Wenn die Lieblingsreihe plötzlich Paleo macht: Far Cry Primal

Dominic Stetschnig 4

Nein, kein Spin-Off. Bei Far Cry Primal handelt es sich tatsächlich um einen vollwertigen Ableger der Reihe. Nur eben reduziert bis auf die Knochen. Und nach ein paar Stunden in der Steinzeit kann ich (mit beschränktem Wortschatz) sagen: Spiel gut!

Far Cry Primal König der Steinzeit.

Heruntergebrochen bis auf die Knochen

Das ging ganz schön fix, mit Far Cry Primal. Im Herbst letzten Jahres wurde aus dem Nirgendwo plötzlich ein neuer Teil der Far Cry Reihe enthüllt. Die türkische IGN hat dem großen Knall einen Strich durch die Richtung gemacht, denn bereits einen Tag vor der Ankündigung von Seiten Ubisoft hat das Spiele-Magazin konkrete Infos zum nächsten Ableger der Reihe gehabt. Die Prämisse war klar: Far Cry in der Steinzeit. Das klang zunächst nach einem Spin-Off im Sinne von Blood Dragon, ein Standalone-Add-On, wie es damals die 80er-Jahre Trash-Schmonzette zu Far Cry 3 war.

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Anfang Januar startete Ubisoft eine Umfrage zwischen Fans, welches Setting sich diese für ein Far Cry am liebsten wünschen würden. Mit dabei waren Vorschläge wie Szenarien mit Zombies, Dinosauriern, Vampiren, eine postapokalyptische Welt und zeitgenössische Locations wie Peru und Alaska. Nun, herausgekommen ist ein Epos, 12.000 Jahre vor unserer Zeit. Doch was genau bedeutet es, eine Videospielreihe, in welcher der Einsatz von Waffen und Fahrzeugen essenziell ist, in der moderne Charaktere mit Tiefgang eine coole Story vorantreiben, in eine Zeit zurückzuschicken, in der dies alles nicht existierte? Ist es immer noch ein Far Cry? Oder ist es ein Spielkonzept, dem der gewinnversprechende Name eines erfolgreichen Franchises aufgedruckt wurde?

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Und dennoch: Ein Far Cry durch und durch

Es dauert keine 15 Minuten, während ihr den Prolog des Spiels spielt, um sofort zu merken: Ihr spielt ein waschechtes Far Cry. Vieles davon ist natürlich der bereits in Far Cry 3 und Far Cry 4 verwendeten Dunia 2 Engine zuzuschreiben. Der Look der Charaktere, der Look der Umwelt, wie sie mit euch interagieren, das alles fühlt sich schon verdammt nach Far Cry an. Ihr müsst halt auf gewisse Dinge verzichten. So werdet ihr ihr nicht mit dem Monocopter, dem Gleitschirm oder dem Wingsuit durch Oros reisen können. Dafür stellt ihr euch der Herausforderung, das gesamte Gebiet und all seine gefährlichen Einwohner zu Fuß zu erkunden. Wobei: So gefährlich sind sie gar nicht. Nicht alle, zu mindest. Da gibt es beispielsweise die Sammlerin Sayla und den Schamanen Tensay, die ihr zu Beginn des Spiels trefft und mit denen ihr gemeinsam anfangt, eine Siedlung zu errichten.

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Jep, korrekt gelesen. Neben den klassischen Missionen im Stile der Vorgänger könnt ihr in Far Cry Primal eure eigene Niederlassung gründen. Diese gilt es, gegen die verfeindeten Stämme zu verteidigen. Da der Waffen- und Munitionsnachschub im Jahr 12.000 v. Chr.  noch nicht so gut geregelt ist, wie im modernen Insel- oder Berg-Szenario, ist es an euch, diese selbst herzustellen. Ihr lootet das das Zeug hält und bastelt euch aus Tierfellen, Steinen, Lehm, usw. eure notwendigen Utensilien.

Back to the Roots: Kauz statt Kamera

Neu und frisch fühlt sich ebenfalls der Umgang mit tierischen Kreaturen in Far Cry Primal an: Erinnert ihr euch noch an die zahlreichen Outposts in den Vorgängern, die ihr befreien musstet? Dafür habt ihr eure Kamera genutzt, um Gegner zu markieren und sie im Blick zu behalten. Naja, mit Leica und Kodak hat es zwischen Mammuts und Säbelzahntigern noch schlecht ausgesehen, doch dank eures Medizinmannes müsst ihr auch auf dieses komfortable Feature nicht verzichten: Im Lauf des Spieles erlernt ihr nämlich die Fähigkeit, verschiedene Tiere zu zähmen und sie dann für eure Zwecke zu nutzen. Beispielsweise erspielt ihr euch in einer (Far-Cry-typischen, abgefahrenen LSD-Drogensequenz) den Kauz als euer erweitertes Auge.

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Hau drauf und Kauderwelsch: Far Cry Primal wird steinen, äh, rocken!

So von ein paar Metern Entfernung betrachtet ist Far Cry Primal genau das Richtige, was die Reihe gebraucht hat. Und man merkt: Es ist wesentlich mehr ein Far Cry 5, als Blood Dragon ein Far Cry 4 gewesen ist. Das frische Setting mit frischen Ideen setzt genau die richtigen Akzente auf eine vertraute, dagewesene und tatsächlich erfolgsversprechende Spielmechanik. Und alles fügt sich irgendwie zusammen: Das (zugegebenermaßen äußerst brutale) Kampfsystem, in dem ihr die brachiale Wucht der damaligen Zeit zu spüren bekommt. Die Tatsache, dass im gesamten Spiel kein Englisch gesprochen wird, sondern das zeitgemäße und mittlerweile ausgestorbene Proto-Indogermanisch. Das bedeutet: Fleißig Untertitel lesen, selbst wenn diese angepasst in, nun, „Neandertaler-Deutsch“ formuliert sind. Da ich persönlich aber großer Verfechter von Dialekten bin, heiße ich auch diese Feinheit herzlich willkommen. Ein Schelm, wer Ubisoft böse unterstellt, sie hätten sich mit dieser Technik die zugegebenermaßen recht teure internationale Lokalisierung gespart.

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Fazit ist jedoch: Das Weglassen der fortführenden „5“ im Titel hat dem Spiel und der Reihe gut getan. Und wenn die restliche Spielzeit so viel Spaß macht wie die ersten paar Stunden, dann steht uns bereits Ende Februar der erste Blockbuster des Jahres ins Haus. Spannend bleibt noch abzuwarten, ob die für die Reihe mittlerweile fast typischen extravaganten Antagonisten auch 12.000 Jahre vor Vaas und PaganMin einen Platz im Drehbuch gefunden haben.

Wie gut kennst du Far Cry? (Quiz)

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