Grand Theft Auto IV

Robin Nosterafu

Zu GTA 4 habe ich ein sehr gespaltenes Verhältnis. 
Der langersehnte direkte Nachfolger meines Lieblingsspiels – und das für die Next-Gen Konsolen.
 Was war ich gehyped. Als ich endlich mit Vorbestellerbonus geharnischt Hand an das gute Stück legen durfte, war ich der Ejakulation nahe.
 Obwohl die Grand Theft Auto-Reihe bisher nie für besonders schöne oder realitätsnahe Grafik bekannt war, gab es hier plötzlich den optischen Overkill.

Bei Nacht an den Docks mit staubiger Karosse und vernebelten Scheinwerfern in das neue Liberty City loszufahren war ein Atmosphäre-Schock für mich, da das unzählige Ebenen über dem comicartigen San Andreas lag. Ich erinnere mich wie ich anfangs mehrere Minuten das Wasser dabei beobachtete, wie es in Wellen gegen die Uferwand plätscherte.
Doch je mehr Zeit ich in dieser Welt verbrachte, desto mehr stumpfte diese Faszination ab.
 Es fing damit an, dass mir auffiel, dass ich bereits zweimal zuvor in einem digitalisierten New York (True Crime New York City & Driver Parallel Lines) unterwegs war. Es war gleich, aber trotzdem anders. Somit stellte sich kein vertrautes Gefühl oder Nostalgie, sondern eher Langeweile beim Erkunden der Welt ein. Aber das ist ein individuelles Problem. 
Nicht ganz so speziell ist der Fakt, dass die Welt optisch und spielerisch, trotz voneinander getrennten Inseln, kaum Abwechslung bietet. 
Von San Andreas, einem kompletten Staat mit drei verschiedenen Großstädten, Feldern, Dörfern, Seen, Wäldern und Wüsten in eine sterile, graue Metropole geworfen zu werden, hatte geradezu etwas Frustrierendes.
 Die mangelnde optische Abwechslung erhielt sogar im Gameplay Einzug.

GTA-4-1

Die zahlreichen Nebenbeschäftigungen, die San Andreas so groß machten, sind hier stark zurückgeschraubt worden. 
Kein Fahrrad, kein Fallschirm, kein Tunen, keine Flugzeuge, kein Quad, viel weniger Anpassungsmöglichkeiten, Nebenmissionen, Minispiele und subtilerer Humor. 
Stattdessen ein Handy…mit permanenten nervigen Telefonanrufen von Freunden. 
Außerdem konnte ich mich nie 100%ig mit Hauptfigur Nico Bellic anfreunden. 
Je länger ich GTA IV spielte, desto klarer wurde mir das.
 Aufgrund meines extrem positiven Ersteindrucks war die Fallhöhe jetzt natürlich umso größer.
 So klapperte ich ab diesem Punkt nur noch eine Hauptmission nach der Anderen ab. 
Die Story ist zum Glück sehr gut - zwar sehr düster für GTA Verhältnisse, aber unglaublich gut inszeniert, erzählt und mit genialen Charakteren und Dialogen gespickt. 
Nachdem ich aber die Geschichte beendet hatte, blieb mir als Nebenbeschäftigung neben dem Online-Modus nur das Spiel mit der Engine. 
Technisch ist das Spiel nämlich über jeden Zweifel erhaben. 
Auch das Schadensmodell ist sehr realistisch, es macht richtig Spaß Unfälle zu bauen und die Fahrzeuge lassen sich alle unterschiedlich, aber gleich angenehm steuern.
 Die Grafik sieht auch heute noch sehr gut und das Spielen mit der Rag-Doll-Physik ist spaßig makaber. Allerdings spricht es nicht unbedingt für das Spiel, wenn das, was am meisten Spaß macht, sich vor Autos zu werfen ist. 
Zum Glück konnten die Erweiterungen „The Lost And Damned“ und „The Ballad Of Gay Tony“ das Ruder noch einmal etwas rumreißen. Viele Elemente, wie Fallschirmspringen, die vorher entfernt wurden, kamen jetzt wieder. Außerdem gab es endlich mehr zu tun und obendrein noch einmal zwei eigenständige Storylines.
 Wer also das Spiel noch nachholen will, sollte unbedingt zur kompletten Version greifen.

Achja, der Mangel an (unterhaltsamen) Cheats ist auch verheerend.

Motivationsfaktor: 6 ( Mit DLCs : 7 )

Es wird abgedreht und abgespaced.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung