Die (offene) Welt der GTA-Klone



Robin Nosterafu

Es kommt mit einem, im Genre noch unverbrauchtem, asiatischem Setting (Hong Kong) daher
 und hat auch sonst mit seinen Ahnen überraschend wenig gemein.
Wenn ich allerdings beim Spielen „True Crime“ Anleihen bemerke, machen sie mir hier allesamt weniger Spaß als im Vorgänger. Genau und objektiv erklären kann ich das schwer, scheint einfach eine Geschmacksache zu sein. Mir fehlt es, nicht immer und überall in Zeitlupe durch die Schusswechsel hechten zu können, sondern auf bestimmte Begebenheiten in der Spielwelt (Deckungen, Fahrzeuge, …) angewiesen zu sein, um diesen Spaßgarant nutzen zu können.
 Dazu sei gesagt, dass ich bei weitem nicht so übersättigt von Bullet Time bin, wie manch anderer.

Sleeping-Dogs-1

Beim Nahkampf, welcher eine (zu) große Rolle spielt, verhält es sich ähnlich.
Auch hier kann man verschiedene Moves freischalten, die „Skill Trees“ sind hierbei aber nur mehrere Baumstämme. Die zusätzliche Kontermechanik kann mich nicht darüber hinweg trösten, dass man Gegner nicht mehr in einen „Taumelzustand“ versetzen kann und dann schnell eine Tastenkombination für den bevorzugten Finisher einzugeben. Kurz gesagt – auch das Kämpfen hat mir in Los Angeles‘ Straßen mehr Freude bereitet. Geschmackssache?
 Was hingegen richtig Laune macht ist das Parkourelement, welches bisher auch in keinem anderen Genrevertreter besser oder überhaupt Verwendung gefunden hat.
 Allerdings ist es mir persönlich, ähnlich wie in Assassin’s Creed, zu einfach und automatisiert.
 Punkten kann das Spiel für mich bei der Story, die das Innovations-Rad zwar nicht neu erfindet, aber sich zu inszenieren weiß und mit einigen heftigen Momenten auftrumpfen kann.
 Auch hier geht es, wie in den Vorgängern, wieder um einen Polizisten mit ungewöhnlichen Methoden.

Dieser wird undercover in die Triade eingeschleust um sie von innen heraus zu zerschlagen. Durch seine bewegte Vergangenheit und leicht labilen Zustand, bekommt die Story Abwechslung, ist aber sehr voraussehbar. 
Obwohl man also wieder Missionen für die Polizei erledigt, wurde hier auf zufällige Verbrechen verzichtet. Stattdessen gibt es hier und da Passanten an festen Punkten, die mit Nebenaufgaben aufwarten, welche eine spärlich inszenierte Mini-Story haben. Diese fühlen sich für mich (auch in anderen Spielen) immer wie „nichts Halbes und nichts Ganzes“ an, da sie nie organisch in die Welt passen. Darüber hinaus gibt es Straßenrennen, sammelbare Objekte und Fight Clubs als Nebenbeschäftigungen, die nach der Story noch etwas motivieren können.

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Wer auch in Vorbereitung auf die kommenden Spiele, andere nachholt, hat hier natürlich nicht mit dem Einlassen auf veraltete Grafik und Steuerung zu kämpfen. Das digitale Hong Kong ist (besonders bei Nacht) sehr atmosphärisch und schön anzusehen.
Wie man sieht, bin ich dem Spiel gegenüber insgesamt etwas negativer eingestellt, als die Meisten. Wie gesagt, finde ich alle Features von damals, die nach dem Studiowechsel übernommen wurden weniger spaßig umgesetzt, das ist allerdings sehr subjektiv. Wer die Vorgänger nicht kennt, wird dieses Problem nicht haben und sicher Spaß mit dem Spiel haben können – ein solider GTA-Klon ist es allemal.


Motivationsfaktor: 5



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