Fe im Test: Die wundersame Reise eines kleinen Kerls, der für Größeres bestimmt ist (mit finaler Wertung)

Lisa Fleischer

Ein magischer Wald, besiedelt mit vielfältigen, wunderschönen Lebewesen. Eine fremdartige Gefahr, die das Ökosystem bedroht. Und ein tierischer Protagonist, welcher der Einzige zu sein scheint, der den geliebten Wald retten kann. Das ist Fe.

Fes Magie in Worten und Bildern auszudrücken, ist schwierig. Wenn du nicht weißt, was Fe ist, schau dir am besten den Release-Trailer zum Spiel an:

Fe: Offizieller Launch-Trailer - Hier kommt Fe.

Du hast keine Zeit, den kompletten Test zu lesen? Macht nichts! Ganz unten findest du unsere Wertung in kompakter Form.

Das magische Adventure ist das erste Spiel, das im Rahmen der Indie-Initiative EA Originals produziert wird. Es stammt vom schwedischen Entwickler Zoink Games und ist inspiriert von der Kindheit der Entwickler, die in der Nähe eines großen, dichten Waldes in Schweden aufgewachsen sind.

In Fe übernimmst du die Kontrolle über das gleichnamige, Fuchs-ähnliche Wesen, das sich mit den unterschiedlichsten Wesen des Waldes anfreundet. Dadurch erlernst du nicht nur nach und nach die verschiedenen Sprachen dieser Wesen, sondern wirst durch das Sammeln von pinken Kristallen immer wieder mit neuen Fähigkeiten bedacht. Du lernst, wie du Bäume erklimmen kannst, später wirst du sogar durch die Lüfte gleiten können.

Fe: Das ist die Geschichte hinter dem Spiel

Aber nicht nur die Vielfalt des Waldes erschließt sich dir im Verlauf des Spiels, recht schnell wirst du mit den Antagonisten konfrontiert, den Geräuschlosen. Das sind Maschinen-ähnliche Wesen, die dich einfangen, gerätst du in ihr Blickfeld. Wie es scheint, versuchen sie, Tiere einzufangen und für ihre Experimente zu missbrauchen. Dein Ziel ist es fortan, deine Freunde aus ihren Fängen zu befreien, außerdem wirst du mit ihrer sowie deiner eigenen Geschichte konfrontiert.

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11 Spiele, die du in unter 10 Stunden durchspielen kannst.

Ein Spiel ohne Worte

Fe kommt tatsächlich komplett ohne Worte aus. Es gibt kein Tutorial, das dir erklärt, was passiert und was zu tun ist. Die Karte gibt dir nur sporadische Hinweise, wo du als nächstes hin musst. Lediglich kleine Einblendungen verraten dir, welche Knöpfe du drücken musst, um bestimmte Aktionen auszulösen. Allerdings sind diese so kryptisch, dass du selbst herausfinden musst, was passiert, drückst du eine bestimmte Taste.

Dafür führt dich Fe in seichtem Tempo an die eigentlichen Spielmechaniken heran. Du hast keinen Zeitdruck, kannst Gebiete so lange erforschen, bis du selbst darauf kommst, was als nächstes zu tun ist. Anfangs kannst du lediglich jaulen, laufen und kleine Sprünge machen. Schnell freundest du dich mit einem Reh-artigen Wesen an, das dir bei der Orientierung hilft – und neue Wege eröffnet.

Später wird dieses Reh durch einen kleinen Vogel ersetzt. Solltest du dich einmal in den weitläufigen Gebieten verlaufen, kannst du ihn per Knopfdruck rufen und anweisen, dir den Weg zu weisen. Das klappt leider nicht immer, manchmal verwirren dich seine Anweisungen nur noch mehr. Auch die Entwickler warnen, dass du dich im Spiel des Öfteren verirren wirst – das ist aber nicht schlimm. Im Gegenteil: Findest du nach langer Suche und vielleicht auch innerlichem Groll endlich den richtigen Weg, macht dich das richtig zufrieden und motiviert, weiterzuspielen.

Freunde fürs Leben

Wie schon gesagt, sind Freundschaften in Fe nicht selbstverständlich, du musst sie dir verdienen und hart erarbeiten. Mit kleineren Tieren kannst du mit leicht säuselnden Rufen so lange kommunizieren, bis sie eine Bindung zu dir eingehen und dir fortan so lange folgen, wie sie können. Erwachsene Tiere kannst du nicht so schnell von dir überzeugen. Dazu musst du zuerst ihre Sprache erlernen. Das tust du, indem du dem Anführer der Herde einen Gefallen tust, ihn beispielsweise aus den Fängen der Geräuschlosen befreist.

Fortan kannst du jederzeit auf den spezifischen Service der erwachsenen Tiere zurückgreifen. So fliegst du auf dem Rücken riesiger Vögel in neue Gebiete, lässt dich von großen Hirschen durch die Gegend tragen oder forderst kleinere Begleiter dazu auf, für dich Pflanzen zu öffnen, bei denen du mit deinen Sprachen noch nicht weiter kommst.

Obwohl der Stil von Fe sehr abstrakt ist und kaum Ähnlichkeit mit unserer realer Welt hat, habe ich erstaunlich schnell eine Bindung zu den unterschiedlichen Charakteren entwickelt. Ich habe mich gefreut, habe ich einen neuen Freund gewonnen, war dankbar, dass sie mich auf meiner Reise unterstützen und am Boden zerstört, wurde einer von ihnen von den Geräuschlosen verschleppt.

Außergewöhnlich atmosphärisch

Das liegt zum einen am packenden Soundtrack von Fe. Auch, wenn dieser mehr aus Geräuschen als aus einer zusammenhängenden Melodie besteht, gibt er doch genau das wieder, was im Spiel passiert. Erkundest du den Wald, ertönen traumhafte Klänge, entdeckst du einen der Anführer der Tierwelt, wird die Musik pompöser. Du selbst machst ebenfalls unglaublich niedliche Geräusche, kannst brabbeln, säuseln und sogar singen. Sind Geräuschlose in der Nähe, bleibt die Geräuschkulisse fast ganz aus, was bei mir sofort in Anspannung mündete.

Auch die Farben der Welt verändern sich, ist Fe in Gefahr. Ist das Spiel eigentlich in ruhige Blau-, Lila- und Grün-Töne getaucht, wird der Bildschirm sofort rot und orange, sind die Geräuschlosen in der Nähe. Haben sie dich im Blick, vibriert zusätzlich dein Controller, wenige Sekunden später haben sie dich in ihren Fängen und der Bildschirm wird schwarz. Obwohl das Spiel also so abstrakt ist, ist es nicht weniger lebendig, sondern fast realer als solch fotorealistische Spiele wie Uncharted 4.

Lass dich vom Äußeren nicht täuschen

Obwohl Fe so wunderschön und kindlich aussieht, die Steuerung verhältnismäßig leicht zu meistern ist und das Thema Freundschaft auf den ersten Blick so federleicht wirkt, ist Fe nicht zu unterschätzen. Schließlich handelt es sich beim Spiel um ein Puzzle-Plattformer – bei dem die Rätsel nicht zu knapp kommen. Deutlich mehr als einmal irre ich in einem Gebiet umher, falle zahlreiche Male in denselben Abgrund, einfach, weil ich nicht darauf komme, was zu tun ist.

Hast du nicht die richtige Sprache und den passenden Gehilfen zur Hand, bleiben dir einige Rätsel sogar gänzlich verschlossen, gerade zum Ende hin musst du bei einigen Umgebungs-Knobeleien gleich um mehrere Ecken denken. Fe bereitet dich aber passend darauf vor, arbeitest du dich gut ein, sind die Rätsel also allemal zu lösen.

Ebenfalls nicht so einfach zu durchschauen wie auf den ersten Blick gedacht sind die Geräuschlosen. Im Verlauf des Spiels entdeckst du verschiedene versteckte Kristalle, die dich für kurze Zeit aus der Sicht eines Geräuschlosen spielen lassen. Außerdem erzählen Steintafeln ihre Geschichte. Du wirst feststellen, dass sie nicht so gefühlslos sind wie sie auf den ersten Blick wirken. Was genau es mit den Geräuschlosen auf sich hat, findest du erst ganz zum Schluss des Spiels heraus – eine Wendung, die ich persönlich nicht kommen sah.

Auch, wenn Fe mich von Geschichte, Gameplay und Atmosphäre voll und ganz überzeugen konnte, gibt es doch zwei Kritikpunkte. So war die Steuerung vor allem des schwebenden Fe relativ schwammig, nicht nur einmal habe ich einen Baum oder eine Plattform knapp verpasst, weil Fe zu schwerfällig auf meine Anweisungen reagiert hat.

Außerdem laden einige Texturen nur sehr langsam, grafische Bugs musste ich ebenfalls verkraften. Einmal bin ich sogar in eine Wand geglitcht. Daraus befreien konnte ich mich nur, indem ich den letzten Spielstand noch einmal geladen habe. Leider hat sich das auch mit dem Release des Spiels nicht geändert, gerade zu Ende hin ruckelt und glitcht Fe vor sich hin, besonders die liebevollen Cutscenes sind betroffen,

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Mein Test-Fazit zu Fe

Fe ist eine rundum gelungene, magische Reise durch eine lebendige Welt. Du begegnest freundlichen, aber auch feindlich gesinnten Charakteren, versuchst, sie besser kennenzulernen und für deine Zwecke zu nutzen, mit den meisten freundest du dich sogar an. Die Rätsel sind fordernd, aber nicht unlösbar, die Geschichte ist vielschichtig und macht Lust auf mehr. Alleine einige Glitches und Grafik-Fehler stehen dem Spiel im Weg, kannst du über diese jedoch hinweggucken, bietet Fe eine Erfahrung, die nur selten Spiele zu bieten haben.

 

Wird dir gefallen, wenn du Spiele liebst, die etwas tiefer gehen, auf knifflige Rätsel stehst und auf vorgegebene Wege getrost verzichten kannst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du ein umfangreiches Spiel erwartest, einen realistischen Stil bevorzugst und Tutorials ein Muss für dich sind.

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