FIFA 17 in der Vorschau: Die Revolution für Einzelspieler

Björn Rohwer

FIFA 17 war noch gar nicht angekündigt, schon hing die obligatorische Frage in der Luft: Lohnen sich die 60 Euro für das Update? In diesem Jahr setzt EA Sports einiges daran, dem jährlich erscheinenden Sportspiel neue Impulse zu geben: Die Sport-Experten arbeiten für FIFA 17 erstmals mit der Crème de la Crème aus dem Hause EA zusammen. Inwieweit Bioware und DICE ihre Finger „in the game“ haben, erklären wir in unserer Vorschau.

FIFA 17 - E3 2016 - Offizieller Gameplay Trailer.

Zur ersten Präsentation des aktuellen FIFA-Jahrgangs waren Standardthemen wie neue Teams, der Ultimate-Team-Modus oder Multiplayer-Partien abgemeldet. EA Sports verspricht mit dem neuesten Ableger stattdessen eine Revolution und macht diese an drei Bereichen fest – der Story, dem Gameplay und der Engine.

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Frozen Football für FIFA 17

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FIFA 17: FUTTIES - alle pinken Spitzenspieler

Wie EA schon mit dem ersten Teaser ankündigte, sind die Gerüchte zur neuen Engine für FIFA 17 wahr: Mit dem jüngsten Spross der Reihe wechselt die Sportsimulation von der 2013 eingeführten Ignite Engine zur bereits etablierten Frostbite Engine. Das Spiel läuft somit nicht mehr auf EA Sports‘ Eigenentwicklung, sondern mit dem selben Unterbau wie beispielsweise die Battlefield-, Mass-Effect- und Need-for-Speed-Serie. Diese Nähe zu anderen Franchises ermöglicht es, trotz scheinbar großer Genre-Unterschiede, technische Feinheiten zwischen EAs verschiedenen Studios zu teilen.

Gerade an den deutlich aufwendigeren Lichteffekten hat EA Sports zusammen mit dem Battlefield-Entwickler DICE gearbeitet. Aber natürlich nicht nur mit der Beleuchtung soll FIFA 17 neue Maßstäbe setzen: Die Spieler sind deutlich feiner animiert und weisen dank Facetracking erstmals detaillierte, charakteristische Mimiken auf – vom Funkeln in den Augen der Profis bis hin zu einem lebhaften Publikum mit schwenkenden Fahnen soll die neue Engine den Digitalsport noch ein Stück näher an die Realität bringen. Die Versprechungen klingen groß, deuten sich in der Vorabversion aber nur an. Deutlich spürbarer war der Frostbite-Einfluss auf die Spielphysik.

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Kluge Spieler – Dynamische Spieler

Denn nicht nur grafisch möchte FIFA 17 Fortschritte machen. Die Frostbite Engine ermöglicht nun nicht mehr nur voranimierte Zweikämpfe, sondern ein realistischen Rangeln und Drücken zwischen den Profis. Anstatt nur noch aufeinander zu prallen, interagieren die Spieler wirklich – teilweise aber noch zu sensibel: Allzu oft fiel in den Probepartien ein Spieler bereits nach einem kurzen Hakeln hin – das galt kurioserweise für Feldspieler und Torhüter gleichermaßen. Anders als zuvor ist auch der Torwart frei angreifbar und kann bei Remplern im Strafraum auch mal den Ball fallen lassen. Gerade an dieser Stelle muss die Physik am Ende perfekt greifen – wenn der Torwart durch technische Fehler ständig den Ball ins eigene Netz fallen lässt, dürfte sich EA schon einmal auf unschöne Fangesänge einstellen.

FIFA 17: Gerüchte, News, Ankündigungen*

An der Realismusschraube wurde für FIFA 17 auch bei den Standardsituation deutlich gedreht: Plötzlich den Anlauf beim Elfmeter beeinflussen zu können oder bei einer Ecke deutlich detaillierter zu zielen und gleichzeitig die eigenen Spieler neu zu positionieren, gibt uns ein hohes Maß an Kontrolle. Allerdings geht dabei der einsteigerfreundliche Minispielflair ein Stück weit verloren – für FIFA 17 müssen Standards regelrecht geübt werden, da sich mit einfach Formeln nicht mehr zum Erfolg zu kommen lässt.

