Ungeachtet dessen, gibt es in Far Cry 5 trotzdem einige Szenen, die einen komischen Beigeschmack haben. Alanah Pearce hebt beispielsweise eine Sequenz hervor, in der John Seed das Oberteil der Protagonistin aufreißt. Der blickt daraufhin relativ unbeeindruckt, gar emotionslos drein. Für einen Mann, der gerade eine nackte Frauenbrust vor sich hat, doch ziemlich untypisch, oder? Auch wenn ich insgeheim irgendwie erleichtert war, dass mir ein sexistischer Kommentar des Antagonisten in dem Fall erspart geblieben ist.

Dann gibt es noch eine Stelle, in der ich auf Nick Rye treffe und er mich zunächst als „Satansbraten“ bezeichnet. Natürlich kein sehr passender Name für eine Lady. Bevor es in die Schlacht gegen die Peggys geht, geben wir uns beide  noch eine lässige Bro Fist, was wiederum – wie der Name schon sagt – eine Geste ist, die eher unter Männern üblich ist.

Verstehe mich nicht falsch, ich finde es durchaus cool, dass ich als weiblicher Charakter ebenfalls eine Bro Fist gebe, statt einen Kuss auf die Hand zu bekommen. Das hat im weitesten Sinne irgendwas von Gleichberechtigung – alles andere wäre in dem Fall auch irgendwie unpassend und fast schon erzwungene Verweiblichung. Es gibt allerdings eine bestimmte Szene, die auch mich etwas aus der Bahn geworfen hat. Wie Pearce erzählt, rät ihr ein Charakter dazu, eine Party zu schmeißen und einen Haufen „heißer Chicks“ einzuladen, womit offenbar Frauen gemeint sind. Davon abgesehen, dass ein Mann diesen Terminus vor einer Frau höchstwahrscheinlich nie benutzen würde, macht es den Anschein, als würde er davon ausgehen, dass die Protagonistin auch auf Frauen steht.

Auch wenn die weiblichen Protagonisten in Far Cry 5 ein Mysterium an sich sind, gibt es ihm Spiel noch weitaus mehr Geheimnisse, die entdeckt werden wollen:

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Far Cry 5: 16 Easter Eggs, Anspielungen und Geheimnisse in Hope County

Während sich vermutlich nicht jede Frau als homosexuell identifiziert, ist das eigentliche Problem ein ganz anderes: Dem Charakter fehlt eine Stimme. Wie Pearce in ihrem Video bereits richtig feststellt, stellen die jeweiligen Dialoge im Grunde lediglich Monologe dar und so erfahren wir so gut wie gar nichts über den Hauptcharakter selbst. Das Spiel gibt mir die Möglichkeit, einen eigenen Charakter zu erstellen. Ich identifiziere mich also mit dieser Figur – fülle sie mit meinem eigenen Innenleben; so auch mit meiner Sexualität. Im Verlauf der Spiels erfahre ich nichts über unseren Protagonisten. Es gibt nichts, was die oben genannte Vermutung der Homosexualität unterstützen könnte. Die Spielfgur ist eine leere Hülle ohne Persönlichkeit, auf die durch den Ausspruch des Spielcharakters etwas aufgepfropft wird. Und das ist zugegeben sehr … gewöhnungsbedürftig.

Tote Körper, Penisse und mehr: Aus welchen Games stammen diese Details?