God Eater 3 im Test: Und wieder geht es repetitiv auf Aragami-Jagd

Franziska Behner

Und es geht in die dritte Runde: Mit God Eater 3 schlüpfen wir wieder in die Rolle eines Aragami jagenden Helden, um die Menschheit vor der völligen Ausrottung zu bewahren. Am Erfolgsmodell des Franchise hat sich dabei nur wenig verändert. Reicht das aus, um die Fans der Reihe am Ball zu halten?

Nach dem großen Erfolg von Monster Hunter World, könntest du jetzt denken, dass auch God Eater 3 hierzulande einschlägt wie eine Bombe. Ebenso wie sein Genrekollege hat das Game in Japan bzw. ganz Asien bereits mit seinen Vorgängern viele Fans gemacht. 2018 war das Jahr des Monster Hunters in Deutschland, diesen Weg versuchen die God Eater natürlich jetzt zu folgen. Im Grunde auch keine schlechte Idee, denn sie beide folgen spielerisch einem ähnlichen Muster.

Worum geht’s eigentlich in God Eater 3?

Die Welt wird belagert von Orakelzellen, die üblicherweise als „Aragami“ bezeichnet werden. Sie drohen, die Menschheit völlig auszulöschen und treten in Form von verschiedenen Monstern auf. Die Figuren haben es bereits mit Schwertern, Militär und allem, was irgendwie Waffenfähig war, versucht. Gebracht hat es alles nichts, also musste eine neue Macht her. Aus noch lebenden Orakelzellen erschufen sie God Arcs, die in den Händen von einer Hand voll Menschen zu lebenden Waffen werden.

Hier die Story von Teil 3 in bewegten Bildern.

God Eater 3 - Story Trailer.

Von den gefeierten Helden zum Gefangenen in nur einem Teil

Wer die Vorgänger, oder auch nur einen Teil aus der Reihe gespielt hat, wird sicherlich zu Beginn des Spiels ein wenig überrascht sein. Bisher warst du immer ein Kämpfer des Militärs, um die Menschheit vor den Aragami zu beschützen. Du wurdest ausgebildet und hast dich letztlich auf jeden einzelnen verlassen, denn die Bevölkerung der Welt befand sich bereits am Abgrund.

Entsprechend gefeiert wurdest du als Held damals natürlich auch. God Eater 3 hingegen beginnt schon fast gegenteilig. Nicht wie ein Auserkorener, sondern wie ein Gefangener wird mein Charakter auf einen Stuhl geschnallt und bekommt die übermäßig großen Armreifen und damit verbundenen Kräfte umgeschnallt. Wie durch Zauberhand ist es natürlich meine Figur, welche diese Prozedur besonders gut übersteht und direkt zu Beginn über eine ganze Menge Kräfte verfügt.

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Erstelle deinen eigenen Charakter

Apropos eigener Charakter: Am Anfang eines jeden God Eater-Teils kannst du dir deine Figur selbst erstellen. Das Geschlecht, der Name und viele äußere Merkmale lassen sich anpassen. Im Laufe des Spiels kannst du sogar Items freischalten, um den Look deiner Träume zu kreieren. Typisch japanisch lässt sich auch die Stimme variieren. Hören kannst du sie aber nur im Kampf, wenn dein Charakter keuchend auf den Boden fällt oder einen Angriff deklariert.

Obwohl es animierte Sequenzen gibt, die durchaus besser vertont sind als sein Vorgänger, bleibt dein Charakter stumm. Maximal ein Nicken lässt sich beobachten, wenn er oder sie nicht gerade einfach nur geradeaus starrt. Ich weiß, dass durch die Stimmenvielfalt ein Voice-Over sehr aufwendig wäre und vielleicht sogar das Budget sprengen könnte, aber wenigstens die Zwischensequenzen hätten davon wirklich profitiert.

Wenn die Kamera auf den eigenen (in meinem Fall übrigens ziemlich hübschen) Charakter schwingt und dieser einfach nur drei Sekunden stumm in die Kamera glupscht, hat das schon fast ein bisschen was von Slapstick-Humor. In der übrigen Spielzeit finde ich es völlig in Ordnung, zumal die Textschreiber dieses Element immer wieder gekonnt in Unterhaltungen einfließen lassen.

Wo sind meine Suite und meine Komplimente?

Ich bin also ein besonders talentierter God Eater geworden. Wie gewohnt habe ich mich nun auf Lobeshymnen gefreut, doch stattdessen fand ich mich ziemlich schnell in einer Zelle mit einigen Mitkämpfern wieder. Was ist denn jetzt los? Wo sind meine Suite, meine Komplimente oder wenigstens ein Fenster? Schnell stellt sich heraus, dass wir noch immer Aragami bekämpfen sollen, abseits des Schlachtfeldes aber permanent mit Handschellen gefesselt sind. Beginnt eine Operation, lässt der Gefängniswärter einen wenigstens mal raus in die Welt.

Typisch für diese Art Spielereihe wählst du deine Mission an einem Terminal aus und wirst in das Missionsgebiet gebracht. Dort stehst du auf begrenztem Raum deinem Gegner entgegen. Ist er erledigt, bleiben nur wenige Sekunden zum Looten, bis die Mission vorbei ist und du dich wieder in deiner Zelle befindest. Aus der kommst du im Verlauf des Spiels zwar raus, aber zu viel möchte ich an dieser Stelle nicht von der Story spoilern.

Übrigens: Im Gegensatz zu den Vorgängern wird nun via Sprechblase angezeigt, welcher der Kompagnons etwas Wichtiges zu sagen hat, bevor die nächste Mission beginnen kann. Bisher mussten immer alle Charaktere angesprochen werden. Nun entscheide ich selbst, ob ich das Gekeuche des kranken Jungen hören möchte oder es ignoriere, bis es wirklich wichtig wird.

