Final Fantasy XII The Zodiac Age in der Vorschau: Aus alt mach neu

Sandro Kreitlow

Nach knapp 11 Jahren erscheint Final Fantasy XII als Remastered. Wer es damals verpasste, das im Durchschnitt mit 92 % bewertete Spiel zu erleben, erhält nun also erneut die Chance darauf, einen der besten Teile der Reihe zu spielen. Doch wie gut ist das Rollenspiel gealtert?

Final Fantasy XII The Zodiac Age - 2017 Spring Trailer.

Die Geschichte von Final Fantasy XII spielt in der Welt Ivalice, die bereits aus Final Fantasy Tactics bekannt ist. Einige Zeit nach den Ereignissen des Taktik-Ablegers dreht sich alles um den Krieg zwischen dem mächtigen Archadianischen Imperium und seinem alten Feind Rozarria. Bei diesem gnadenlosen Krieg wird das zwischen den großen Reichen liegende winzige Königreich Dalmasca überrollt. Zwei Jahre nach diesen Geschehnissen setzt Final Fantasy XII an.

Der Straßenjunge Vaan ist gebürtiger Dalmascer und will sein von Feindtruppen besetztes Heimatland verlassen, um als Luftpirat seine eigenen Träume zu verwirklichen. Doch dies wäre kein Final Fantasy, wenn der junge Vaan nicht Teil einer Widerstandsbewegung gegen seine Unterdrücker werden würde… An der Geschichte ändert sich in einem Remastered logischerweise nichts. Fans der Reihe, die Teil 12 verpasst haben, dürfen sich also auf eine episch erzählte Geschichte freuen.

Was ist neu im Gameplay?

Pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum der Final Fantasy-Serie bietet The Zodiac Age nicht nur grafische Anpassungen, sondern auch Veränderungen im Gameplay.

Das Zodiac-Jobsystem ist wohl die größte Veränderung im Remastered. Das Fähigkeitensystem war einer der Schwachpunkte im PlayStation 2-Spiel. Das Lizenzbrett führte dazu, dass Gruppenmitglieder mit der Zeit über dieselben Fähigkeiten verfügten. Um das Aufleveln vielseitiger zu gestalten, bauten die Entwickler ein verbessertes System zum Leveln der Charaktere in das Lizenzbrett. Nun stehen Dir 12 Jobs zur Auswahl, pro Charakter können 2 verschiedene Jobs gewählt werden: Samurai, Pikenier, Maschinist, Jäger, Weissmagier, Rotmagier, Mönch, Brecher, Waldläufer, Paladin, Zeitmagier und Schwarzmagier. Doch die Idee des Jobsystems besteht schon lange, wie Producer Hiroaki Kato und Director Takashi Katano im Interview erklärten:

„Das Job-System sollte von Beginn an Teil von Final Fantasy XII sein. Da wir allerdings schon das Gambit- und das Lizenzsystem als neue Features hatten, hätte das Job-System wohl zu sehr verwirrt. Also blieb es beim normalen Lizenzbrett. Mit Final Fantasy XII - International Zodiac Job System, das nur in Japan erschien, konnten wir erstmals das Jobsystem hinzufügen, da Final Fantasy XII-Fans sich zum Release bereits an die neuen Systeme des originalen Spiels gewöhnt hatten. Es war also von Anfang an eingeplant.“

Im Prüfungsmodus nimmst Du es mit Monstern und Gegnern in bis zu 100 aufeinanderfolgenden Kämpfen auf. Eine weitere nicht unwichtige Neuheit ist der Turbomodus, mit dem sich Charaktere 2- oder 4-mal flinker durch die weitläufige Welt bewegen und schneller Kämpfe bestreiten können. Auch an den Anzeigen wurde geschraubt, so führt das reibungslose Führungssystem dazu, dass die Karte transparent eingeblendet wird, wodurch Du für einen Blick auf die Karte nicht mehr pausieren musst.

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Was sind die technischen Neuheiten?

