FIFA 16 Test: I think, they have a grandios Saison gespielt

Martin Maciej

Auch in dieser Saison schicken EA Sports ihren neuen Ableger im Rennen um die Gunst der Fußball-Fans auf die Konsolen und Rechner dieser Welt. Was FIFA 16 besser als der Vorgänger und die Konkurrenz macht, wo es noch hapert und wie man 2015/16 versucht, PES 2016 beim Rennen um die Champions League-Trophäe im virtuellen Fußball auszustechen, erfahrt ihr in unserem FIFA 16-Test.

FIFA 16 Test: I think, they have a grandios Saison gespielt

Vorab sei zu sagen, dass auch FIFA 16 den Fußball nicht neu erfindet. Die Diskussion um die Notwendigkeit eines neuen Fußballspiel-Releases pro Jahr zum Vollpreis gibt es mittlerweile fast so lange, wie die FIFA-Reihe selbst. Dieses Phänomen lässt sich inzwischen aber auch auf zahlreiche andere Spiele-Marken wie Call Of Duty, Assassins Creed und Co. übertragen. Dennoch gibt es im inzwischen 23. Teil der Serie einige Fortschritte in Sachen Spielspaß und Realismus zu sehen und zu fühlen.

6 Neuerungen in FIFA 16: Von wegen nichts Neues!

 

FIFA 16 Test: Keiner kann ihn bremsen…

Ein Kaufargument für viele Fußballfans ist das Lizenzenpaket in der FIFA-Serie. Auch in diesem Jahr kommt EA Sports‘ Fußballspiel wieder mit den originalen Teams, Trikots und Spielern von Bundesliga und Co. Mit neuen Ligen hat man sich allerdings auch in dieser Saison zurückgehalten. Eine Auswahl an brasilianischen Teams kehrt für FIFA 16 wieder zurück, danach hört es schon auf mit den neuen Spielmöglichkeiten. Nachdem die Spiele der englischen Premier League in der vergangenen Saison bereits optisch dem original entsprechend begleitet wurden, gibt es nun auch die von Sky, Sportschau und Co. bekannte Präsentation der Bundesliga-Spiele.

Als weiteren Neuzugang bei den Teamlizenzen verzeichnet man ein Novum in der FIFA-Geschichte: Erstmals sind auch Damen-Teams spielbar. Mit einer Auswahl von insgesamt 12 Nationalmannschaften könnt ihr eine abgespeckte Frauen-WM nachspielen – dann ist allerdings auch Schluss. Einzelne, selbst erstellte Turniere mit ausgewählten Frauen-Teams oder gar Spiele gegen Herren-Mannschaften sind nicht möglich. Für die meisten FIFA-Spieler wird es so wohl beim einmaligen Antesten der Frauen-Nationalteams bleiben. Eine Revolution sind die neuen Frauen-Teams in FIFA 16 höchstens in soziologischer Hinsicht, Gameplay-technisch gibt es hingegen kaum Unterschiede zwischen Frauen- und Herren-Teams.

FIFA 16 Frauen Nationalmannschaften.

FIFA 16-Review: …keiner macht ihm was vor

Natürlich hat auch FIFA 16 wieder seine Situationen, bei denen der eine oder andere Controller wütend durch die Gegend geworfen wird und Stellen, bei denen über eine schlechte Programmierung oder das „Momentum“ geschimpft wird. Doch was wäre der echte Fußball, wenn diese Emotionen, Spielfehler und Ärgernisse in der realen Welt des runden Leders ausbleiben würden?

FIFA schickt euch natürlich nicht nur sinnlos auf den Rasen, sondern kommt mit verschiedenen Spielmodi. Auch die Spielmodi dürften den meisten aus den Vorgängern bekannt sein. Entscheidet man sich vor dem Spielstart für seine Lieblingsmannschaft, wird man im Menü regelmäßig mit Neuigkeiten seiner Lieblingsmannschaft aus der realen Welt versorgt. Ein netter Schritt zur Verbindung von digitaler und realer Fußballwelt, wenn man sich nicht regelmäßig im Videotext und bei Kicker und Co. über das aktuelle Fußballgeschehen informieren möchte.

FIFA 16 Test: Immer der richtige Schuss…

Der neu eingeführte FIFA-Trainer zeigt auf Wunsch mögliche Steuerungsoptionen an, die in der aktuellen Spielsituation zur Auswahl stehen. Besonders zu Beginn wirkt das Feature bei Spielen an einem Gerät für den Gegenüber verwirrend, immerhin ist jeder Spieler mit einem weißen Kreis markiert, der den Ball das eine oder andere Mal verschwinden lässt. Zudem finden sich hier vor allem am Anfang nur spartanische Hilfestellungen, die selbst Anfängern kaum helfen. Im Laufe der Spielzeit passt sich der FIFA-Trainer allerdings der Spielfähigkeit des Spielers an, so dass sich hier in Einzelfällen auch für erfahrene FIFA-Recken neue Spielmöglichkeiten ergeben können.

