Alle an Bord, der Hype-Train fährt ab: Meine Meinung zum Thema Erwartungen

Dominic Stetschnig 4

Bitte alle einsteigen, vergessen sie ihr Hab und Gut nicht auf dem Bahnsteig und lassen sie ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt! Der Hype-Train gehört zu Videospielen ja mittlerweile so sehr dazu, wie das Release-Datum. Warum eigentlich? Und warum fallen wir immer wieder auf ihn rein? Und ist es wirklich so schlimm, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden?

Alle an Bord, der Hype-Train fährt ab: Meine Meinung zum Thema Erwartungen

Von „Choo-Choo“ und „Meh“ – Der Hype-Bahnhof

Wenn in der Videospielwelt der Hype-Train den Bahnhof verlässt, dann spalten sich die Fan-Geister. Die einen springen enthusiastisch auf den übertragenen Zug auf und feiern ihre Erwartungen in sphärische Höhen, die anderen warten lieber auf dem Bahnsteig und gönnen sich im abgesperrten Raucherbereich noch ein Zigarettchen. Ich bin da anders. Oder jedenfalls: …geworden. Im Laufe der Jahre habe ich mich von einem Hype-Wellenreiter zu einem unbeeindruckten ‚Meh‘-Sager entwickelt. Aber wisst ihr was? Da ist nichts Schlimmes dran.

Früher war alles besser

Zeitreise: Wir schreiben Dezember 1996, ich bekomme ein VHS-Video in die Hände, welches mir das Nintendo 64 nahebringen soll. Drei Spiele werden darauf vorgestellt: Super Mario 64, Pilotwings 64 und Wave Race. Ich habe dieses Video im Zeitraum von Dezember ’96 bis März ’97 ca. 3.000 Mal gesehen. Kein Scheiß. Ich habe dieses Tape totgespult, habe mir meinen Controller vom Super Nintendo geschnappt und so getan, als würde ich Gyrokopter und Jetskis steuern. Hype? Auf jeden Fall. Klar, ich war damals noch ein bisschen jünger, aber dieses Ding hat mich schon krass heiß auf das Nintendo 64 gemacht. Aber es hat nicht lang gedauert, bis ich das Ding selbst in den Händen halten konnte. Und es hat nicht lang gedauert, bis ich selbst Mario 64, Pilotwings 64 und Wave Race spielen konnte. Und wie wohl ich mich beim Endbahnhof des Hype-Trains gefühlt hab, denn: Jedes Spiel hat meine Erwartungen erfüllt und sogar übertroffen.

Fast Forward. Wir schreiben das Jahr 2014: Irgendwoher kommt plötzlich dieses Spiel namens „Evolve„. Ein asymmetrischer Multiplayer-Titel, Monster vs. Jäger, klingt ganz geil, geile Werbe-Kampagne, geile Vorab-Berichterstattung, neues, cooles Entwicklerstudio. Und Bäm: Das Spiel erscheint, bekommt mittelmäßige Reviews und nach zwei Wochen spricht keiner mehr darüber. Diesem Hype-Train ging der Dampf aus. Weiter zur E3 2015: Die Welt tickt aus, als Fallout 4 angekündigt wird. Es gibt neue Infos zu Star Wars Battlefront, endlich mal wieder einem „richtigen“ „Star Wars“-Game. Nun, vielleicht sind die Leute im Laufe der Zeit reflektierter geworden, aber so wie das für mich klang, hat jeder Mitfahrer des Hype-Trains sich einen Platz nahe beim Notbremsen-Hebel gesucht. Hat man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt?

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Von unerfüllten Erwartungen und Tinder-Dates

Natürlich ist Euphorie etwas Großartiges. Wo kämen wir hin, wenn wir uns nicht mehr auf Sachen freuen, für Sachen begeistern könnten? Doch man muss mit jeder Form der Begeisterung für ein Produkt, welches de Facto noch nicht existiert, damit rechnen, dass der Hype-Train auf der Endstation entgleist. Der Release von Star Wars Battlefront war nun kein Desaster, aber irgendwie doch nicht so hammergeil, wie im Vorfeld erwartet. Aber, Moment… Sind unsere Erwartungen mittlerweile einfach viel zu hoch? Hängen wir uns so sehr am seidenen Faden der Hoffnung auf? Es ist ein bisschen, wie beim Tindern: Wir hoffen, dass die Person am anderen Ende der Tastatur die Erfüllung unseres Lebens ist. Und wenn wir sie dann sehen, erkennen wir, dass auch diese Person wie jede andere ihre Macken und Kanten hat. Klar, Macken und Kanten können ausgebügelt werden. Videospiele kann man ja heutzutage immerhin auch patchen. Aber es ist was anderes, wenn man Traumprinz oder -prinzessin auf der WG-Party eines Freundes kennenlernt, man sich unterhält und sich daraus etwas entwickelt. Zufallsbegegnungen, die in großen Lieben enden. Projeziert auf Videospiele heißt das in der Praxis: Hey, wir sind dieses kleine Entwicklerstudio namens Playdead, wir haben da dieses Spiel entwickelt, Limbo, das könnt ihr euch ab sofort runterladen, es kostet nicht viel, wir hoffen, euch gefällt es. Und Bäm: Smash-Hit! Hat gedauert, hat sich entwickeln müssen, aber hat sich gelohnt.

Fazit: Sparangebot für den Hype-Train?

Was ich damit sagen will ist: Ein Hype-Train ist gut, solange er als Vehikel zum Ausdruck der Vorfreude und Begeisterung dient. Ein Hype-Train ist schlecht, wenn er zum Aufbau von Erwartungshaltungen dient, die von keiner Seite erfüllt werden können. Und was bringt die Zukunft? Nun, nachdem der Hype-Train zu No Man’s Sky bereits volle Fahrt aufgenommen hat, hat sich das Tempo in den letzten Wochen und Monaten sehr gesenkt. Es wird sich noch zeigen, ob er sein Ziel überhaupt erreichen wird, oder davor entgleisen. Ich für meinen Teil jedenfalls bin nicht soweit, dass ich mir die PSX-Demo von No Man’s Sky ansehe und mit meinem PlayStation 3 Controller das Gameplay nachspiele. Nicht mehr.

 

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