Skills und Tastenkombinationen führen zum Sieg

Bisher habe ich dir noch gar nicht verraten, WIE die Aragami überhaupt bekämpft werden. Und das, obwohl es einen riesigen Teil des Spiels ausmacht. Wie du bereits weißt, kannst du an einem Terminal eine Mission auswählen. Dabei gibt es unterschiedliche Gebiete zu bereisen und neben der Hauptstory einige Nebenquests zu erledigen. Schnell noch auswählen, welches Team dich begleiten soll und im Menü anpassen, nach welcher Waffe dir heute ist. Neben speziellen Skills können nämlich auch eine ganze Reihe an Klingen ausgewählt werden. Ganz neu sind dabei die Ammit-Zwillinge, die sich besonders schnell spielen.

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God Eater 3 wurde erstmals nicht für einen Handheld entwickelt, sondern für eine Heimkonsole. Das merke ich vor allem an den schnellen und dynamischen Kämpfen, die sich wirklich flüssig spielen. Hast du einmal den Wechsel zwischen dem Anvisieren mit der Schusswaffe und den Schlägen raus, läuft es eigentlich rund. Patronen für die Wumme kaufen, musst du dabei nicht, denn die Geschosse laden sich automatisch durch das Nutzen der God Eater-Waffe auf. Also immer schön wechseln zwischen Nah- und Fernkampf! Wer noch nie mit dem Genre zutun hatte, wird vor allem bei den Endgegnern aber ein paar Anläufe brauchen. Die sind nämlich durchaus knifflig und springen kreuz und quer durch die Gegend.

Wahre „God Eater“

Eine Spezialfähigkeit der God Eater ist verstörend und effektiv zugleich: Aragami werden per Knopfdruck einfach von der lebenden Waffe eines God Eaters verschlungen, um so dessen Materialien zu bergen. Traust du dich während des Kampfes nah heran und nutzt die Futter-Attacke, füllt sich deine Burst-Leiste, die es bereits im zweiten Teil gab. Jetzt wird sie noch einmal tiefer erläutert und deutlich mehr genutzt, denn mit einer vollen Ladung Burst gehen dir einige Dinge deutlich leichter von der Hand. Außerdem können spezielle Attacken und Skills nur im Burst-Mode ausgeführt werden.

Und obwohl das alles schon umfangreich genug für Kämpfe wäre, darfst du dich noch mit einer Art Partner-System beschäftigen, was genau genommen nur Vorteile bringt. Bist du ein Teamplayer und kämpfst Seite an Seite mit deinen Mitstreitern, füllt sich ein kleiner Kreis über ihrem Kopf. Quasi eine Art Verbundenheit, die nicht weiter wächst, wenn du Abstand von ihnen nimmst und aus der Ferne zielst. Ist die Leiste voll, gibt’s einen extra Kameraden-Bonus und die Angriffe haben gleich eine ganze Ecke mehr Power. Praktisch!

Charaktere yeay, Arenen eher ney

Während die Charaktermodelle im Anime-Look alle ziemlich schick aussehen und auch die Aragami toll ausgearbeitet sind, kann man das über die Stages nur teilweise sagen. Versteh‘ mich nicht falsch, mittlerweile hat sich da einiges getan! Die Schauplätze der Kämpfe sind nun deutlich detaillierter und verfügen sogar über Gebäude und kleinere Ebenen. Ich habe aber permanent das Gefühl, vor einem Wallpaper herum zu laufen und nicht so richtig einzutauchen. Natürlich – der Menschheit geht es schlecht, sie ist kurz vor der Ausrottung durch die Aragami. Sicher finden wir uns also nicht auf einem belebten Marktplatz wieder, aber die Arenen machen auf Dauer ein wenig depressiv und langweilen mich.

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Mein Test-Fazit zu God Eater 3

Im Gegensatz zum Genre-Vertreter aus dem letzten Jahr ist God Eater 3 schon fast ein bisschen eintönig. Einen immer gleichen Ablauf und stummen Helden muss man wirklich mögen. Ein Monster Hunter World schaffte da mit kleinen Sammelaufgaben und versteckten Wegen hingegen echte Abwechslung. Das fehlt mir ein wenig. God Eater (3) hingegen schickt dich vom (fast) immer gleichen Terminal zum Missionsgebiet, lässt mich kurz den Aragami verdreschen und schwupps geht’s zurück zum Ausgangspunkt. Alles irgendwie ein bisschen grau und eintönig. Da muss man wirklich auf die Story achten, um am Ball zu bleiben. Die ist dafür aber wie immer ziemlich spannend und detailliert!

God Eater-Franchise ist viel – aber kein Button-Mashing-Spiel. Wer so gar nichts mit Kombos und einem kleinteiligen Menü anfangen kann, sowie sich nicht mit Gegnerschwächen und Kampfrhythmus beschäftigen will, wird hier nur wenig Spaß haben. Andererseits kann man Stunden mit dem Stylen des Charakters verbringen und versuchen, die für sich beste Waffe zu finden. Auswahl gibt es auf jeden Fall genug. Einmal ins Kampfsystem reingefuchst, macht das auch wirklich Spaß und bringt durch erweiterte Fähigkeiten und den Burst-Modus frischen Schwung. Da immer Pausen zwischen den einzelnen Missionen liegen, tun die Finger vom krampfhaften Drücken wenigstens nicht so stark weh.

Wird dir gefallen, wenn du die vorherigen Teile gespielt und kein Problem mit immer gleichen Abläufen hast.

Wird dir nicht gefallen, wenn du auf abwechslungsreiches Gameplay und High End-Grafik bestehst.

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