Fire Emblem Fates im Test: Taktik für Einsteiger und Profis

Martin Eiser

Bisher mag sich mancher mit dem taktischen Rollenspiel Fire Emblem überfordert gefühlt haben. Für Fire Emblem Fates schlägt Nintendo gleich zwei Richtungen ein: einen leichteren Weg für Einsteiger und einen wirklich steinigen Weg für Freunde der alten Schule. Wir verraten im Test, wie gut das gelingt.

Fire Emblem Fates - Für welche Seite entscheidest du dich? - Trailer.

Fire Emblem war immer eine nette kleine Nische, die Nintendo gern bedient hat. Heute gibt es auf dem Markt eigentlich nur wenig Platz für ein richtiges rundenbasiertes Taktik-Rollenspiel. Das staubige Genre ist einfach zu langsam und träge, zu kompliziert und viel zu unverzeihlich. Vor allem auf dem Nintendo-Handheld sucht kaum jemand ein so anspruchsvolles und forderndes Abenteuer. Ein bisschen schien es so, als hätte sich die Serie überholt und wäre bereit für den Ruhestand.

Zuletzt zweifelte sogar Nintendo selbst, ob ein neuer Release die Mühe wirklich wert ist. Fire Emblem: Awakening war eine Art letzter Versuch, eine breitere Zielgruppe zu erreichen, ohne mit dem Erbe der Reihe zu brechen. Und glücklicherweise ist es dem Entwickler Intelligent Systems gelungen, nicht nur eine überzeugende Erfahrung für alte Hasen abzuliefern, sondern auch neue Anhänger zu gewinnen. Geholfen hat dabei sicherlich auch der große Erfolg von sogenannten Rougelike-Spielen, die sich durch einen besonders hohen Schwierigkeitsgrad auszeichnen und Frust in Motivation verwandeln.

2_E32015_N3DS_FEF_Screenshot_3DS_FireEmblemFates_scrn09_E3
1_E32015_N3DS_FEF_Screenshot_3DS_FireEmblemFates_scrn05_E3

Auch mit Fire Emblem ist dieser Kniff endlich gelungen – und der Trick dahinter war ziemlich simpel. In vielerlei Hinsicht war Fire Emblem: Awakening ein Schritt nach vorn. Damals begann Nintendo etwa mit dem Angebot von herunterladbaren Zusatzinhalten. Besonders positiv dürfte sich aber der flexible Schwierigkeitsgrad ausgewirkt haben. Der permanente Tod von lieb gewonnenen Charakteren ließ sich erstmals deaktivieren, womit der fordernde Schwierigkeitsgrad gesenkt werden konnte.

Doch es wäre falsch, zu glauben, dass nur ein einfaches Spiel auch erfolgreich sein kann. Vielmehr fühlten sich auch Einsteiger herausgefordert, das Niveau zu bewältigen, dass das Spiel lediglich als „Normal“ bezeichnet. Das wurde im neuen Spiel auch nicht leichter, stattdessen führten die Entwickler einen zusätzlichen, leichteren Schwierigkeitsgrad ein. Welcher unseren Skills angemessen ist, ist eine Frage der Perspektive, die uns neuerdings aus der Reserve lockt. Es ist ein bisschen wie bei Dark Souls. Das Spiel ist nie zu schwer, wir sind nur zu schwach.

e32015_n3ds_fef_artwork_n3ds_fireemblemfates_illustration_01

Bilderstrecke starten
11 Bilder
Die 10 besten Mobile/Handheld-Spiele 2016 im Jahresrückblick.

Zwei Wege, ein Ziel

Für Fire Emblem Fates setzt Nintendo nun noch etwas drauf. Die ersten sechs Missionen sind für alle gleich. Dann müssen wir uns entscheiden, ob wir uns im Konflikt unser leiblichen Familie anschließen, oder aber jenen folgen, mit denen wir einen großen Teil unseres Lebens verbracht haben. Wandeln wir auf dem einsteigerfreundlichen Pfad mit vielen Nebenaufgaben, der uns dadurch so viel Erfahrungspunkte und Gold ermöglicht, wie wir wollen? Oder beschränken wir uns ganz klassisch auf das, was uns das Spiel vorgibt? Vermächtnis oder Herrschaft?

Die beiden Handlungsstränge spielen sich ziemlich unterschiedlich, auch wenn sie am Ende auf ein ähnliches Ziel hinarbeiten. Wir erleben die Geschichte aus einer ganz anderen Sicht, und durch die beschränkten Möglichkeiten, unsere Charaktere aufzuleveln, müssen wir mit Bedacht vorgehen. Außerdem sind die Missionsziele komplexer, weil wir etwa ein bestimmtes Gebiet verteidigen oder gezielt Gegner ausschalten müssen. In der bewusst einfach gehaltenen Variante heißt es meist, einfach alle Gegner nach und nach zu besiegen.

6_N3DS_FEF_Screenshot_Birthright (5)
5_N3DS_FEF_Screenshot_Birthright (2)

Noch dazu können wir natürlich weiterhin zwischen Normal, Schwer und Extrem wählen. Und in einem zweiten Schritt entscheiden wir, ob gefallene Einheiten ganz klassisch für immer verloren sind, oder wir uns für Anfänger halten, und sie nach dem Kampf immer wiederkehren. Neu ist sogar die Möglichkeit, dass sich gefallene Einheiten während eines Kampfes wieder erholen können. Damit wurde die Einstiegsschwelle krass gesenkt. Es wartet aber immer noch die eigentliche Herausforderung auf uns.

Auf diese Weise ist die spannende Geschichte mit ihren vielschichtigen und sympathischen Charakteren einem viel breiteren Publikum zugänglich. Wir können in unterhaltsamen Dialogen die Beziehungen zwischen den Figuren verbessern und erfahren dadurch nicht nur mehr über jeden einzelnen, sondern bekommen auch einen Bonus auf dem Schlachtfeld. Ich brauche kein Game of Thrones, ich habe Fire Emblem Fates.

Fire Emblem Fates - Januar 2015 - Trailer.

Verfeinerte Spielmechaniken

Die Spielmechaniken wurden ansonsten gegenüber dem letzten Abenteuer nur logisch weiterentwickelt. Waffen nutzen sich nicht mehr ab. Wir erkennen schneller, mit welcher Ausrüstung wir effektiv sind und was wir besser lassen sollten. Fügen wir zwei Charaktere zu einem Duo in der Schlacht zusammen, gibt es nun mehr Vorteile bei der Verteidigung. Neu ist aber auch, dass der Gegner jetzt ebenso von benachbarten Einheiten profitiert.

Die Karten, auf denen wir kämpfen, sind zum Glück endlich deutlich abwechslungsreicher. Sie lassen sich außerdem während einer Partie verändern, wodurch bestimmte Gebiete leichter oder auch schwieriger zu passieren sind. Manche Elemente helfen uns anders aus. Wir haben insgesamt mehr Einfluss auf unser Schicksal und können mit der richtigen Strategie auch deutlich überlegene Gegner in die Knie zwingen. Allerdings kann unser Feind so Manches genauso gut gegen uns verwenden. Wir sollten also immer auf der Hut sein.

In Fire Emblem Fates besitzen wir außerdem ein Schloss, in das wir uns nach jeder Schlacht zurückziehen. Wir können es im Laufe des Spiels immer weiter ausbauen und uns stehen verschiedene Aktivitäten zur Verfügung. Unter anderem gibt es Läden mit verschiedenen Waren, eine Ruhmeshalle mit allerhand Hintergrundinformation und auch die Street-Pass-Funktion ist hier untergebracht. Damit können wir eine kleine Armee in unserem Schloss platzieren, die sich gegen andere Armeen automatisiert verteidigen muss.

10_N3DS_FEF_Screenshot_Conquest (14)
8_N3DS_FEF_Screenshot_Birthright (20)

Fire Emblem Fates auf Amazon bestellen *

Mein Test-Fazit zu Fire Emblem Fates:

„Vermächtnis“ als auch „Herrschaft“ bieten eine Spielzeit jenseits der 25 Stunden. Haben wir eines der beiden Kapitel durchgespielt, kann das jeweils andere zu einem deutlich reduzierten Preis im Eshop erworben werden. Und wer dann immer noch hungrig auf weitere Inhalte ist, bekommt später mit „Offenbarung“ noch einmal ein ähnlich großes Abschlusskapitel zum Kauf angeboten, das alle losen Enden zusammenführen und offene Fragen beantworten soll. Dazu kommen weitere Downloadinhalte.

Fire Emblem Fates ist so unglaublich breit aufgestellt, dass gelegentliche Rollenspieler und auch gewiefte Taktiker ihren Spaß damit haben werden. Wer gefordert werden will, bekommt seine Dosis und kann dank vieler optionaler Zusatzinhalte endlos viele Stunden in dem Abenteuer versinken. Andere interessieren sich vielleicht mehr für die Geschichte und leichte Unterhaltung. Weil der Schwierigkeitsgrad etliche, auch leicht nachvollziehbare Anpassungen ermöglicht, wird die Lust nur wirklich selten zum Frust. Es ist immer unsere Entscheidung, ob uns etwas wirklich zu schwer ist oder wir motiviert sind, es zu schaffen.

Eigentlich ist es ein ganz typisches Problem für Nintendo, dass sowohl Gelegenheitsspieler als auch nerdige Profis zur Zielgruppe gehören. Trotzdem schien es bisher kein richtiges Rezept für die Taktik-Rollenspiel-Serie zu geben. Mit Fire Emblem Fates wurde aus der Not aber endlich eine Tugend gemacht. Wir bekommen gleich zwei Spielkonzepte, zwischen denen wir wählen können, die sich sogar so sehr unterscheiden, dass wir eigentlich beide spielen sollten.

Die GIGA-GAMES-Wertungsphilosophie

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung