Bioshock Infinite war gestern. Wer auf Story-Mindfucks steht, kommt ab sofort nicht mehr um Get Even herum.

 

Get Even

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Get Even

Du hast nur wenig Zeit? Unten findest du eine Zusammenfassung!

Get Even - Launch Trailer.

Ein Kinosaal voller Journalisten in den Pinewood Studios London. Hier hat sich Entwickler The Farm 51 entschieden, die finale Version von Get Even zu präsentieren. Auf dem Gelände des Filmstudios, in dem nicht nur aktuelle Marvel-Hits, sondern auch James Bond und Star Wars entstanden sind. Von Beginn an ist klar: In Get Even dreht sich alles um die Story, um das Erzählen von Geschichten.

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Nicht bloß ein interaktiver Film

Was ist Get Even? Diese Frage habe ich bereits in meiner Vorschau im Februar versucht zu beantworten. Wirklich beantworten konnte ich die Frage damals nicht. Lediglich zu einem Zwischenergebnis kam ich: Get Even ist es wert, bis zum 26. Mai darauf zu warten. Aus dem 26. Mai ist inzwischen der 23. Juni geworden. Schuld daran war der Bombenanschlag in Manchester, bei dem 22 Menschen ums Leben kamen. Trotzdem habe ich Get Even jetzt durchgespielt und kann die Frage endlich beantworten. Aber darf ich das? Will ich das?

Die Präsentation in den Pinewood Studios beginnt mit einer Power-Point-Folie mit dem Titel „Einflüsse“. Statt jeder Menge Stichpunkte zeigt die Seite jedoch nur fünf Filmposter: Inception, Source Code, Saw, Memento und Old Boy. Wer bei Google „Mindfuck Film“ eingibt, sollte in kürzester Zeit wohl auf genau diese Titel stoßen. Und jetzt versucht Get Even genau das gleiche zu erreichen, nur eben interaktiv.

Get Even - Musik Trailer.

Anders als bei wohl jeder anderen Spiel-Vorstellung haben an diesem Abend jedoch nicht der Produzent oder der Autor das Wort. Diese dürfen im weiteren Verlauf natürlich auch noch die Bühne betreten, der umfangreichste Redeanteil ist jedoch dem Komponisten und Sound-Designer von Get Even gewidmet: Olivier Derivière. Genauso viel wert wie auf die Story wird auch auf den Sound und die Atmosphäre gelegt. Get Even ist kein bloßes Spiel, sondern ein Gesamtkunstwerk.

Story ist wichtiger als Gameplay

Das hat auch einen Grund, denn der Stil von Get Even lässt sich mit form follows function zusammenfassen. Die Funktion, das ist das atmosphärische Erzählen einer Geschichte — Beziehungsweise eines komplizierten Netzes aus Hinweisen, doppelten Böden und jeder Menge Verwirrung, denn was genau in Get Even passiert, erschließt sich erst in einigen Schlüsselsequenzen, durch welche aber alles zuvor erlebte schlagartig zum nachvollziehbaren und logischen Teil der Handlung wird.

Die Form, das ist das der Story untergeordnete Gameplay. Ob du schleichst oder schießt hat Auswirkungen auf die Handlung. Allerdings merkst du davon im ersten Moment nichts, sondern wirst erst später im Spiel feststellen, dass du unbewusst allerhand Entscheidungen getroffen hast. Die Level wechseln zwischen jeder Menge Genres, ob Stealth-Passagen, interaktive Zwischensequenzen oder Horror.

Get Even verabschiedet sich von Entwicklungskonventionen, die um bewährte Gameplay-Elemente wie Schießen, Schleichen und Erkunden ein zweckmäßiges Story-Gerüst errichten, sondern ordnet jedes Gameplay-Element dem großen Ganzen unter. Jeder Spielabschnitt ist ein Zahnrad in der Story von Get Even.

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Aber was für eine Story ist das? Warum habe ich bisher kein Wort über die Handlung von Get Even verloren? Weil ich möchte, dass du dem Geheimnis des Spiels selbst auf die Schliche kommst und unvoreingenommen eines der besten interaktiven Puzzle erlebst, das ich bisher spielen durfte.

GetEvenTemplate

Zusammenfassung und Fazit

Müsste Get Even nach konventionellen Maßstäben eines Videospiels bewertet werden, erhielte es wohl nur mittelmäßigen Wertungen, denn es passt in keine Schublade. Es ist weder Shooter, noch Horrorspiel, Walking-Simulator oder Adventure, enthält aber doch Elemente aus all jenen Genres. Wer von Get Even eine traditionelle Spielerfahrung aus aufeinander aufbauendem Gameplay erwartet, wird enttäuscht werden. In Get Even ist das Gameplay der Gesamterfahrung und der Story untergeordnet und hat in diesem Kontext doch stets einen logischen Nutzen. Get Even ist kein Spiel im klassischen Sinne, sondern ein digitales Kunstwerk, das die Grenzen des interaktiven Erzählens testet — Eine virtuelle Geschichte mit Gameplay-Elementen, die nicht in das gleiche Wertungskorsett wie konventionelle Videospiele gezwängt werden kann. Get Even ist kein gutes Spiel im traditionellen Sinne, aber ein perfekter Wegweiser in die Zukunft des interaktiven Mediums.

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