Die Idee für den folgenden Artikel habe ich einem YouTube-Kommentar entliehen. Ein Internetnutzer, der mit seinem sexuell konnotierten Usernamen offenbar ein überdurchschnittliches Standvermögen anzuzeigen gedachte, hatte sich unter einem Video mit einem anderen User angelegt. Meinungen wurden ausgetauscht, Schimpfwörter verteilt, Mütter beleidigt. Man kennt das. Jedenfalls, im Gesprächsverlauf kam schließlich die Frage auf, welches Medium denn nun eigentlich das bessere sei. Film oder Games. Eine Frage, die mir – das gebe ich hier ganz offen zu – niemals selbst in den Kopf gekommen wäre. Immerhin ist sie auch so unfassbar dämlich, dass sich kein vernunftbegabter Mensch länger als 0,02 Millisekunden mit ihr befassen würde. Doch sind es nicht eben diese Fragen, Fragen, die wir uns gerade nicht stellen, die uns die besten Antworten liefern? Ich sage JA! Stellen wir sie. Klären wir das endgültig: Welches Medium ist besser? Games oder Film? Weil!

 

GTA 5 - Grand Theft Auto V

Facts 
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Der Umsatz

Das Wichtigste natürlich zuerst: Geld. Wenn Film und Video Games in den Club kommen, dann fliegen zunächst die Scheine. Läuft bei beiden. Immerhin haben wir es mit zwei global einfahrenden Mega-Industrien zu tun. Doch wer fährt am Ende des Tages tatsächlich mehr Moneten ein?

Für eine Entscheidung darüber, welches Medium das eindeutig bessere ist, brauchen wir natürlich monetäre Informationen. Eine klare Antwort wird sich aber kaum finden lassen, denn auch wenn Gaming-Seiten beinahe täglich mit Verkaufszahlen jonglieren, gibt es verlässliche Angaben schlichtweg nicht. Natürlich veröffentlichen Games-Publisher im Rahmen von Aktionärsversammlungen oder wenn mal schönes Wetter ist ganz gerne ein paar offizielle Zahlen, doch das war´s dann auch schon. Der Großteil der Aussagen über verkaufte Exemplare und globale Umsätze ist reine Spekulation. Wie langweilig!

Und wenig zielführend für unser gewähltes Thema. Nehmen wir also stattdessen lieber irgendwelche komischen Statistiken und scheißen auf eine korrekte Quellenangabe. Die globale Spiele-Industrie wurde 2007 auf ca. 45 Milliarden Dollar geschätzt. Man erwartete damals ein Wachstum von etwa 9,1% auf 48,9 Milliarden Dollar im Jahr 2011 und 68 Milliarden im Jahr 2012. 2013 lag der Wert dann schon bei 75 Milliarden. Damit ist die Spiele-Industrie schon seit Jahren die am schnellsten wachsende Unterhaltungsbranche der Welt (,Bitches). Und die Film-Industrie? Die lag 2014 bei ca. 38 Milliarden und konnte zuletzt sogar kaum noch veritables Wachstum vorweisen. Süß.

Gewinner: Games

 

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Das Publikum

Wir alle haben die jüngsten Kontroversen und Debatten um den „Gamer“ verfolgt. Wenn das zurückliegende Jahr eines gezeigt hat, dann dass das spielende Publikum noch einen sehr langen Weg zur gesellschaftlichen Salonfähigkeit vor sich hat.

Wie sehen Gamer aus? Nun, Gamer sind eben auch Sexisten, Rassisten, YouTuber und minderjährige Messebesucher. Eine überaus heterogene Zielgruppe also, die zwar eine gewaltige Kaufkraft ins Kulturfeld führen kann, sich aber gerne mal daneben benimmt.

Cineasten hingegen machen sich auf jeder Party gut. Egal, ob man ein lockeres Grillfest plant oder sich im feinen 4-Sterne-Restaurant zum geselligen Beisammensein verabredet – der Cineast ist stets ein willkommener, weil angenehmer Gesprächspartner. Es lässt sich eben prima zwischen Sekt und H’Ordeuvres über „50 Shades of Grey“ oder die neue Staffel „Game of Thrones“ quatschen. Drängt sich der Gamer indes mit einem aufgeregten Exkurs über den Hunting Season Pass von „Evolve“ auf, wird es schnell mal unangenehm. Klarer Sieg für die bessere Gattung Mensch, die Cineasten.

