gar kein richtiges Spiel. Es ist mehr ein interaktiver Film, der durch die Erkundung und Entdeckung der detaillierten, liebevoll gestalteten Landschaft und der mysteriösen Geschichte glänzen möchte. Die Charaktere, die nur in Rückblenden präsentiert werden, haben alle ihre eigene Geschichte, welche mit denen der Anderen verwoben ist und die überraschend schnell ans Herz geht. Dies liegt vor allem auch an den grandiosen Synchronsprechern und dem brillanten und absolut passenden Soundtrack, der zu jeder Situation passende Töne, Chöre oder Lieder erklingen lässt. Es ist lange her, dass ich ein Spiel erlebt habe, bei dem für sich genommen schon der Soundtrack für Gänsehaut sorgen konnte.

Doch das ist nicht alles. Everybody’s Gone to the Rapture zeigt die Apokalypse auf völlig neue, unverbrauchte Art. Wie oft ist die Welt in Hollywood-Filmen und Videospielen in einem Flammenmeer oder einer (Zombie-)Seuche untergegangen, samt vielen Explosionen und strahlenden Helden. Everybody’s Gone to the Rapture geht einen anderen Weg. Es zeigt, dass der Tod eben nicht immer laut, qualvoll und imposant ist. Oft ist der Tod - oder gar der Untergang der ganzen Welt - leise und flüchtig. Wie ein Flüstern im Wind - kaum wahrnehmbar, aber dennoch spürbar und dramatisch.

Unser Fazit zu Everybody’s Gone to the Rapture:

The Chinese Room haben schon mit Dear Esther ein ganz besonderes Spiel erschaffen, doch mit Everybody’s Gone to the Rapture haben sie sich selbst übertroffen. Trotz der wenigen Interaktionen, der nicht erkennbaren Charaktere und der mysteriösen Story, die einige Fragen offen lässt, schafft es Everybody’s Gone to the Rapture, den Spieler von der ersten Sekunde an in einen Bann zu ziehen, der nur selten in solch einer Gänze durch ein Videospiel überhaupt möglich ist. Die Welt verschwindet und alles, was plötzlich zählt, sind die Geheimnisse des Dorfes, die wunderschöne musikalische Untermalung und die Suche nach der Ursache der dramatischen Ereignisse. Oft kam es vor, dass ich einfach nur die Landschaft erkundet und die Ruhe nach dem Sturm genossen habe.

Das Spiel ist definitiv ein Unikat - aber genau darin liegt die Krux. Der Spieler muss sich darauf einlassen, von Anfang an wissen, dass der Titel anders ist und genau das auch sein muss, um solch eine Wirkung zu erzielen. Bei einer Spielzeit von rund vier bis sechs Stunden und einer so immens dichten Atmosphäre sollte jeder Spieler, der eine ernste, erwachsene Story sucht, definitiv zuschlagen.

Everybody’s Gone to the Rapture erscheint exklusiv und digital für PlayStation 4 am 11. August 2015. Es wurde eine Vorab-Presse-Version getestet.

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