„Als wir Final Fantasy XII entwickelten, gelangten wir an die technischen Grenzen der PlayStation 2. Auf der PlayStation 4 haben wir nun viel mehr Vorteile. Wir haben also überlegt: Welche Komponenten müssen wir dafür verbessern oder ändern?“ - Director Takashi Katano

Allen voran wurde The Zodiac Age ein Grafik-Update verpasst, schließlich springt Final Fantasy XII mit The Zodiac Age gleich zwei Konsolengenerationen weiter. Dazu zählen überarbeitete Texturen sowie Charaktere und Filmsequenzen, die vollständig neu in HD aufgearbeitet wurden. Lichteffekte und Tiefenschärfe-Effekte der jetzigen Generation wurden ebenfalls eingebaut, allerdings schwankt die Qualität hier deutlich. Durch die HD-Optimierung gleiten Gesichter manchmal ins Uncanny Valley ab, sind weniger überzeugend als im Original. Während viele Areale klar verschönert wurden, stechen glatte Texturen in HD sehr ins Auge:

Der neu aufgenommene Soundtrack wirkt dank 7.1 Surround-Sound noch atmosphärischer. Wenn Du stattdessen jedoch gerne mit dem Original in Erinnerungen schwelgen möchtest, kannst Du im Kampf den Original-Soundtrack als Hintergrundmusik spielen lassen. Auch die englischen Charakterstimmen sind nach wie vor hervorragend. Zudem wurden Ladezeiten verkürzt.

Final Fantasy XII The Zodiac Age - Original Soundtrack.

Aber warum wurden nicht nur Technik- sondern auch Gameplay-Elemente verändert? Im Interview verrieten mir Producer Hiroaki Kato und Director Takashi Katano den Grund für die Anpassungen:

„Am härtesten war es, diese Erfahrungen, die Spieler mit dem Titel hatten zu erweitern. Wir konnten nicht nur die Grafiken verbessern, sondern mussten auch das Gameplay anpassen, um es einfacher und konfortabler zu gestalten.“ 

Jede der Veränderungen macht tatsächlich Sinn und ermöglich eine bessere, an heutige Titel angepasste Spielerfahrung.

ABER…

Was Final Fantasy XII im Vergleich mit anderen Titeln der Reihe so besonders macht? Der 12. Teil war der erste Eintrag der Hauptreihe, in dem zufällige Monsterbegegnungen entfernt wurden. In den Kämpfen wurde erstmals das Active Dimension Battle-System eingesetzt, mit dem Du die Hauptgruppenmitglieder unabhängig oder mithilfe des Gambit-Systems kontrollieren kannst. Gambits ermöglichen es Dir, einfache KI-Anweisungen zu programmieren, mit denen Gruppenmitglieder im Kampf nach bestimmten Bedingungen handeln können, ohne dass Du sie direkt kontrollieren musst. Dabei kannst Du jederzeit die Kontrolle über die Gruppe übernehmen und den Einsatz von Gambits für alle Mitglieder ein- und ausschalten. Klingt nach Abwechslung, ist aber leider nicht allzu gut gealtert.

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Auch hier wurden zwar Anpassungen gemacht. So können jetzt beispielsweise mehrere Charaktere gleichzeitig Zauber einsetzen und Gruppengäste sowie Esper im Kampf vom Spieler kontrolliert werden. Doch das Problem an diesem Kampfsystem ist, dass Du keine vollständige Kontrolle über die Party hast und diese bei sinnvoll kombinierten Gambits auch gar nicht benötigst. Das hat durchaus seinen Reiz, allerdings kann Dir Langeweile aufkommen, da sich das Ganze mit der Zeit komplett von alleine regelt.

 

Gambits sind kein Zwang, schließlich kannst Du alle Charaktere auch selbst kontrollieren, allerdings musst Du dann ständig zwischen den Partymitgliedern manuell hin und her wechseln, was sich als etwas umständlich und nicht gerade motivierend gestaltet.

Auch die Auswahl im Kampfmenü wirkt nach heutigen Maßstäben veraltet, da Du Dich umständlich bei jeder Aktion durch die unterschiedlichen Kategorien mit weiteren Unterkategorien wuseln musst (Angriff / Fertigkeiten: Weißmagie, Schwarzmagie, Zeitmagie, Techniken / Mysthrons / Gambit / Items). Wünschenswert wäre hier, dass die Entwickler an einem effizienteren Interface gearbeitet hätten.

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Vorschau-Fazit

Die Stärke von Final Fantasy XII liegt in der ernsthaften, politisch geprägten Handlung, auf die Du Dich allerdings erst einmal einlassen musst. Letzteres gilt auch für das MMO-ähnliche Kampfsystem, das zwar für die Reihe revolutionär war, aber sicherlich aus gutem Grund seitdem nicht mehr in der Final Fantasy-Reihe verwendet wurde. Dafür machen die Anpassungen Sinn, vor allem das Job-System sorgt für mehr Vielfalt der Charaktere im Kampf. Audiovisuell weiß The Zodiac Age zum großen Teil der Anspieldemo zu überzeugen. Fans von Final Fantasy XII sollten das Originalspiel so in Erinnerung behalten, wie sie es in ihr Herz geschlossen haben. Rollenspiel-Fans, die Final Fantasy XII verpasst haben, werden zugreifen müssen.

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