Forza Motorsport 5 Test: Die nächste Generation nimmt Fahrt auf!

Robin Schweiger 1

„Forza Motorsport 5“ ist das Launch-Highlight der Xbox One. Das Rennspiel soll nicht nur die grafische Power der Next-Gen-Konsole aufzeigen, sondern dank neuer Fahr-Physik, neu abgetasteten Rennstrecken und einem neuen Controller das beste Fahrgefühl des Genres erzeugen. Tatsächlich ist „Forza 5“ spielerisch in einer eigenen Liga, stolpert aber über zweifelhafte DLC-Pläne und einen Mangel an Inhalten.

Forza Motorsport 5 Test: Die nächste Generation nimmt Fahrt auf!

Der Karriere-Modus wurde grundlegend überarbeitet: Statt einer linearen Laufbahn, die euch bestimmte Wagen und Rennstrecken aufzwingt, könnt ihr nun jederzeit selbst entscheiden, welche Rennen ihr fahren möchtet. Acht verschiedene Ligen stehen zur Auswahl, die jeweils aus drei bis sieben Meisterschaften bestehen. Das sieht dann etwa so aus: Ich wähle die Vintage-Liga aus und kann anschließend unter verschiedenen Kategorien wie „Racing Icons“, „Grand Touring Legends“ und „American Street Muscle“ auswählen, deren Meisterschaft dann wiederum aus diversen Rennen und Events besteht.

Forza Motorsport 5 - Test.
Diese Struktur ist ein riesiger Fortschritt im Vergleich zu den Vorgängern: Statt erst nach mehreren Stunden in die besseren Wagen einzusteigen, können wir nun selbst entscheiden, wann wir welche Autos fahren möchten. Zudem dauern Rennen nun nicht mehr 15 bis 20 Minuten, wie es früher bei den späteren Karriere-Rennen der Fall war. –Stattdessen seht ihr die Zielflaggen in fünf bis sieben Minuten. Zudem können wir jederzeit zwischen den Ligen und Meisterschaften wechseln, ohne den Fortschritt dort zu verlieren.

Um in einer Meisterschaft antreten zu können, wird jedoch zunächst einmal das richtige Auto benötigt: Das wiederum kostet Credits, die ihr euch in den vorangegangenen Rennen durch das Erlangen vom Bronze, Silber-, und Gold-Medaillen verdient. Zusätzlich erhöht sich der Verdienst prozentual für jede deaktivierte Fahrhilfe und mit der Drivatar-Schwierigkeitsstufe.

Neben der neuen Karriere-Struktur sind die Drivatars die andere große Neuerung: Alles was ihr in „Forza Motorsport 5“ macht – jeder Bremsvorgang, jedes Überhohlmanöver, jede verpasste Kurve – wird gespeichert und zu eurem Drivatar hochgeladen. Dieser ist so etwas wie ein KI-Abbild eures Fahrverhaltens: Je besser ihr fahrt, desto besser wird auch euer Drivatar.  Die Karriere ist nun nicht mehr angesiedelt mit mehr oder weniger unterschiedlichen KI-Fahrern, sondern mit den Drivatars anderer Spieler. Je nachdem welchen Schwierigkeitsgrad ihr auswählt, zieht das Spiel Drivatars aus der Cloud und setzt sie in euer Rennen. Das Ergebnis ist ein sehr viel dynamischeres Renngeschehen: Tatsächlich fühlte es sich oftmals so an, als würde ich gegen echte Menschen fahren: Die KI macht Fehler, lässt sich unter Druck setzen und hat ganz unterschiedliche Stärken und Schwächen. Auf höheren Schwierigkeitsgraden wechseln sie die Spur um ein Überholmanöver zu verhindern und schießen beim eigenen Überholen auch gerne mal über den Bremspunkt hinaus ins Kiesbett.

Verschiedene Events lockern die Meisterschaften regelmäßig auf: Mal gilt es, in einer Runde möglichst viele langsamer fahrende Autos zu überholen, mal fährt man auf der Top Gear-Strecke durch ein simuliertes London… was einfach nur bedeutet, dass überall auf der Strecke Mülltonnen, Baustellen und Pappaufsteller von berühmten Londoner Gebäuden verteilt sind.

Ansonsten haben es die aus den Vorgängern bekannten Features ebenfalls in die nächste Generation geschafft: Mit dem Lackier-Editor könnt ihr euer Auto ganz individuell gestalten und die Designs anschließend hochladen. Im Marktplatz könnt ihr es dann sogar verkaufen und so noch mehr Credits verdienen, um euch anschließend neue Autos kaufen zu können. Das gleiche gilt für die Tuning-Möglichkeiten: Hier kommen auch die größten Auto-Fans auf ihre Kosten. Von der Reifenbreite über die Antriebswelle bis zu den Luftfiltern des Motors lässt sich so ziemlich jedes Einzelteil auswechseln. Wem das noch nicht reicht, der kann dann anschließend in penibler Kleinarbeit noch die Härte der Federn, die Ausrichtung der Aerodynamik oder die Verteilung der Bremskraft einstellen.

Auf der Strecke fühlen sich die Autos von „Forza 5“ besser denn je an. Der neue Xbox One-Controller ist dafür entscheidend mitverantwortlich: Die vibrierenden Trigger geben ein großartiges Force Feedback ab, das man so nur von teuren Lenkrädern gewohnt war. Ich spüre es sofort, wenn ich zu sehr auf die Bremse steige und meine Reifen beginnen zu blockieren, oder wenn ich zu früh aufs Gas steige und drohe, zur Seite auszubrechen. Dieses neue Feature kann man gar nicht genug preisen: Rennspiele fühlten sich auf der Konsole niemals besser an, als mit diesem Controller.

Da haben wir ihn also: Den perfekten Launch-Titel in einem Meer aus Enttäuschungen. Das Must-Have, für dass es sich lohnt, eine Xbox One zu kaufen…oder? Für Rennspiel-Fans kann diese Frage tatsächlich positiv beantwortet werden: Mehr Fahrspaß werdet ihr so schnell mit keinem anderen Konsolen-Spiel erleben. Trotzdem überlebt „Forza 5“ den Sprung in die nächste Generation nicht unbeschadet.

Im Vergleich zu „Forza Motorsport 4“ hat der fünfte Teil sehr viel weniger Autos und Rennstrecken zu bieten: Statt über 500 gibt es nun nur noch knapp über 200 Autos, statt 26 nur noch 14 Strecken. Das ist ganz einfach dem Fakt geschuldet, dass Turn 10 das gesamte Spiel von Grund auf neu aufbaute: Statt die alten Vehikel lediglich aufzuhübschen, wurden sie komplett verworfen und neu modelliert. Das Ergebnis: „Forza 5“ sieht deutlich besser aus als sein Vorgänger, der Sprung in die nächste Generation ist klar sichtbar. Das Motto „Quantität über Qualität“ geht voll auf: Während ich mich in „Gran Turismo 5“ ständig an der Zwei-Klassen-Gesellschaft störte, in der viele Autos direkt aus der PS2-Ära portiert wurden, bekam ich mit „Forza 5“ einen homogenen Fuhrpark ohne Aussetzer.

Problematisch ist diese Tatsache jedoch in Kombination mit den DLC-Plänen und Mikro-Transaktionen. Das Spiel macht euch ständig darauf aufmerksam, dass ihr jetzt gerade auch echtes Geld bezahlen könntet, statt eure sauer verdienten Credits auszugeben. Als zweite Währung gibt es nämlich noch die Tokens für die man, ihr habt es erraten, Geld hinblättern muss. Mit diesen Tokens könnt ihr dann neue Autos kaufen, ohne vorher groß etwas dafür tun zu müssen. Tatsächlich hat das eigentlich keinen Nachteil für „reguläre“ Spieler: Man steigt genau wie in den Vorgängern regelmäßig im Level auf und bekommt genug Credits, um sich seine Wunsch-Autos leisten zu können.

Es nervt jedoch, wenn mir ständig die Echtgeld-Alternative unter die Nase gerieben wird. Ein ähnliches Problem habe ich mit der Implementierung der DLC-Inhalte: Obwohl ich die zusätzlichen Inhalte nicht gekauft habe, erscheinen die Autos mit einer Markierung in meiner Wagen-Liste. Möchte ich die Karre dann für Credits kaufen, werde ich aufgefordert, den DLC herunterzuladen.

Nichtsdestotrotz gibt es mit 200 Autos noch immer mehr als genug fahrbare Untersätze. Zumal es nun noch einmal mehr Variation gibt: So könnt ihr euch nun sogar hinter das Steuer moderner und klassischer Formel-1- oder Indycar-Wagen setzen.

Fazit:

„Forza Motorsport 5“ ist ein merkbarer Sprung nach vorne und übertrifft sogar seine großartigen Vorgänger. Damit bekommen wir nicht nur den besten Launch-Titel dieser Konsolen-Generation geliefert, sondern ganz nebenbei auch noch eines der besten Rennspiele aller Zeiten. Punkt. Die geringere Anzahl der Autos stört dabei in erster Linie auf dem Papier; wenn man erst einmal im Cockpit eines McLaren P1 durch das sonnige Prag fährt, ist das schnell vergessen.

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