Grow Home Kurztest: Von Schafen und Pflanzen

Anne Wernicke

Grow Home ist anders. Simpel - sowohl im Design als auch erzählerisch. Liebenswert chaotisch und trotzdem fesselnd – zumindest für eine gewisse Zeit. Der Plattformer des achtköpfigen Entwicklerteams von Ubisoft Reflections hat es geschafft, mich zum Lachen zu bringen und gleichzeitig fragend zurückzulassen.

Das Spiel gilt als Überraschungserfolg. Zwei Wochen nach der Ankündigung war es bereits auf Steam und Uplay erhältlich – und die Leute lieben es. Steam User „ChronicSonic“ schreibt: „Das Spiel ist wirklich richtig simpel und bestimmt nichts für Jedermann, ABER es ist das Beste, was ich diese Jahr gespielt habe.“ „Jord Wylde“ meint: “Das Spiel ist sein Geld wert, ich hatte sehr viel Spaß.“ Zudem zeigen sich Fachpresse und  große Videokanäle ebenfalls begeistert. Mich hat der Erfolg neugierig gemacht und so habe ich mich des Spiels angenommen, um die Magie dahinter zu verstehen – oder auch nicht.

Unser Video-Test zu Grow Home!

Dem Himmel entgegen

Minimalismus wird in Grow Home großgeschrieben. So besteht das einzige Ziel des Spiels darin, eine gigantische Weltraumpflanze eines fremden Planeten mit Energie zu versorgen, und sie somit zum Wachsen zu bringen. Eure Spielfigur BUD (Botanical Utility Drone) hat den Auftrag, die Samen der Pflanze zu ernten, diese zum Mutterschiff zurückzubringen und auf die Erde zu teleportieren. Mutterseelenallein steht ihr nun am Strand dieses geheimnisvollen Planeten und macht eure ersten Schritte.

Bilderstrecke starten
15 Bilder
13 Geheimtipps von bekannten Entwicklern und Publishern.

Ein Weltraumgärtner lernt das Laufen

Leicht orientierungslos stapft ihr durch den Sand. Das liegt nicht nur an eurem niedrigen Energielevel, sondern vor allem an der rudimentären Steuerung. Wie ein betrunkener Roboter schwankt  und wankt ihr zunächst orientierungslos umher. Auch das Klettern gestaltet sich anfangs recht schwierig. Gestört hat mich das nicht, im Gegenteil. Ich habe das als Stilmittel wahrgenommen, das wundervoll mit der kantigen Polygonlandschaft harmoniert.

Um euch zu stärken und neue Fähigkeiten zu erlernen, sammelt ihr schimmernde Kristalle auf, die in alle Richtungen verstreut sind. So beginnt ein Kreislauf aus Energiebeschaffung und klettern. Für den Fall, dass ihr den Halt verliert, spannt sich per Knopfdruck entweder ein Blatt oder eine Blume auf, die ihr zuvor geistesgegenwärtig eingesammelt habt. Teleportstationen dienen darüber hinaus nicht nur als Speicherpunkt, sondern vor allem auch als Schnellreiseportal, um zwischen den verschiedenen Plattformen hin und her zu springen.

Ein bisschen Spaß muss sein

So weit, so unspektakulär. Natürlich gefallen mir der verspielte Look und die Atmosphäre, ehrlich gesagt reicht mir das in Verbindung mit ein bisschen Klettern und Gärtnern nicht aus. Ein Glück, dass die Evolution die Neugier erfunden hat. Welchen Zweck haben eigentlich diese drolligen Tiere? Was kann man mit ihnen anstellen? Und so kam es, dass Schafe und Vögel reihenweise von der Klippe flogen, ins Wasser geschmissen oder teleportiert wurden. Was passiert, wenn ich von ganz oben runterspringe und ungebremst gen Boden rausche? Grow Home verwandelte sich von einer Gärtnerei in einen virtuellen Spielplatz.

Grow Home - Fazit:

Ich muss sagen, dass ich den Reiz des Spiels verstanden habe. Ich habe die Einsamkeit und die wundervolle Szenerie genossen - ich habe rumexperimentiert und virtuelle Tiere gequält. Ubisoft hat mal wieder bewiesen, dass sie zu mehr in der Lage sind, als Triple-A-Titeln die hundertste Fortsetzung zu verpassen – wenn sie denn wollen. Dennoch denke ich, dass der kleine Hype um den Titel nicht ganz gerechtfertigt ist. Grow Home ist nett, simpel und sieht schick aus. Das Gameplay ist jedoch zu eintönig, die Macken der Kamera nerven und irgendwann habe ich dann auch genug Schafen nach dem Leben getrachtet.

Mit 7,99€ bezahlt ihr einen fairen Preis für einige Stunden Klettern und Albernheiten. Persönlich muss ich allerdings sagen, dass ich wenig Motivation habe, erneut in die Welt von Grow Home einzutauchen.

Grow Home
Preis: 7,99 €

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

  • Cadence of Hyrule ist Takt und Taktik mit Zelda

    Cadence of Hyrule ist Takt und Taktik mit Zelda

    Zelda trifft auf Rhythmus-Spiel und das Ergebnis überzeugt nicht nur, es lässt Kritiker und Spieler gleichermaßen Lobgesänge anstimmen. In die fällt GIGA GAMES-Redakteur Daniel nun ebenfalls ein.
    Daniel Kirschey
  • Liebes The Sinking City, ich h̶̶a̶̶s̶̶s̶̶e liebe dich

    Liebes The Sinking City, ich h̶̶a̶̶s̶̶s̶̶e liebe dich

    Wirst du mich in meinen Träumen verfolgen, die verdammte untergegangene Stadt? Ich würde ja nicht einmal wissen, ob es Albträume oder hübsche Träume wären. Vielleicht würde ich nie wieder aus Sinking City aufwachen, das schlechteste gute Spiel, das ich dieses Jahr spielen durfte.
    Marina Hänsel
* Werbung