Ghost Recon Wildlands im Test: Taktik-Hit oder Einheitsbrei?

Alexander Gehlsdorf 3

In der Beta-Phase stieß Ghost Recon Wildlands noch auf gemischte Reaktionen in der Community. Seit letzter Woche steht das fertige Spiel im Laden. Leider konnten nicht alle Kritikpunkte korrigiert werden.

Ghost Recon Wildlands Launch Trailer.
Ubisoft bleibt seiner Formel treu und verlegt mit Ghost Recon Wildlands auch das Genre der Taktik-Shooter in eine offene Welt. Grundsätzlich eine spannende und originelle Idee, in der Praxis funktioniert die Fusion der beiden Genres aber nicht ohne Probleme. Das Spiel birgt jede Menge Potential, lässt am Ende des Tages aber den nötigen Feinschliff vermissen. Wildlands hätte Ubisofts Open-World-Formel aus dem trägen Winterschlaf erwecken können, verliert sich aber in altbekannten 0815-Features.

Aber, aber, aber – Bereits in der Einleitung ist dieses Wort dreimal gefallen. Das ist kein Zufall, schließlich verkörpert Ubisofts neuste Open-World-Erfahrung jede Menge Widersprüche. Jedem gelungenen Feature, jeder originellen Idee folgt eine Ernüchterung, ein Stachel im Fleisch der sorglosen Spielerfahrung. Ist Ghost Recon Wildlands am Ende aber trotzdem ein gutes Spiel?

Story und Spielwelt

Bolivien. Das mexikanische Kartell Santa Blanca hat sich den südamerikanischen Staat zu eigen gemacht. Politik und Justiz könnten der Macht des Drogenbarons El Sueno nichts entgegensetzen und müssen mit ansehen, wie ihr Land zum größten Kokainproduzenten der Welt wird. Aus diesem Grund schickt die CIA ein vierköpfiges Team aus Spezialeinheiten — die Ghosts — um die Struktur des Kartells Stück für Stück auseinanderzunehmen.

Ghost Recon Wildlands - Tipps für Dein Bolivien-Abenteuer

Ubisoft hat ein Gespür für unverbrauchte Szenarien, soviel Zeit muss sein. Nach den historischen Ausflügen im Rahmen der Assassin’s-Creed-Reihe, der gelungenen Silicon-Valley-Satire in Watch Dogs 2 und den exotischen Welten der Far-Cry-Serie nun also ein südamerikanischer Staat der Gegenwart. Das gab es in dieser Form noch nicht — schon gar nicht mit dieser Grafik. Das virtuelle Bolivien ist eine wahre Augenweide, bietet gleich elf verschiedene Ökosysteme und eine der größten, offenen Spielwelten aller Zeiten. Mehr als 40 Quadratkilometer misst der Taktik-Sandkasten und ist obendrein ab der ersten Minute frei begehbar.

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Aber:

Eine riesige Welt muss auch Inhalte bieten. Sicher, Missionen gibt es jede Menge, neben den obligatorischen Sammelobjekten gibt es jedoch keinen Grund, die Karte auf eigene Faust zu erkunden. Alles, was Du in Wildlands tun kannst, ist von vornherein auf der Mini-Map markiert. Die zahlreichen NPCs latschen ziellos am Straßenrand entlang, drehen endlose Runden in ihren Autos und dienen in erster Linie dazu, die Mission scheitern zu lassen, falls zu viele von ihnen in das Kreuzfeuer einer Mission geraten. Auch die bildhübsche Spielwelt hat es schwer zu überzeugen, wenn auch Bugs und Grafikfehler ein Stück der beworbenen Freiheit genießen wollen. So war ich während des Tests mehrmals(!) auf eintönigem Texturbrei statt auf hochaufgelösten Straßen unterwegs.

Wildlands Grafik

Die Story dient als zweckmäßiges Gerüst für die freie Missionsauswahl. Du schaltest einen bösen Buben nach dem anderen aus, deren Hintergründe und Funktionen in optionalen Videobotschaften rudimentär zusammengefasst werden. Eine wirkliche Geschichte erzählt das Spiel kaum. Das ist vielleicht auch besser so, schließlich lässt bereits das Grundkonzept auf wenig Sensibilität seitens der Autoren schließen: Ein bedürftiger Südamerikanischer Staat in den fiesen Klauen mexikanischer Drogenbarone auf der einen Seite – Eine Handvoll amerikanischer Elitekrieger, die dem Volk Patrone für Patrone die Freiheit zurückbringen auf der anderen. Das passt wunderbar ins verdrehte, Trump’sche Weltbild. Dass die bolivianische Regierung sich offiziell bei der französischen Botschaft beschwert hat, verwundet an dieser Stelle nicht. Dazu kommen die lokalen Rebellen, die den Ghosts tatkräftig zur Seite stehen und dabei Parolen über das Agrar-Proletariat schwingen. Dass die USA seit den sechziger Jahren systematisch gegen sozialistische Regierungsversuche in Bolivien vorgehen und dort unter anderem Che Guevara hinrichten ließen, haben die Herren Rebellen offenbar vergessen.

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