Aufpoliert wurde der Ultimate-Team-Modus. Leider ist es hier immer noch nicht möglich, seine Traummannschaft in einem realen Wettbewerb antreten zu lassen, wie es z. B. beim UT-Debüt in EA Sports‘ Spiel zur UEFA Champions League 2006/07 möglich war. Am bewährten Spielprinzip hat sich nichts verändert, noch immer könnt ihr eure Lieblingsmannschaft aufbauen, indem ihr mit Spielen, Transfergeschick und /oder Einsatz von Echtgeld Münzen sammelt. Durch die bereits Anfang des Jahres eingeführten Preisspannen möchten die Macher es auch Gelegenheitsspielern ermöglichen, Topstars in ihre Mannschaft zu holen, ohne dabei die erforderlichen Münzen stundenlang auf dem Transfermarkt erhandeln zu müssen.

FIFA 16 Test: … immer zur richtigen Zeit

Komplett neu ist der FUT-Draft-Modus. Vor allem dieser bietet auch Casual-Gamern einen idealen Einstieg in Ultimate Team. Der Draft-Modus setzt sich aus vier Spielen zusammen, in denen ihr je nach Erfolg Münzen und andere Belohnungen abstauben könnt. Nachdem ein Teamkapitän ernannt wurde, könnt ihr euer Team je Position aus fünf verschiedenen Kickern zusammenstellen. Dabei könnt ihr entscheiden, ob ihr eure Lieblingsspieler ins Team nehmt, die Teamchemie stärken wollt oder besonderen Wert auf die Gesamtstärke legt. Besonders über FUT-Draft kommt ihr in den Spielgenuss von Spielern und Teams, deren Zugang eventuell auf dem normalen Ultimate-Team-Weg mangels Münzen und Packglück verwehrt bliebe.  Für den Start in die FUT-Draft-Session muss man zwar einige Münzen opfern, bekommt allerdings auch nach der ersten Niederlage noch eine Belohnung, z. B. in Form von Packs zurück.

FIFA 16 UT Draft.

FIFA 16 Test: Super Fußball…

Das aufpolierte Drumherum taugt natürlich nichts, wenn es auf dem Rasen nicht klappt. In-Game gibt es keine revolutionären Neuerungen in FIFA 16. Dennoch scheint man sich im Hause EA Sports einem der Hauptkritikpunkte der vergangenen Jahre noch weiter angenommen zu haben. Das Spiel wirkt alles in allem deutlich langsamer und verkommt nicht mehr zu einem Ping-Pong zwischen Abwehr und Angriff. Pace-Abuser haben in FIFA 16 erneut weniger Chancen. Ein durchdachter Spielaufbau, der bereits im Mittelfeld seinen Weg nimmt, ist nun die bessere Wahl, um zum Abschluss zu kommen. Auch die in den Vorgängern vielversprechenden, in den Lauf des Stürmers und Rücken der Verteidigung gespielten Lupfer-Pässe wurden in FIFA 16 entschärft.

fifa-16-frauen

Wer den Sprinten-Button quält, hat derweil Probleme bei der Ballannahme, wird die eine oder andere entscheidende Spielsituation verpassen und muss zudem im letzten Drittel des Spiels mehrere angeschlagene und erschöpfte Spieler aushalten.

Dank Ignite-Engine kommt es auch in FIFA 16 vermehrt zu Zweikämpfen und Zusammenstößen. Die KI scheut sich im Gegensatz zu vergangenen Jahren nicht mehr davor, auch mal ein Foul auszupacken, so dass man im Einzelspieler vermehrt mit Freistößen und auch Elfmetern rechnen darf. Leider fliegen die Spieler manchmal noch durch den Platz, wie man es sonst von einem WWE 2K15 gewohnt wäre. Dennoch wirkt das Spiel nun auch für Solo-Player lebendiger und nicht so steril, wie zuvor, zumal die KI sich durchweg menschlich verhält und auch mal einen Fehlpass vollführt. Zudem hat die Torhüter-KI vermutlich intensiv beim Torwartspiel von Manuel Neuer im WM-Achtelfinale zwischen Algerien – Deutschland zugesehen, so dass die Keeper intensiver in das offensive Spielgeschehen und Aufbauspiel mit einbezogen werden.

