Gears of War 4 im Test: Konservativ, aber mit Kettensäge

Markus Grundmann 5

Mit Gears of War 4 vollzieht der Deckungsshooter einen Generationswechsel – sowohl bei den Protagonisten des Spiels als auch bei der Plattform. Auf spielerische Neuerungen haben die Entwickler aber weitgehend verzichtet. Im Test verrate ich, ob die alte Action-Shooter-Formel auch im Jahr 2016 noch gut funktioniert.

Gears of War 4 im Test.

Gears of War 4 für Xbox One *   … oder für PC kaufen *

Während ich noch dabei bin, ein paar Robotern mit meinem Messer den verkabelten Hals durchzuschneiden, donnert ein Condor-Flugzeug über die Szene und wirft vor mit metallene Kugeln ab, sogenannte Tracker. Die können mir im schlimmsten Fall direkt vor der Nase explodieren und so beträchtlichen Schaden anrichten. Währenddessen braucht einer meiner Teamkollegen Hilfe vor den nicht abreißen wollenden Gegnermassen, im Hintergrund eine riesige Detonation, Kanonendonner durchschneidet die Luft. Gears of War 4 verleugnet seine Herkunft nicht – denn Zeit zum Durchatmen gibt es wirklich selten. Das macht aber nichts, denn dafür kommt das Spiel nämlich ohne groß angelegtes Tutorial aus, sondern schickt Dich gleich mitten ins Geschehen.

Die Erzählung macht dabei einen etwas größeren Sprung. Im Zentrum steht nicht mehr Marcus Fenix, sondern dessen Sohn J.D., der allerdings zusammen mit seinem Vater um das Überleben der Menschheit kämpfen muss. Als Gegner müssen diesmal indes nicht nur Aliens herhalten, sondern Roboterwesen namens DeeBees, deren Beweggründe zumindest zu Beginn noch nicht wirklich klar sind. Die Geschichte entfaltet sich aber im Verlauf des Spiels immer mehr.

Überleben in der Endzeit-Welt

Die Entwickler haben es gut verstanden, ihrem Spiel eine endzeitliche Atmosphäre zu verpassen. Gears of War 4 fühlt sich ständig so an, als stünde die Menschheit ganz knapp vor ihrem endgültigen Verschwinden und als sei das ständige Geballer für ihr Überleben schlicht notwendig. Der Planet Sera ist dabei noch ein wenig lebensfeindlicher geworden als in den Vorgängerspielen, denn er wird nun immer wieder von heftigen Stürmen heimgesucht. Die sehen nicht nur schick aus – Bäume wiegen sich im Wind, Staub fliegt den Figuren um die Ohren, es blitzt im Sekundentakt – diese Unwetter haben auch Auswirkungen aufs Gameplay. Denn noch wichtiger als im restlichen Spiel ist es, während dieser Stürme so gut es geht von einer Deckung in die nächste zu hechten, denn die Geschwindigkeit der Protagonisten ist durch den Wind verlangsamt, es fühlt sich förmlich anstrengend an, sie zu steuern. Gerade dabei sieht Gears of War 4 übrigens spektakulär gut aus.

Gewohntes Geballer

Ansonsten orientiert sich der aktuelle Gears-Ableger allerdings weitgehend an den ersten Teilen der Serie. Entweder ballerst Du Dich zusammen mit menschlichen Mitspielern und mit computergesteuerten Kameraden von einer hüfthohen Deckung zur anderen, wobei Barrieren durch Interaktion mit der Spielwelt auch niedergerissen werden können. Diese Arenen werden lediglich durch kurze Momente voneinander getrennt, in denen Du Dich von A nach B bewegen musst. Tatsächlich hat Gears of War dieses Gameplay aber inzwischen perfektioniert. Die Steuerung geht wie schon in den Vorgängerspielen schnell in Fleisch und Blut über und lässt sich in Gears of War 4 mit ein paar neuen Fähigkeiten noch verfeinern. Gegner lassen sich beispielsweise nun per Tastendruck über eine Mauer zerren und anschließend mit dem Messer ausschalten. Ist für das Spiel nicht unbedingt nötig, macht aber Spaß und sieht außerdem natürlich recht cool aus – wenn man denn auf den übertrieben maskulinen Stil des Spiels steht.

Eleganter wirkt da die neue Fähigkeit, mit der J.D. Fenix und Kollegen nun Hürden im Sprint überwinden können. Wer diese Fähigkeit beherrscht, kann sich so nun weit schneller aus dem feindlichen Kreuzfeuer retten als bisher. Das wiederum ist aber manchmal gar nicht nötig, denn selbst wer sich nicht besonders schlau anstellt, wird zumindest auf normalem Schwierigkeitsgrad von seinen Kameraden meist recht zuverlässig wiederbelebt.

Besser in der Gruppe

Eine der großen Stärken des Spiels ist auch bei Gears of War 4 wieder der Multiplayer-Modus. Neben der Kampagne, die wahlweise online oder gemeinsam auf der Couch im Splitscreen-Modus gespielt werden kann, warten übliche Mehrspieler-Modi wie Team Deathmatch auf Dich. Warten vor allem deshalb, weil das Spiel zum Test-Zeitpunkt noch nicht offiziell erschienen war und die Server daher reichlich leer waren.

Ein Blick in den nach wie vor vorhandenen Horde-Modus offenbart allerdings, dass die Entwickler doch ein paar Neuerungen gewagt haben: den Fabrikator beispielsweise. Dieser spielt die Rolle eines rasend schnellen 3D-Druckers. Er kann den Spielern zu Beginn jeder Partie platziert werden und wird benutzt, um rings um ihn herum eine kleine Basis aufzubauen. Zudem gibt es nun spezielle Klassen wie Soldat, Scharfschütze und Pionier, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften haben. So erhält beispielsweise der Scout einen Bonus beim Anfertigen neuer Objekte im Fabrikator.

Zwar geht es nach wie vor hauptsächlich um das Abwehren von Gegnerwellen, aber die eingeführten Neuerungen geben dem Horde-Modus doch deutlich mehr Spieltiefe als zuvor – zumal sich die Klassen mit Hilfe von Skill-Karten erweitern und an verschiedene Spielweisen anpassen lassen.  Ebenfalls neu ist der Wettabrüsten-Modus. Hier ändert sich nach jeweils drei Abschüssen eines Teams automatisch die Waffe. Der Reiz entsteht dabei vor allem durch die sich ständig veränderten Spielbedingungen, die für häufig wechselnde Kräfteverhältnisse sorgen sollen.

Mein Test-Fazit zu Gears of War 4:

An den grundlegenden Spielmechaniken der Gears-Reihe hat sich auch mit diesem Teil nichts geändert. Das ist einerseits schade, denn The Coalition erfindet den Deckungsshooter mit Gears of War 4 nicht neu. Alte Hasen werden sich aber andererseits schnell wohl fühlen und es genießen, ihren Lieblingscharakter im Multiplayer-Modus hochzuleveln und zu verfeinern. Die Kampagne ist das gewohnte Action-Spektakel, das auch Neulingen einen schnellen Zugang zum Spiel ermöglichen sollte. Hinzu  kommt: Die eingeführten Neuerungen sind zwar nicht bahnbrechend, fühlen sich aber allesamt nicht aufgesetzt an, sondern fügen sich hervorragend in das Gears-Gesamtpaket ein. Ob nun große Innovation oder nicht – eine Riesenmenge Spaß macht Gears of War 4 auf alle Fälle.

Die GIGA-GAMES-Wertungsphilosophie

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung