Evolve Test: Wie ich lernte, Online-Multiplayer zu lieben

Dominic Stetschnig 18

Ego-Monster mit Monster-Ego

Man kann es drehen und wenden wie man möchte, aber man muss den Entwicklern zugestehen, dass das asymmetrische Spielprinzip von Evolve ein cleverer Schachzug war, den das Online-Multiplayer-Genre bitter nötig hatte. Spieler vom Typ „Lone Ranger“ können in der Rolle des Monsters komplett für sich selbst sein, während das Spiel als Hunter so sehr auf ein funktionierendes Zusammenwirken des Teams setzt, dass Einzelgänger nicht die geringste Chance haben. Ein absolut harmonisches Zusammenspiel der Jäger ist Grundvoraussetzung, um auch nur die geringste Chance gegen ein sonst übermächtiges Monster zu haben. Leider stellt sich das auch als großes Manko bei Multiplayer-Partien mit fremden Spielern heraus: ein Spiel mit gewohntem Team und Absprache läuft komplett anders als eine Runde mit Unbekannten, die quer über den Globus verteilt sind. Troll, ick hör dir trapsen. Und dennoch: Jedes Match ist aufs Neue ein Abenteuer, das beide Parteien einlädt, neue Taktiken auszuprobieren.

Schatten auf Shear

Nicht alles ist monströs und rosig im Evolve-Universum. Das Leveldesign der Arenen bewegt sich zwischen dystopischem Dschungel und industriellem Gebirge, bietet aber letzten Endes wenig Abwechslung und vor allem wenig Übersicht. Die verwilderte Architektur ist zwar gewollt, gerade auf den Konsolenversionen enden Umgebungstexturen, Witterungseffekte und Monster oft in einem matschigen Durcheinander. Auch das HUD gestaltet sich durch enorm kleine Beschriftungen als schwierig, in Kampfsituationen ist es fast gar nicht zu gebrauchen - viel besser sieht es hingegen bei der PC-Version aus. Dies hat zur Folge, dass taktisch gut geplante Feldzüge beim Aufeinandertreffen der Widersacher in heilloses Knöpfchen-Durcheinander ausarten. Und obwohl die Einstiegshürde relativ gering ist, dauert es lange, um gerade diese Situationen zu meistern. Ebenso fragwürdig ist das dubiose DLC-System, welches schon vor Release für Furore gesorgt hat. Käufern eines Vollpreistitels so sehr das Geld aus der Tasche zu ziehen, um doch etwas mehr Langzeitmotivation zu bieten, ist eigentlich nicht die Art, wie man sie von 2k Games kennt. Und auch wenn es keine Kampagne gibt, was die Dialoge und Sprüche angeht, hat man wohl an der falschen Stelle gespart. Sowohl die Synchro als auch der Inhalt klingen eher nach humorfreiem Softporno als nach AAA-Titel.

Am Ende siegt die Innovation

Insgesamt muss man sagen, dass Evolve durch seine Ideen überzeugen kann - zumindest dem ersten Anschein nach. Nette Ideen wie die Zeitraffer-Übersichtskarte am Ende einer Schlacht, welche die Positionen der Teilnehmer im Schnelldurchlauf wiedergibt und das abwechslungsreiche Gameplay durch die verschiedenen Klassen, ziehen einen schnell in den Bann. Ehrlich, ich habe seit über einem Jahrzehnt keine Spiele mehr online im Multiplayer-Modus gespielt, weil mir das ewig gleiche CoD- und Battlefield-Gedöns irgendwann einfach keinen Spaß mehr gemacht hat. Evolve ist ein Titel, der Multiplayer-Muffel wieder ins Boot holt - für den Anfang jedenfalls. Wie lange die Sucht nämlich anhält, werden erst die kommenden Wochen zeigen.

 

 

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Dominic Stetschnig
Dominic Stetschnig, GIGA-Experte.

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