Die dritte große Gameplay-Errungenschaft der Frostbite Engine ist die intelligentere Raumaufteilung. Hierfür lohnt ein Blick unter die Haube der Sportsimulation: Ging es in der Spielanalyse der KI zuvor nur um eine gleichmäßige Verteilung, nimmt nun jeder einzelne Spieler eine Risikobewertung vor. Die Laufwege werden nicht mehr davon bestimmt, ob bereits ein Spieler in der Nähe des Balles ist, sondern ob sich durch diesen Laufweg Freiräume oder Chancen kreieren lassen. Nach dem kompakteren Mittelfeld und dem Aufwerten der Abwehr in FIFA 16 lernen in diesem Jahr gerade die Angreifer so hinzu. Ob sich die Mitspieler am Ende tatsächlich häufiger für den klugen anstatt den kurzen Weg entscheiden, dürfte sich aber erst nach vielen Stunden Spielzeit herausstellen.

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Geschichten aus den Stadionkatakomben

Die wohl größte Neuerung erleben in diesem Jahr aber Solisten: Mit The Journey bietet EA Sports erstmals einen wirklich vollwertigen und umfangreichen Story-Modus für die Fußball-Simulation. Das aufstrebende Talent Alex Hunter schafft es zusammen mit seinem Freund Gareth Walker nach vielen Jahren des Träumens endlich in die Premiere League. Welcher Verein dem Talent sein Vertrauen schenkt, liegt in eurer Hand. Dort dürft ihr dann mit den realen Profis und unter echten Trainern den Aufstieg zum Starspieler erleben. Die Geschichte steht dabei zwar grundsätzlich schon vorab fest, soll aber am Ende auch von eurer Leistung auf dem Platz abhängen. Anderes als in vorherigen Karriere-Modi beschränkt EA Sports sich dabei nicht mehr nur auf die Darstellung des Platzes, der Interviewszenen vor Sponsorenwänden und steriler Menüs – vom Haus der Eltern über die Katakomben der berühmten Stadien bis hin zu Trainingsplätzen und Büros ist jeder Schauplatz einer Sportler-Karriere enthalten.

The Journey ist dann auch mehr als eine Fortsetzung des Be-A-Pro-Modus: Anstatt in der ungewohnten Third-Person-Perspektive über den Platz zu gehen, spielt ihr in der normalen Ansicht. Hier dürft ihr dann frei entscheiden, ob ihr entweder das gesamte Team oder nur unseren Protagonisten steuern wollt. Um ihn im Spiel dennoch stets im Blick zu haben, wird Alex Hunter nicht nur mit einem Stern markiert, sondern bekommt auch seine eigene Statusanzeige – so könnt ihr live seine Spielbewertung sehen und auf bestimmte persönliche Ziele hinarbeiten.

 

FIFA 17 - E3 2016 - The Journey Trailer.

Um eine besonders realistische und fesselnde Geschichte zu erzählen, baut EA Sports auf eine Vielzahl an Experten. Auf der einen Seite sind dies die Entwickler von Bioware, die mit Dragon Age und Mass Effect bereits mehrmals ihre Erzählfähigkeiten unter Beweis stellen konnten. Für die nötige Expertise aus der Premiere League sorgen zudem junge Stars wie Marcus Rashford oder Harry Kane und Sportjournalisten wie der Beckham-Biograf Tom Watt. Am Ende steht zumindest auf dem Papier der mit Abstand ambitionierteste Story-Modus, den es bislang in einem Sportspiel gab.

Dadurch, dass ihr an einen festen Hauptcharakter gebunden seid und mit ihm auch nur die Premiere League erkunden dürft, kann das Kunststück einer glaubwürdigen Sportkarriere wirklich gelingen. Solch eine Beschränkung ist bitter notwendig – schon die Umsetzung der verschiedenen Vereine mit den verschiedenen Charakteren im Team und den einmaligen Trainern wie Mourinho, Klopp oder Guardiola dürfte eine Herkules-Aufgabe sein. Gelingt diese, könnte FIFA 17 aber tatsächlich eine Revolution in die Serie bringen.

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FIFA 17 erscheint voraussichtlich am 29. September und wird auf dem PC, der PlayStation 3 und 4, Xbox 360 sowie der Xbox One spielbar sein.

Wie gut kennst du FIFA? (Quiz)

FIFA ist aktuell neben Pro Evolution Soccer die einzige ernst zu nehmende Fußball-Simulation auf PC und Konsolen. Bereits seit 1993 schickt EA Sports die virtuellen Kicker auf den Platz, damals noch mit Fantasie-Namen, heute mit einem dicken Lizenzenpaket und somit mit zahlreichen Original-Spieler mit Gesichtern, Team-Namen, Trikots und mehr. Viele halten sich für den besten FIFA-Spieler in ihrem Umkreis. Doch nicht...

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