FIFA 16: … fairer Fußball

EA Sports wirbt damit, Hunderte von Spielern per Facescan originalgetreu abzubilden. Einen Großteil der Spieler erkennt man auch sofort auf den ersten Blick. Allerdings wirken die Spielergesichter stellenweise so, als würden die Kicker einem Nebenjob bei Madame Tussauds als Wachsfiguren nachgehen. Die Trikots sehen hingegen schön detailliert aus. Wälzen sich die Spieler bei Regen auf dem Boden, verschmutzen die Shirts im Spielverlauf. Für zusätzlichen Realismus sorgen die neuen Freistoßspray-Animationen, die spätestens seit der WM 2014 fester Bestandteil von Fußballspielen auf höchstem Niveau sind. Beim vierten Mal hat man sich an den Szenen satt gesehen.

cristiano-ronaldo-fifa-16

Auch an der Kommentatorenfront hat sich etwas getan: Neben dem liebsten Buschi ist nun nicht mehr Manni Breuckmann, sondern die bisherige PES-Stimme Wolff-Christoph Fuss zu hören. Gleichzeitig hat man die oft kritisierten und gleichzeitig belachten Kultsprüche aus dem Spiel genommen. „Das nennt der Abiturient antizipieren“, „Verzogener Ball, wie ein verzogenes Kind. Und wie ein verzogenes Kind stand er da auch zum Ball“ und Co. gibt es nun nicht mehr zu hören. Großartige Stimmungsmacher sind die Kommentatoren auch in dieser Saison nicht. Buschi und Fuss halten sich dezent zurück, stören oder nerven nicht und sorgen zudem mit einigem interessanten Gossip zumindest für Hintergrundinformationen vor dem Spiel oder zu bestimmten Akteuren auf den Platz. Der Ballsound wirkt hingegen deplatziert. Bei Pässen wirkt es so, als würde man mit der nassen Hand auf einen Bauch klatschen. Bei Spielen der Frauen hört man zudem durch die gesamte Spielzeit hinweg ein Kreischen der Akteurinnen auf dem Platz, welches nach kurzer Zeit zu nerven beginnt.

fifa-16-screenshot

Der Soundtrack zu FIFA 16 lässt für eingefleischte Fußballfans zu wünschen übrig. Fußballhits im Stile von „You’ll Never Walk Alone“ oder „Football’s Coming Home“ gibt es auch in FIFA 16 nicht zu hören. Es gibt wieder einen bunten Mix aus verschiedenen Geheimtipps und aktuellen Charthits aus den Bereichen Rock, Pop und Elektro zu hören – dank der internationalen Mischung passt der Soundtrack zwar als Hintergrundgedudel innerhalb der Menüs in FIFA 16, wird jedoch von den meisten Spielern sicherlich nach ein, zwei Wochen wieder stummgestellt. Eigene Musik kann nicht hinzugefügt werden. Auch die Möglichkeit, eigene Fangesänge im Spiel hinzuzufügen, gibt es nicht (mehr).

FIFA 16 Test: Er ist unser Torschützenkönig

Natürlich stellt sich auch bei FIFA 16 die Frage, ob die Änderungen den vollen Preis wert sind –vor einem ähnlichen Dilemma stehen aber auch Call of Duty-Fans, PES-Spieler, Football Manager-Enthusiasten und alle weiteren Gamer, die Jahr für Jahr einen neuen Ableger einer Serie im Laden vorfinden. Wer lediglich mal eine Partie Fußball zwischendurch zocken will, ist auch mit einem FIFA 15 noch gut bedient. Wer jedoch die aktuellsten Kader haben will, ein deutlich langsameres und besser ausbalanciertes FIFA erleben möchte, mit Frauen auf Torejagd gehen will oder mit FUT-Draft einen komplett neuen, spaßigen Spielmodus in der FIFA-Serie erleben möchte, macht auch in diesem Jahr nichts mit der neuen FIFA-Version verkehrt.

fifa-16-screenshot

FIFA 16: … und Held!

Fazit: Auch in dieser Saison wird FIFA wohl wieder eines der meistdiskutierten Spiel überhaupt sein. Die Stimmen, wonach FIFA 16 mit „Fußball nichts zu tun hat“, „nur von seinen Lizenzen lebt“ und „PES eh das bessere Spiel ist“ werden nicht ausbleiben. Dennoch macht FIFA 16 vieles richtig. Ganz gleich, ob man zwischendurch ohne große Einarbeitung mit Kumpels einen Fußball-Zocker-Abend absolvieren will, in stundenlanger Kleinarbeit sein Team in Karrieremodus auf den Erfolgsweg bringt oder den Traum seiner Lieblingsmannschaft in Ultimate Team wahr werden lassen will, mit FIFA 16 kann man zwei der liebsten Nebenbeschäftigungen miteinander kombinieren.

Die GIGA-Wertungsphilosophie

FIFA 16 jetzt kaufen! *

Bilderstrecke starten
23 Bilder
FIFA 16 vs. PES 2016: Wer hat die Nase vorne? Der ultimative Bildvergleich.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung