Final Fantasy XV hat mehr mit Need for Speed zu tun, als ihr denkt

Cliff Amador 3

Was haben Videospiel-Messen mit Kollegah zu tun? Und warum schwärmt der Final Fantasy XV-Produzent von deutschen Autos? In den nachfolgenden Worten klären wir diese und mehr Mysterien um das kommende Rollenspiel-Abenteuer auf.

Final Fantasy XV hat mehr mit Need for Speed zu tun, als ihr denkt

Es ist mein erster Tag auf der gamescom 2015 und ich stehe unter Zeitdruck. Der erste Termin auf meiner Liste ist nicht nur mein Start in eine anstrengende Messe-Woche, sondern vor allem mein persönliches Highlight, lange bevor ich wusste, dass es mich auch dieses Jahr nach Köln verschlagen würde. Hajime Tabata, Produzent hinter Crisis Core - Final Fantasy VII und jetzt Final Fantasy XV würde sich die Zeit nehmen, meine nerdigen Fragen zu beantworten.

Wann erscheint das Spiel, auf das ich seit nun mehr als 8 Jahren warte und für das ich mir damals die PlayStation 3 gekauft habe? Warum wurde Stella aus der Handlung gestrichen und warum schwitze ich, als hätte ich gerade ein achtstündiges Bosstransformations-Workout mit Kollegah hinter mir? Stimmt, ich renne! Und wie ich renne, denn mir bleiben lächerliche 10 Minuten von Messe-Eröffnung bis zum Interview.

Japaner sind unfassbar nett, aber eines haben sie mit uns Deutschen gemein: Sie lieben Pünktlichkeit noch mehr als ihre Eltern. Zumindest hat man mir das immer so gesagt und ich habe keine Lust herauszufinden, was passiert, wenn man diese Regel bricht. Ich erreiche den Treffpunkt gerade noch rechtzeitig und komme mir vor als hätte ich gerade Gleis 9 3/4 aus Harry Potter und der Stein der Weisen gefunden.

Ein Gefühl der Erleichterung überkommt mich, wenn ich mir auch ein bisschen lächerlich vorkomme, so verschwitzt und 10 Minuten zu früh. „Bleib cool und Entspann dich“, sagt mir ein Mitarbeiter von Square Enix. „Der Raum muss noch vorbereitet werden“.

Als ich besagten Raum mit zwei anderen Redakteuren betreten darf, erwartet mich jedoch kein verkrampfter Business-Man aus Japan, sondern ein überraschend aufgeschlossener und entspannter Kerl, der uns dazu auffordert mit ihm am Tisch zu sitzen, um über Final Fantasy XV zu plaudern. „Ich mag diese langweiligen Interviews nicht, in denen man mit 5 Metern Abstand mit der Presse redet. So ist es doch gleich viel persönlicher“, mit diesen sympathischen Worten sind bei mir auch gleich alle Hemmungen und Sorgen gefallen.

Wir quatschen über Tabatas Liebe zu deutschen Autos, dass er Mario Kart 8 um den Mercedes-DLC beneidet und hofft, dass er noch vor seiner Deutschland-Abreise einen Deal mit einem hiesigen Autohersteller abschließen kann - alles natürlich Wunschdenken, aber ich merke, wie viel ihm dieses Projekt bedeutet und das selbst ein olles Vehikel (ich habe kein Führerschein, ich denke auch nicht daran, eine Fahrprüfung abzuschließen) ein Hilfsmittel für den Plot einer Geschichte sein kann.

Das Auto ist nicht einfach nur ein Transportmittel“, so Tabata. „In Final Fantasy XV war uns gerade die Beziehung zu Hauptprotagonist Noctis und seinem Vater sehr wichtig. Bevor der Prinz mit seinen Freunden aus seiner Heimat flieht, gehörte das Auto seinem Vater. Da fließen jede Menge Erinnerungen mit“.

Ich war zarte 16 Jahre alt als ich den ersten Trailer zu damals noch Final Fantasy Versus XIII gesehen habe. Außerdem war ich von der schieren Brutalität, der dunklen Stimmung und dem Hamlet-Zitat „There is nothing either good or bad, but thinking makes it so“, so beeindruckt wie es ein heranwachsender Teenager mit Akne im Gesicht nur sein kann. Natürlich musste ich Tabata fragen, wie viel von diesem bittersüßen Shakespeare-Konzept in Final Fantasy XV übrig geblieben ist. Und ja, auch den peinlichen Anfang musste ich loswerden, was für ein paar Lacher im Raum gesorgt hat.

„Vieles hat sich in den letzten Jahren geändert, uns war es jedoch wichtig, Tetsuya Nomuras Grundkonzept beizubehalten. Euch werden also noch immer sehr düstere Momente innerhalb der Handlung erwarten. Wir legen aber auch viel Wert auf glückliche und lustige Momente, für die sich die Konstellation der Team-Mitglieder perfekt eignet“.

Es ist der Boyband-Look, der vielen Zweiflern noch zu schaffen macht. Wie soll man eine Truppe gleichgekleideter Typen mit J-Pop-Frisuren ernst nehmen? Gerade Blondschopf Prompto schnitt bei der Community-Fragerunde Anfang dieses Jahres am schlechtesten ab, dabei erhofft sich Tabata-San gerade von ihm die sympathischsten Situationen.

„Prompto ist ein liebenswürdiger Charakter, der glaube ich aufgrund der kurzen Demo missverstanden wird. Vielleicht ist euch aufgefallen, dass wir schon in Episode Duscae versucht haben, Charakter-Merkmale durch Körpersprache zu vermitteln.“ Tatsächlich verhält sich jedes Party-Mitglied auf dem Feld ganz unterschiedlich. Gladiolus ist der sperrige Typ, Ignis hilft entspannt im Hintergrund und Prompto stolpert wie ein tollpatschiger Grünschnabel durch die Gegend. „Prompto hat nicht die selbe militärische Ausbildung genossen, wie seine Freunde, er gibt sich jedoch alle erdenkliche Mühe, mitzuhalten“, so Tabata.

Wir wissen jetzt also, dass Autos mehr können, als nur laute Motorgeräusche von sich zu geben und die Körpersprache wichtig ist, um das innere Wesen einer Figur besser zu verstehen. Aber warum wurde der Charakter Stella durch Luna ersetzt, ein Charakter, der doch einen sehr starken Eindruck machte? Für diejenigen unter euch, die es nicht mehr so genau wissen: Stella war lange Zeit Bestandteil der Promo um Final Fantasy Versus XIII und wurde zuletzt im Trailer der E3 2013 gezeigt - bis dieses Jahr eben angekündigt wurde, sie aus dem Spiel zu nehmen.

„Final Fantasy XV sollte eigentlich ein Spin-Off werden“, erklärt der Produzent. „Dementsprechend peilten wir damals andere Dimensionen an. Wir wollen, dass Final Fantasy XV das beste Spiel der Reihe wird und mussten weiter denken. Irgendwann hat Stella nicht mehr in das Konzept gepasst. Zwar sind Luna und Stella zwei komplett unterschiedliche Personen, Luna ist jedoch auf ihre eigene Art und Weise stark“.

Damit schneidet Hajime Tabata natürlich unweigerlich ein Thema an, welches seit Anita Sarkeesian und Gamergate für reichlich Diskussionsstoff sorgt: Das Bild von Frauen in Videospielen. Zum Zeitpunkt des Interviews gibt Tabata zwar zu, noch nie etwas von Gamergate gehört zu haben, jedoch sei ihm und seinem Team die Debatte um den Charakter Cidney nicht entgangen.

Cidney ist die weibliche Version von Cid, einem immer wiederkehrenden Wink auf alte Final-Fantasy-Ableger. Ein blondes hübsches Ding in Hotpants mit Südstaaten-Akzent und einem tiefen Ausschnitt. Das provoziert natürlich. „Für Cidney haben wir reichlich Kritik einstecken müssen. Diese haben wir uns auf jeden Fall zu Herzen genommen. Uns ist Cidney sehr wichtig und das soll auch so rüberkommen. Für das fertige Spiel arbeiten wir gerade an einer Lösung.“

Ein Entwickler, der nicht nur den direkten Dialog mit seinen Fans und Kritikern sucht, auf deutsches Fahrwerk steht und mir verspricht, das Spiel so schnell wie möglich fertigzustellen, kann kein schlechter Mann für diesen Job sein. „Wir werden zusehen, dass du Final Fantasy XV so schnell wie möglich spielen kannst, schließlich wartest du schon seit deinem 16. Lebensjahr darauf“. Vielen Dank, Tabata-San, ich nehme Sie beim Wort!

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Das Cameo-Quiz: Dich kenne ich doch von irgendwo her?!

Videospielcharaktere sind sehr eng mit ihrem Franchise verbunden. Was wäre ein Legend of Zelda ohne Link oder ein Metal Gear Solid ohne Solid Snake? Trotzdem ist es gar nicht so unüblich, dass es in Games zu Cameos von bekannten videospielcharakteren oder realen Prominenten kommt. Oftmals geschieht dies innerhalb einer großen Games-Familie. So drehen die Nintendo-Maskottchen fröhlich ihre Runden in der Mario-Kart-Reihe. Manchmal sind diese Cameos jedoch überraschender. Wir haben in diesem Quiz ein paar ausgefallene Beispiele für Cameos in Videospielen gefunden. Kannst Du alle 10 Spiele erraten, in denen diese Figuren und Prominenten erscheinen?

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