Final Fantasy 14 - Stormblood im Test: Mehr Futter für Story-Liebhaber

Björn Rohwer

Mit Final Fantasy 14 - Stormblood soll alles noch größer, noch schöner und noch schneller werden. Schafft Square Enix es wirklich, den positiven Trend seines MMORPGs fortzusetzen? Und lohnt es sich für Neulinge überhaupt noch einzusteigen?

Keine Zeit für lange Texte? Unten wartet eine Zusammenfassung auf dich!

Final Fantasy 14 - Stormblood - Trailer.

Wer hätte vor 7 Jahren gedacht, dass Final Fantasy 14 einmal zu den besten MMORPGs zählt? 2010 wurde der erste Anlauf von Spielern und der Fachpresse regelrecht in der Luft zerrissen. Unser damaliges Fazit? Das Spiel scheint sich „einen Dreck darum zu scheren, ob man nun Spaß in dieser Welt hat oder nicht“.

Square Enix zog daraus Konsequenzen – genau die richtigen Konsequenzen. Das Team um Nobuaki Komoto wurde entlassen, Naoki Yoshida zum neuen Director ernannt und mit A Realm Reborn das Spiel drei Jahre später komplett neu gestartet. Heute, weitere vier Jahre nach diesem Neustart, zählt Final Fantasy 14 zu den wichtigsten MMORPGs und bekommt mit Stormblood bereits die zweite große Erweiterung spendiert.

Imposante Inszenierung

Anders als die meisten MMORPGs, aber dafür in bester Final-Fantasy-Tradition, stellt Square Enix die Geschichte auch mit der neuesten Erweiterung wieder in den Mittelpunkt. Mit Stormblood geht es auf die nächste Etappe im Krieg gegen das Garleische Kaiserreich. Zunächst bleibst du dafür im unterdrückten Ala-Mhigo. Dort werden Revolutionspläne geschmiedet, Truppen zusammengestellt, kleine Achtungssiege errungen und mit Zenos yae Gavus lernst du dort auch den jungen, aber höchst reizbaren Hauptbösewicht kennen.

Schon in den ersten Spielstunden zeigt sich, dass für Square Enix die Charakterentwicklung und das Geschichtenerzählen ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Die Schicksale bekannter Begleiter werden ebenso stimmungsvoll weitererzählt, wie neue Charaktere, siehe Zenos, eingeführt. Größtenteils stehen dir die Dialoge dabei in Textform zur Verfügung – nur ausgewählte Szenen werden mit Sprachausgabe präsentiert. Diese Momente bleiben dadurch allerdings umso mehr im Gedächtnis. Wenn zu Bildern von wehenden Fahnen und des salutierenden Garleischen Heeres der Chor die Hymne des Kaiserreiches singt, ist das schon eine imposante Szene – insbesondere für ein MMORPG.

Selbst wenn du alle Multiplayer-Aspekte ausblenden würdest, bliebe immer noch eine fesselnde Story über, die sich Stück für Stück lohnt. Hast du allerdings gar keine Lust auf eine groß angelegte Geschichte, kann das schnell zum groß angelegten Problem werden!

Wie viel ist deine Zeit wert?

Wer all die neuen Features erleben möchte, muss auch die Story bis zum Ende durchspielen – erst nach und nach schalten die Story-Quests neue Fähigkeiten und Orte frei. Spieler, die durch das Setting und die Möglichkeiten von Final Fantasy 14 - Stormblood angelockt frisch in das MMORPG einsteigen, dürfen sich zudem erst einmal auf einige Wochen, wenn nicht Monate einstellen, in denen sie „alte“ Story-Quests erledigen.

Neulinge haben zwar für jeweils ca. 15 Euro die Möglichkeit sowohl die Geschichte zu überspringen, als auch eine Job direkt auf Level 60 zu bringen – Wissenslücken schließt dieser Sprung aber nur bedingt. Wer wirklich in die Welt von Final Fantasy 14 eintauchen möchte, sollte sich die 30 Euro lieber sparen und dafür umso mehr die gelungene Story genießen.

So emotional kann Final Fantasy 14 sein!

Auch mit Stormblood bleiben die normalen Neben-Quests leider etwas hinter dem hohen Niveau der Story zurück – hier erwarten dich zumeist einfach Botengänge oder Jagdmissionen. Wer sich Final Fantasy 14 zum Solo-RPG umstricken will, wird so regelmäßig daran erinnert, dass er gerade doch ein MMORPG spielt. Immer wieder stehst du im Laufe der Geschichte nämlich vor Story-Quests, die du erst mit dem entsprechenden Job-Level annehmen kannst. Dort gilt es dann Neben-Quests zu erledigen, in sogenannten FATES mit Mitspieler Gegnerhorden zu besiegen oder anderweitig an Erfahrungspunkte zu kommen.

Abtauchen auf Asiatisch

Über den Verlauf der Geschichte wirst du auch neue Gebiete und Kontinente erkunden dürfen – das Garleische Kaiserreich macht schließlich vor keinem Ort halt. Ganz im Osten liegen die spielbaren Abschnitte in Othgard, die mit einem asiatischen Anstrich der Welt eine schöne, neue Note verpassen. Zusätzlich stehen dir in Final Fantasy 14 - Stormblood erstmals auch Unterwasserwelten offen.

Dein Charakter kann jetzt sowohl schwimmen (bereits seit dem Update auf 4.0) als auch tauchen (erst mit dem Abschließen der entsprechenden Story-Quest). Die ohnehin schon gigantische Spielwelt bekommt so eine weitere Dimension. Auch wenn das kreative Potential des Meeres noch nicht erschöpft ist und dich hier im Vergleich zur Oberwelt noch wenige Aufgaben erwarten – die neuen Gebiete sind Augenweiden, die die Welt von Final Fantasy 14 noch lebendiger und runder machen.

Balance macht den Meister

Neben den neuen Welten sind vor allen Dingen die beiden neuen Jobs werbewirksame Verkaufsargumente für Stormblood – der Samurai und der Rotmagier. Beide Klassen konzentrieren sich eher darauf, möglichst viel Schaden in kurzer Zeit anzurichten. Der Samurai eignet sich mit seinem Katana dabei standesgemäß insbesondere als flinker Nahkämpfer. Als Rotmagier musst du dagegen möglichst gut die Balance zwischen weißer und schwarzer Magie halten – erst durch das Zusammenspiel entfaltet die neue Klasse ihre wahre Macht. Da das Kombo-System beim Samurai etwas komplexer gestaltet wurde und der Rotmagier spielerisch noch flexibler ist, werden Anfänger wohl eher zum Magier greifen.

Apropos Neulinge – sie schauen leider bei den neuen Jobs abermals in die Röhre. Da beide Klassen auf Level 50 beginnen, müssen Spieler bereits einen Charakter auf der entsprechenden Stufe haben, um in die neuen Jobs wechseln zu können. Gleichzeitig müssen erfahrene Spieler auch mit den neuen Klassen erst einmal einige Stufen aufholen, bevor sie in die Geschichte einsteigen dürfen.

Square Enix reicht Neulingen die Hand

Natürlich war Square Enix auch in sehr vielen anderen Ecken der Spielwelt sehr aktiv. Im Grunde gibt es, wie bei jeder MMORPG-Erweiterung, von allen Dingen etwas mehr: mehr Items, mehr Gegner, mehr Dungeons, ein höheres Maximal-Level und so weiter. Für viele Spieler sicherlich besonders angenehm: Dank dem Ende des PS3-Supports können Chocobo und Co. nun schneller durch die Welt laufen – Square Enix braucht schließlich keine Rücksicht mehr auf schwächere Mitspieler zu nehmen.

Die größten spielerischen Änderungen betreffen aber das Player-vs-Player-Spiel (PvP) und die Fähigkeiten deiner Charaktere. Anstatt in einem komplexen System Fähigkeiten aus anderen, bereits aufgelevelten Klassen mitnehmen zu können, gibt es nun Rollen-Kommandos. Hier wird jeder Rolle ein Pool an Job-übergreifenden Fähigkeiten zur Verfügung gestellt, aus denen maximal fünf gewählt werden können. Neulingen erspart dieses System einiges an Level-Arbeit und entschlackt das System insgesamt.

Bei den PvP-Kämpfen werden die Kontrahenten fortan für ein faireres Spiel im Level angeglichen und zudem mit speziellen PvP-Fähigkeiten ausgestattet. So soll der Einstieg in dieses Zusatzangebot des Spiels weniger frustrierend sein. Gleichzeitig hat die Levelanpassung zur Folge, dass Square Enix den Modus nun auch guten Gewissens für Spieler ab Level 30 öffnen kann.

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Fazit zu Final Fantasy 14 - Stormblood:

Final Fantasy 14 hält auch mit der Stormblood-Erweiterung das hohe Niveau der letzten Jahre und liefert gerade bei der Story ab. Interessante Charaktere, fesselnde Schicksale und eine imposante Inszenierung schaffen ein für ein MMORPG wirklich beachtliches Erlebnis. Gerade durch die stimmungsvolle Musik und das visuelle Niveau (bei einer nun 7 Jahre alten Welt!) gelingen Square Enix einige absolut eindrucksvolle Bosskämpfe und Story-Momente.

Daneben bieten die weiteren, kleinen Aufgaben nicht dasselbe Niveau. Insgesamt gibt es aber von den alten Gebieten Eorzeas über den fernen Osten Othgards bis zu den Unterwasserwelten in Stormblood immer genug zu entdecken – selbst wenn du nur die schönen Landschaften und das muntere Treiben bewunderst.

Kurios ist es bei alledem lediglich, wie Final Fantasy 14 mit der Stormblood-Erweiterung immer wieder im einen Moment Neulinge unterstützt und sie im nächsten Moment vor den Kopf stößt.
Viele Elemente wurden sinnvoll vereinfacht – Quereinsteiger müssen aber entweder einige hundert Stunden oder zusätzliches Geld investieren, um irgendwelche der neuen Inhalte erstmals nutzen zu können.

Wer die Ruhe hat, bis zu diesem Zeitpunkt zu warten, bekommt dann aber ein gigantisches Paket für viele spannende Spielwochen – zum Reinschnuppern bietet sich dabei die kostenlose Testversion an. Hier kannst du vor dem Start in das Abo-Modell deinen Charakter, ohne Zeitbeschränkung, bis auf Level 34 bringen. Und Final-Fantasy-14-Veteranen? Die greifen blind zu – schließlich haben sie ja über unzählige Stunden schon die Geschichte um die Befreiung von der Garleischen Armee miterlebt und bekommen nun mit Stormblood das nächste Puzzlestück.

Final Fantasy 14 - Stormblood wird dir gefallen, wenn du für Wochen in eine neue Welt mit spannender Story eintauchen willst.

Final Fantasy 14 - Stormblood wird dir nicht gefallen, wenn du keinen Wert auf Geschichten legst oder ein kurzes Erlebnis suchst.

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