Forza Horizon 2 Test: Der grenzenlose Horizont

Robin Schweiger 16

Mit „Forza Horizon“ schaffte es Entwickler Playground Games erfolgreich, die „Forza“-Serie nicht nur Simulations-Fans schmackhaft zu machen. Dank seiner für ein Rennspiel einzigartigen Atmosphäre, dem perfekt ausbalancierten Fahrverhalten und der abwechslungsreichen Spielwelt ergatterte „Horizon“ vor zwei Jahren eine Wertung von 93% und gilt für mich heute als das beste Rennspiel der letzten Konsolengeneration. Große Fußstapfen, in die der Nachfolger da treten muss.

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Das Horizon-Festival verabschiedet sich in seinem zweiten Jahr vom amerikanischen Colorado und zieht stattdessen ins Grenzgebiet zwischen Frankreich und Italien. Die zahllosen Weinberge und Felder sind dabei nicht nur Staffage. Während mich „Forza Horizon“ trotz Open-World-Konzept an die Straßen und Feldwege fesselte, kann ich nun quer durch Wiesen und Wälder düsen.

Forza Horizon 2“ vermittelt dadurch ein für die Serie völlig neues Gefühl der Freiheit. Die Map ist insgesamt nicht gigantisch, wurde stattdessen aber mit zahllosen Details vollgestopft. Von alten Ruinen bis hin zu einem Flughafen gibt es immer wieder Gebiete zu entdecken, die zum Erkunden einladen.

Stattdessen kann ich mich jedoch auch auf die Horizon-Meisterschaft konzentrieren, die in den insgesamt sechs verschiedenen Ortschaften ausgetragen werden und aus jeweils vier verschiedenen Events bestehen. Das Besondere: Das Spiel gibt mir nicht vor, mit welchen Autos ich welche Meisterschaft zu fahren habe. Ich kann immer mit genau dem Wagen in genau der Meisterschaft fahren, auf die ich gerade Lust habe. Wer also keine Lust darauf hat, mit einem VW Golf herumzuschleichen, der kann sich von Anfang an auf die schnellsten Sportwagen konzentrieren. Je nach Art des Autos verändern sich auch die Events der Meisterschaft. Mit einem Jeep führen mich die Rennen hauptsächlich durch Wiesen und Felder, während ich mit meinem Bugatti Veyron in erster Linie über befestigte Straßen düse.

Dank eines extrem detaillierten Upgrade-Systems wird es mir sogar ermöglicht, besagten VW Golf mit in die Sportwagen-Meisterschaften zu nehmen und gegnerischen Ferraris Konkurrenz zu machen. Wer mag, kann in Eigenregie so ziemlich alle relevanten Einzelteile des Autos selbst bestimmen. Ich nutzte stattdessen regelmäßig automatische Upgrades, um mein Auto mit einem Knopfdruck in die gewünschte Meisterschafts-Klasse zu hieven.

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Forza Horizon 2: Autoliste - Alle Fahrzeuge im Überblick.

Weil ich von Anfang an mit den den schnellsten Autos der Welt konkurrieren kann, geht jedoch ein wenig das bekannte Belohnungsgefühl anderer Rennspiele verloren: Wenn ich mich zunächst mit regulären Familienwagen durch die unteren Klassen kämpfen muss, wirkt es umso befriedigender, endlich mit 400 Km/h über die Autobahn rasen zu können. Nichtsdestotrotz war es jedoch die richtige Entscheidung, den Spieler selbst über seinen Karriere-Weg bestimmen zu lassen - nicht jeder hat schließlich Zeit oder Lust, sich erst stundenlang das Recht zu verdienen, sich von den normalen Straßenautos zu verabschieden. Hardcore-Fans werden sowieso jede der vielen hundert Meisterschaften erfolgreich abschließen wollen.

Spaß am Wegesrand

Auch abseits der regulären Rennen gibt es im Grenzgebiet einiges zu tun. In „Bucket List“-Events bekomme ich besonders spektakuläre Aufgaben, etwa mitten in der Nacht einen Lancia Delta S4 durch einen besonders dichten Wald zu manövrieren oder mit mit einem Ford RS00 einen Golfplatz umzupflügen. In zehn auf der Map versteckten Scheunen finde ich zudem nicht käufliche Auto-Klassiker, während ich in unglaublich spektakulären Showcase-Events gegen Züge und Flugzeuge antrete.

Nach einigen Stunden offenbart sich das neue Szenario jedoch mehr und mehr als Nachteil: Während Colorado noch einige abwechslungsreiche Ortschaften zu bieten hatte, sieht die Map von „Horizon 2“ größtenteils gleich aus: Grüne Wiesen, idyllische Städtchen, hügelige Weinberge. Das wirkt am Anfang wie eine willkommene Abwechslungs vom Rennspiel-Einerlei, ermüdet schließlich jedoch dank fehlender Alternativen.

Zum Glück ist dann auch schon der Online-Modus zur Stelle, um mit neuen Events und Herausforderungen neue Motivation zu schaffen. Wenn ich mit einem Bugatti Veyron durch hügelige Bauruinen rutsche, während ich zu „Hall of the Mountain King“ einen von zwölf Gegnern zu rammen versuche, um dadurch seine Krone zu stehlen und anschließend als König den nun mich angreifenden, anderen Spielern auszuweichen, kann ich mich nur noch schwierig über fehlende Abwechslung beschweren. Sämtliche Erfahrungspunkte und Credits wirken dabei spielübergreifend - auch mit dem im Multiplayer-Modus verdienten Geld kann ich also anschließend im Singleplayer-Modus Autos kaufen. Die Mikrotransaktionen aus dem Vorgänger sind verschwunden.

Besonders schön: „Forza Horizon 2“ kommt ganz ohne langwieriges Lobby-System aus. Stattdessen fahre ich mit den anderen Spielern von Event zu Event und kann jederzeit ohne Spielunterbrechung zwischen Single- und Multiplayer hin und her wechseln.

Die großartige Grafik macht währenddessen jede noch so unspektakuläre Fahrt zu einem einzigartigen Erlebnis: Alle paar Minuten wechsle ich in den Foto-Modus, um Sonnenuntergänge zu bestaunen oder auf Nummer sicher zu gehen, dass ich da gerade wirklich einen doppelten Regenbogen zu Gesicht bekomme. Das wird durch das neue Wetter-System ermöglicht: Jederzeit kann es anfangen zu regnen, dynamisch verändert sich das Straßenverhältnis dank entstehender Pfützen. Am spektakulärsten ist Forza Horizon 2 dann auch, wenn ich in der (für jedes Auto extrem detaillierten) Cockpit-Perspektive im Regen mit über 300 Km/h durch den Gegenverkehr rase. Das ist Adrenalin pur.

Fazit:

„Forza Horizon 2“ ist eine konsequente Weiterentwicklung des Vorgängers, das dessen großen „Aha!“-Effekt vermissen lässt, ihn jedoch mit zahllosen abwechslungsreichen Events und einer sensationellen Präsentation ersetzt. Das Ergebnis ist ein bist zum Bersten gefülltes Paket, das jedoch allein schon mit seiner offenen Welt viele Stunden Spaß garantiert. Aber Achtung: Dieser Test gilt nur für die Xbox One-Version! Auf der Xbox 360 teilt sich das Spiel nur Namen und Szenario - viele Features wurden herausgeschnitten, die Welt ist bei Weitem nicht so frei befahrbar.

 

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