Gears of War 4 in der Vorschau: Wir haben den Multiplayer-Modus für euch angespielt

Martin Eiser 2

Es ist das erste Mal, dass Epic Games nicht an der Entwicklung von Gears of War beteiligt ist. Das Studio hat die Serie an Microsoft verkauft. Ob der neue Entwickler etwas von seiner Arbeit versteht? Wir waren im London, um dort den Multiplayer von Gears of War 4 anzuspielen.

Gears of War 4 - Mehrspieler-Vorschau.
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Pünktlich zum zehnten Geburtstag gibt es den Neustart für Gears of War, nachdem die Serie erst vor gut zwei Jahren von Epic Games an Microsoft verkauft wurde. Diesen Begriff nehmen die neuen Eigentümer jedoch selbst gar nicht in den Mund. Ich habe sogar eher das Gefühl, dass nach außen ein möglichst reibungsloser Übergang vermittelt werden soll. Gears of War 4 macht da weiter, wo Gears of War 3 aufgehört hat. Damit wird Gears of War: Judgment dezent ausgeblendet – wohl auch deswegen, weil es nicht sonderlich beliebt war.

Für das neue Projekt wurde Rod Fergusson an Bord geholt, der sich mit der Reihe bestens auskennt. Er hat sie in seiner Funktion als Produzent und Director maßgeblich mitgestaltet. Fergusson hat Epic Games wahrscheinlich auch deswegen verlassen, weil es für ihn nicht mehr in die Richtung ging, die er sich gewünscht hatte. Ein Indiz dafür ist, dass er das Studio im Sommer 2012 kurz nach der Ankündigung von Gears of War: Jugdment verlassen hat. Er wirkte also an der Entstehung des letzten Spiels mit, vollendete seine Arbeit aber nicht.

Zwischen Identität und Innovation

Die Beschreibung des Neustarts ist tatsächlich passend im Bezug auf die Pläne für Gears of War 4. Fergusson, der nun auch Studio-Chef ist, will hinsichtlich des Stils zurück zu Gears of War 3. Für das Spiel als solches aber gehen die Pläne viel weiter. Es geht nicht darum, anderen Spielen nachzueifern, erzählt der Gears-of-War-Veteran. Mit dem kommenden Spiel, das sagt er sinngemäß, will man wieder selbst Akzente setzen, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren.

Dass sich dieser Shooter etwas träger spielt, ist gewollt. Das aktive Laden der Waffe und die erhöhte Bewegungsfreiheit aus dem letzten Teil gibt es nicht mehr. In Gears of War 4 geht wieder um den Kampf aus nächster Nähe, um den Schusswechsel aus der Deckung heraus. Es geht um die richtige Strategie und um das Flankieren des Feindes. Und es geht um Waffen, die einen ganz eigenen Charakter haben und eine eigene Rolle spielen.

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Zu den neuen Spielmechaniken gehört das sogenannte „Yank and Shank“. Dabei handelt es sich um eine defensive Alternative des umstrittenen „Mantle Kicks“. Wir ziehen einen Gegner über eine Deckung hinweg auf unsere Seite und können ihn aus der geschützten Position mit dem Messer direkt erledigen. Es ist allerdings auch möglich, diese Technik zu kontern. Dazu kommt der „Vault Kick“, der eine flinkere Variante des „Mantle Kicks“ darstellt. Er lässt sich auch aus der Bewegung heraus durchführen und erhöht so das Tempo des Spiels.

Gears of War 4.

Ein Multiplayer für Anfänger

Besonders spannend ist der neue Ansatz für den Multiplayer. The Coalition will unterschiedliche Arten von Spielern ansprechen und jedem eine befriedigende Spielerfahrung bieten. Gears of War 4 soll demnach sowohl für Neulinge und Gelegenheitsspieler interessant sein, als auch für jene, die den harten Wettbewerb mit anderen lieben. Auch dem Thema E-Sport will sich das Team widmen und sowohl Spielern, Moderatoren und Zuschauern eine geeignete Plattform bieten.

Die Idee dahinter vergleicht Fergusson mit Basketball. Das sei auch ein Sport, mit dem alle Spaß haben, aber jeder hat andere Talente und einen anderen Antrieb. Das Spiel mit seinen Regeln ändert sich nicht, aber die Spieler. Und so spielt sich Basketball ganz unterschiedlich, trotz der gleichen Grundlage. Für das Matchmaking werden daher die Fähigkeiten herangezogen und auch die Zeit, die wir bereits mit dem Spiel verbracht haben. Und auch die speziellen Modi sollen den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden.

Dazu gehört, dass Anfängern ein sicherer Ort zum Spielen wichtig ist. Sie wollen nicht gegen andere antreten, weil sie sich ohnehin kaum Chancen ausrechnen. Im Koop gegen die Künstliche Intelligenz hingegen läuft es besser - auch weil hier das Level der Gegner selbst bestimmt werden kann. Hier können Spieler mit ähnlichen Fähigkeiten gemeinsam Spaß haben und der Wettkampf findet auf einer anderen Ebene statt. Die neue Künstliche Intelligenz wurde im Übrigen von Grund auf neu geschrieben und hat nun unterschiedliche Persönlichkeiten.

Ein Multiplayer für Profis

Ein weiterer neuer Modus ist Dodgeball. Wie der Name schon andeutet, ist diese Variante an das bekannte Brennball angelehnt. Werden wir vom Gegner ausgeschaltet, sitzen wir quasi auf der Ersatzbank und kehren erst ins Spiel zurück, wenn unser Team jemanden aus dem gegnerischen Team meuchelt. Ist ein Team komplett dezimiert, verliert es. Das sorgt für extrem viel Spannung und viele lustige Momente. Die Partien scheinen meiner Erfahrung nach eher kurz zu sein, aber können sich im Verlauf auch noch drehen.

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Für die Profis gibt es Escalation. In diesem Modus ist die richtige Strategie entscheidend. Es gibt keine Power-Waffen auf der Karte. Nach jedem Match können wir aber erneut entscheiden, welche Waffen mit ins Gefecht nehmen wollen. Es ist also wichtig, dass wir unsere Taktik entsprechend der Partie anpassen. The Coalition hat diese Variante so gestaltet, dass sie auch zum Zuschauen interessant ist, also potentiell auch für den E-Sport geeignet ist.

Gears of War war sowieso eines der ersten Spiele, die überhaupt für den E-Sport interessant waren. Und mit Gears of War 4 will The Coalition diese Leute zurückgewinnen und den Shooter fit machen für die neue Generation.

 Kostenlose Maps für ein Jahr

Zum Start des Spiels gibt es zehn Karten für den Mehrspielermodus - neun normale Karten und Gridlock. Jeden Monat kommen neue Karten dazu – eine komplett neue und ein überarbeiteter Klassiker. Nach einem Jahr gibt es also 24 weitere Karten. Alle Maps sind dabei kostenlos, werden aber in einer aktuellen Playlist rotieren. Fergusson erklärt, dass dadurch Neueinsteiger nicht verwirrt werden sollen. Unsere favorisierte Map können wir aber natürlich auch gegen echtes Geld kaufen, um sie mit Freunden auf dedizierten Servern zu spielen. Dafür muss sie auch wirklich nur ein Spieler aus der Runde besitzen.

In allen Modi verdienen wir außerdem eine spielinterne Währung, mit der wir Kisten kaufen können. Auf diese Weise kommen wir an neue Ausrüstung, an Charakter- und Waffen-Skins oder auch spezielle Bounty-Karten. Diese werden nach ihrem Einsatz verbraucht, aber verschaffen uns beispielsweise doppelt so viele Erfahrungspunkte, wenn wir eine Partie mit einem speziellen Charakter gewinnen. Es gibt drei verschiedene Arten von Kisten und vier verschiedene Stufen für die Seltenheit. Auch hier können wir echtes Geld investieren; das bleibt aber optional.

Eine Vision für das schwierige Erbe

Das Team von The Coalition ist sich bewusst, dass es erst beweisen muss, auch wirklich verstanden zu haben, was Gears of War ist. Doch vielleicht war genau dieser neue Blick auf die Serie nötig, um zu erkennen, was die wahren Stärken sind. Man hat erst genau geschaut, wirklich alles richtig zu machen, bevor es darum ging, Ding anders zu machen. Der Grund, warum man sich Gears of War 3 zum Vorbild genommen hat, hängt schlicht und einfach damit zusammen, dass die Steuerung dem Team am besten gefallen hat. Bis hier hat sich die Serie entwickelt, bevor mit Gears of War: Judgment eine ganz andere, umstrittene Richtung eingeschlagen wurde.

Und noch etwas wird sicherlich viele Fans der Reihe freuen. The Coalition ist sich sehr wohl bewusst, dass die Solo-Kampagne der wahrscheinlich populärste Aspekt der Reihe ist. Fergusson sagte dazu, dass Leute für die Kampagne kommen, aber dann für den Multiplayer bleiben. Sie ist einfach ein guter Einstieg. Und versprochen wird uns dafür zumindest eine fesselnde Geschichte.

Gears of War 4 - Tomorrow Trailer.

Doch besonders beim Multiplayer sahen die Entwickler das Potential, das Spiel für ein breites Publikum zugänglicher zu machen. Und damit ist nicht gemeint, dass dieser für alle gleicher wird, sondern das die individuellen Bedürfnisse der unterschiedlichen Arten von Spielern besser berücksichtigt werden.

The Coalition hat natürlich einen Vorteil. Gears of War: Judgment war nicht die Art von Spiel, das sich die Community gewünscht hat. Gears of War 4 versucht nun dort weiterzumachen, wo der dritte Teil aufgehört hat. Für Einsteiger und Profis gleichermaßen ansprechend zu sein, ist keine leichte Aufgabe. Aber es sieht ganz so aus, als könnte der Spagat in diesem Fall gelingen.

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