Final Fantasy XIII-2 Test: Lost in Timespace

Robin Schweiger 97

So weit, so schlecht. Aber es gibt auch gute Neuigkeiten: Spielt ihr „Final Fantasy“ ausschließlich wegen der Kämpfe, der Sidequests und der Landschaften und interessiert euch in keinster Weise für die Geschichte, wartet hier ein grundsolides J-RPG auf euch. Die Korridore aus dem Vorgänger sind passé, stattdessen bekommt ihr nun immer ein großes Gebiet zum Erkunden. Statt einer Overworld, in der ihr nachvollziehbar von Gebiet zu Gebiet fahrt, bekommt ihr ein schlichtes Menü präsentiert, in dem ihr auswählt, an welchen Ort ihr gelangen wollt. Dieses Gebiet gibt’s dann meist noch in zwei bis vier verschiedenen Zeiten, sodass es reichlich Raum zum Erkunden gibt. Tatsächlich ist ein gutes Drittel aller Gebiete komplett optional. Kein Wunder also, dass die Spielzeit durch allerlei Sidequests und sonstiger Aktivitäten  auf um die 80 Stunden anwachsen kann. Konzentriert ihr euch lediglich auf die Geschichte seid ihr ca. 25 Stunden lang beschäftigt.

Selbstverständlich sind die Kämpfe ein elementaler Bestandteil der Reihe und hier hat sich dann auch am wenigsten getan: Das Kampfsystem ist nahezu identisch zu „Final Fantasy XIII“. Neu ist, dass ihr das ganze Spiel über nur Serah und Noel als feste Partymitglieder habt und die Position des dritten Mitglieds von einem gefangenen Monster eingenommen wird. Leider ist es jedoch vom Zufall abhängig, ob ein Monster nun in euren Besitz wandert, wenn ihr es besiegt. Den drei Partnern teilt ihr dann jeweils eine Rolle zu, wodurch sich ein Paradigma ergibt. Außerdem hat der Gegner wieder einen Serienbalken, den ihr durch stetige Attacken immer weiter auffüllt. Ist die Serienleiste voll wird der Feind für einige Zeit extrem verwundbar und nimmt wesentlich mehr Schaden als vorher. Cool: Ihr könnt jetzt auch während des Kampfes den Anführer wechseln. Heißt: Nur weil die von euch kontrollierte Figur stirbt, ist der Kampf nicht direkt vorbei. Aus dem Kampfsystem ergibt sich aber ein weiteres Problem: Das Spiel ist viel zu leicht. So gut wie keine zufällige Begegnung dauert länger 10, 15 Sekunden und Paradigmenwechsel sind nur in Bosskämpfen wirklich nötig. Ansonsten macht man wenig anderes, als auf die A-Taste zu hämmern und den Charakter automatisch angreifen zu lassen.

Grafisch lässt der Titel einige Federn im Vergleich zu seinem Vorgänger. Dies kommt in erster Linie daher, dass bis auf 3, 4 Ausnahmen komplett auf CGI-Zwischensequenzen verzichtet wurde. Stattdessen wird die Geschichte nun fast ausschließlich in Spielegrafik erzählt. Die ist immernoch grandios, leidet aber auf der Xbox 360 unter merklichen Rucklern. Insbesondere in den Quick-Time-Events, wenn auf dem ganzen Bildschirm irgendwelche Effekte explodieren, wird es kritisch. Glücklicherweise hält die Sequenz aber einige Sekunden an, damit ihr genug Zeit habt, die entsprechenden Knöpfe zu drücken. Dank der fehlenden CGI-Videos passt das Spiel auch auf der Xbox 360 auf eine Disc.

Fazit

„Final Fantasy XIII-2“ bietet wieder eine offene Welt, NPCs und begehbare Städte.  Damit ist die Traditionsserie wieder auf dem Stand angekommen, den Rollenspiele bereits vor über 20 Jahren erreicht haben. Dass es abseits von der Geschichte etwas zu tun gibt ist nett, nur läuft quasi jede Sidequest darauf hinaus, dass man irgendjemandem irgendwo irgendetwas bringen oder ein bestimmtes Monster töten muss. Als Beschäftigung nebenbei durchaus schön, aber ein „Final Fantasy“ steht und fällt mit seinen Charakteren und seiner Geschichte. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich mehrere Male meinem Fernseher „BITTE WAS?!“ zugebrüllt habe.

Bis zum Ende des Spiels wisst ihr nicht, was ihr nun eigentlich genau tun sollt.  Suchen wir nach Lightning? Suchen wir nach Snow? Müssen wir Cocoon vor dem Einsturz bewahren? Müssen wir die Prophetin Yeul retten? Was genau bezwecke ich eigentlich?

Man weiß es nicht. Die Charaktere wissen es nicht. Wie schon im Vorgänger laufen sie einfach immer geradeaus und gucken mal, was so passiert. Und auch die Entwickler wissen es nicht, denn sie springen ohne Zusammenhang von Handlungsstrang zu Handlungsstrang, nur um den letzten Plotpoint nach 5 Minuten wieder zu vergessen. Das Team um Motomu Toriyama (war vorher bereits Director für Teil X-2 und XIII) war bereits mit der Geschichte um die göttlichen „fal’cie“ und ihre „l’cie“-Diener heillos überfordert. Dann auch noch Zeitreisen zum Dreh- und Angelpunkt zu machen und seinen Bösewicht Dinge sagen zu lassen wie „Ich will die Zeit selbst zerstören“ war so ziemlich das schlechteste, was sie hätten tun können.

„Final Fantasy XIII-2“ will all das wieder gut machen, was mit dem Vorgänger falsch gelaufen ist. Dafür scheint Square Enix wie bei einer Checkliste alles, was vermisst wurde, wieder eingebaut zu haben. Nur haben sie dabei vergessen, dass Minispiele und Sidequests ein Spiel zwar unterstützen, aber nicht komplett tragen können. Denn woran es dem dreizehnten Ableger wirklich gefehlt hat, waren die großen Stärken der früheren Teile: Sympathische, glaubhafte Charaktere, die mitreißende Bösewichte durch eine interessante, zusammenhängende Welt jagen. Nichts davon gibt es hier.

Wertung: 69%

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

  • Das Final Fantasy 7 Remake soll mehr als ein Remake werden – was wundervoll sein kann

    Das Final Fantasy 7 Remake soll mehr als ein Remake werden – was wundervoll sein kann

    Werfen wir alles, was wir über das Final Fantasy 7 Remake wissen, in einen Topf – was genau kommt dann raus? Ein traditionelles Hauptgericht (nicht Bratwurst mit Sauerkraut), ein exotischer Salat, der neue Geschmackseindrücke verspricht oder irgendetwas Experimentelles, das weder die einen noch die anderen richtig satt macht? Ich glaube ja, es kann recht deliziös werden.
    Marina Hänsel
  • One Punch Man bekommt sein eigenes mobiles Rollenspiel

    One Punch Man bekommt sein eigenes mobiles Rollenspiel

    Der gelangweilte Held Saitama aus dem beliebten Anime One Punch Man bekommt noch im Sommer 2019 sein eigenes Spiel für die mobilen Endgeräte. Das Ganze wird ein rundenbasiertes Rollenspiel und noch dazu FreeToPlay.
    Daniel Hartmann
* Werbung