Fallout 76 im Test-Tagebuch: Wie öde ist das Ödland?

Alexander Gehlsdorf

Vault 76 ist endlich geöffnet und die Reise durch das Ödland von West Virginia kann beginnen. Auch wir sind fleißig in Fallout 76 unterwegs und halten dich in unserem Test-Tagebuch auf dem Laufenden.

Vom Topdown-RPG zum Online-Shooter: Die Geschichte der Fallout-Spiele.
Ich kann mich noch gut an meinen ersten Anlauf in Fallout: New Vegas erinnern. Nach wenigen Spielstunden war ich auf meinem Weg durch die Wüste, als sich der Weg plötzlich gabelte. Beide Wege führten nach New Vegas, der linke versprach jedoch etwas kürzer auszufallen. Eine einfache Entscheidung also.

Wenige Schritte später explodierten um mich herum jedoch Minen und ich wurde von Banditen überfallen, gegen die ich auf meinem derzeitigen Level noch keine Chance hatte. Also gut, dann geht meine Reise doch rechts weiter. Keine große Sache, schließlich kann ich mit einem Quick Load das Unglück in kurzer Zeit ungeschehen machen.

Unangenehme Überraschungen, Trial und Error sowie nervige Gegner waren also schon vor zehn Jahren nichts neues in Fallout, fielen dank des freien Speicherns jedoch nie wirklich ins Gewicht. Selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad und mit aktiviertem Survival-Modus hat mich nichts davon abgehalten, Fallout: New Vegas mitsamt allen DLCs durchzuspielen. Schließlich konnte ich nach Herzenslust experimentieren und Fehler sofort ungeschehen machen. Und ausgerechnet das fehlt jetzt in Fallout 76.

Früher war mehr Lametta

Es sind die vermeintlich kleinsten Details, die den größten Unterschied machen. In Fallout 76 kannst du nicht neuladen und alles läuft in Echtzeit ab. An sich natürlich total logisch, schließlich ist Fallout 76 ein Online-Rollenspiel. Gerade im direkten Vergleich mit den Vorgängern wird aber klar, wie zentral dieses Zugeständnis immer gewesen ist.

Wer im Ödland in einer radioaktive Pfütze läuft, muss seine Reise wohl oder übel mit seinem strahlenden Helden fortsetzen und kann den Fehltritt nicht mit einem kurzem Ladebildschirm ungeschehen machen. Wer von einer ganzen Horde Scorched überfallen wird, kann eben nicht in das V.A.T.S. umschalten und den Kampf taktisch, Schritt für Schritt lösen.

Dementsprechend ernüchternd fällt der erste Eindruck des Spiels aus, da das Spiel dir nicht mehr die Freiheit zu Scheitern zugesteht, sondern dich zwingt, mit den Konsequenzen zu leben. Das ist ungewohnt und vor allem anfangs frustrierend. Das liegt in erster Linie jedoch daran, dass der Vergleich zu den Vorgängern so nahe liegend ist.

Nach etwas Eingewöhnung ist das Scheitern in Fallout 76 allerdings kein Weltuntergang. Den haben alle Spieler ja schließlich gerade erst hinter sich. Wer stirbt, darf kostenlos an einem Wegpunkt seiner Wahl respawnen und behält all seine Ausrüstung. Nur der Schrott, der für das Craften und Reparieren von Gegenständen und Ausrüstung notwendig ist, muss am Ort des letzten Ablebens aufgesammelt werden.

Keine Ruhe im Ödland

Wer gern Sachen aufsammelt, ist in Fallout 76 an der richtigen Adresse, denn insbesondere die Quests lieben es, dich von A über B nach C und zurück zu A zu schicken, um Items einzusammeln, Knöpfe zu drücken oder Gegner auszuschalten.

Insbesondere in den ersten Spielstunden bist du stets zu Fuß unterwegs. Später im Spiel kannst du per Schnellreise an bereits besuchte Orte zurückkehren, jedoch kostet jeder Trip eine bestimmte Menge an Bottlecaps.

Bilderstrecke starten
11 Bilder
Fallout 76: 10 Tipps für einen erfolgreichen Start im Ödland.

Dadurch wir das Reisen zwar zeitsparender, nerven kann es aber trotzdem: So musste ich im Rahmen einer Quest mehrfach das Krankenhaus in Charleston besuchen. Bei meiner ersten Ankunft wimmelte es darin von mutierten Scorched. Kein Problem, kurze Zeit später war der OP-Saal gesäubert und die Quest konnte weitergehen.

Also ich jedoch keine Stunde später in das Krankenhaus zurückkehrte, durfte ich mit dem medizinischen Frühjahrsputz wieder bei Null anfangen. Genauso bei meinem dritten und vierten Besuch. Egal wie heldenhaft du dich auch den Gefahren des Ödlands gegenüberstellst, wirklich belohnend fühlen sich diese Siege aufgrund der regelmäßigen Respawns kaum an.

Logisch, dass ein Online-Spiel nach einem Tag komplett leer gefegt wäre, wenn auch Respawns verzichtet werden würde, aber eine überarbeitete Frequenz würde dem Spiel bestimmt nicht schaden.

Du bist West Virginia

Wie viel Fallout steckt also in Fallout 76? Auf der Oberfläche eine ganze Menge. Das Interface, die Items, die Gegner, die Atmosphäre und natürlich auch wieder die tolle Radiomusik. Allerdings musste ich feststellen, dass ich viele der Radiosongs bereits aus den Vorgängern kannte. Statt einer handverlesenen Auswahl neuer, alter Songs wirkt der Soundtrack von Fallout 76 daher eher wie ein Best Of.

Hier kannst du Fallout 76 bestellen *

Ein wichtiger Unterschied ist jedoch die Abwesenheit von NPCs und Fraktionen. Jeder Mensch, der dir in Fallout 76 begegnet, ist ein echter Spieler. Fraktionen wie die Brotherhood of Steel und deren Mitglieder wirst du hingegen nicht treffen. Der Grund dafür ist so logisch: Der große Krieg und die nukleare Verwüstung liegen erst wenige Jahrzehnte zurück. Und du gehörst zu den ersten Menschen, die das Ödland nach dem großen Knall wieder betreten.

Fraktionen und Siedlungen wird es also geben – allerdings ist es deine Aufgabe, diese zu gründen. Ob und wie das funktioniert und ob Fallout 76 dadurch langfristig an Tiefe und Motivation gewinnen kann, bleibt abzuwarten.

Für eine finale Wertung ist aktuell daher noch zu früh. Über zahlreiche Features, etwa das Auffinden von Launch Codes, den damit verbunden Raids, den Ausbau des eigenen Camps oder die Interaktion mit anderen Spielern kann ich erst in einigen Wochen abschließend urteilen.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

* gesponsorter Link