Gewinner: Film

 

Star Power

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Ein ganz schweres Terrain für Games. Aber essentiell für unsere Frage. Das Filmgeschäft kann auf beinahe zwölf Jahrzehnte voller charismatischer Künstler und großer Leinwandgenies zurückgreifen, während man sich in der Spielkultur mit Peter Molyneux und Phil Fish streiten muss. Auf jeden Tim Schafer kommen dabei mindestens zehn Charlie Chaplins. Auf jeden Ken Levine zwanzig Orson Welles. Ich könnte ewig so weitermachen.

Und als wäre dieses bizarre Missverhältnis nicht schon demütigend für die Spielekultur genug, versuchen obendrein immer mehr Games, ihren kulturellen Wert durch die Star-Power des Filmgeschäfts zu steigern. Egal, ob Ellen Page sich für „Beyond“ ins Motion Capture-Kostüm wirft oder Christopher Walken und Dennis Hopper den Spielen ihre Stimme leihen, den meisten dieser Kooperationen haftet das Odeur der Herablassung an. Hollywood-Stars sehen schlichtweg auf Video Games herab. Man spürt das einfach. Diese Schlacht ist verloren, bevor sie überhaupt begonnen hat. Video Games, ihr müsst unbedingt an eurem Glamour arbeiten. Verloren!

Gewinner: Film

 

Der Umfang (Cent/Min)

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Eine besonders wichtige Kategorie. Ihre Aussagekraft kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Wie lange werden wir genau unterhalten? Und noch viel wichtiger: Was mussten wir am Ende dafür bezahlen? Kosten-Nutzen-Rechnungen sind in unserer kapitalistischen Gesellschaftsordnung bekanntlich von grundlegender Bedeutung. Alles hat seinen Wert. Da macht es doch wohl auch Sinn, die Logik des Ökonomischen auf die Sphäre der Kunst anzuwenden. Oder etwa nicht? Keine Sonderbehandlung!

Also, wie viel Kunst bekomme ich da für mein Geld? Nehmen wir zuerst das Medium Film. Durchschnittlich dauert ein Film etwa 120 Minuten. Mal mehr, mal weniger. Bei einem Ticketpreis von ca. 14 Euro macht das stattliche 11 Cent pro Minute Film. Natürlich gibt es auch immer wieder besonders gute Filme mit einer Länge von über drei Stunden. Doch die sind leider nach wie vor die Ausnahme. Nehmen wir also besagte 11 Cent/Minute als groben Richtwert.

Betrachten wir hingegen die Spielzeit, so zeigt sich schnell, dass ein Spiel ungefähr 10 Stunden lang sein muss, um auf den oben errechneten Wert von 11 Cent pro Minute zu kommen. Ein zeitlicher Umfang, welchen die meisten Spiele heutzutage tatsächlich auch erreichen. Der überwiegende Teil der veröffentlichten Spiele liegt sogar deutlich über dem genannten Umfang von 10 Stunden Gesamtspielzeit. Ein Spiel wie „Word of Tanks“ kann man prinzipiell unendlich lang spielen, was seinen kulturellen Wert folgerichtig enorm steigert. Überhaupt stellen Spiele mit einer starken Multiplayer-Komponente, wie zuletzt etwa „Destiny“ oder „Call of Duty: Advanced Warfare“, ein klar überlegendes Kosten-Nutzen-Verhältnis dar. Insgesamt geht dieser Punkt somit klar an die Games. Hier bekommt man einfach mehr für sein Geld.

Gewinner: Games

Die allgemeine Konsumierbarkeit

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Was lässt sich besser konsumieren? Filme und Games? Keine leichte Entscheidung da hier Körperhaltung, Anzahl der möglichen Nebenbeschäftigungen, etwaige Kommunikationsoptionen und natürlich Gesundheit als zentrale Aspekte in die Wertung einfließen müssen.

Und los geht´s. In Bezug auf die Körperhaltung liegen Filme eine Nasenspitze vorn. So lassen sich TV-Serien und Filme mittlerweile via Tablets und Smartphones an fast jedem Ort konsumieren. Eine Folge „Better Call Saul“ in der Badewanne ist also absolut möglich. Spieler benötigen hingegen immer ein Eingabegerät was in vielen Situationen zum Ausschlusskriterium wird. Ähnlich sieht es auch im Bereich der Nebenbeschäftigungen aus. Das Medium Kino hat uns nicht ohne Grund überdimensionierte Popcorn-Becher und überteuerte Softdrinks beschert. Essen, Trinken, Fummeln, Lesen, Telefonieren – beim Filmkonsum geht einiges nebenbei. Der gemeine Gamer braucht indes mindesten eine Hand für den Konsum eines Spiels und ist damit klar im Nachteil.

Anders sieht es hingegen bei der Kommunikation aus. Voice-Chat ist integraler Bestandteil zahlreicher Games. Spieler reden gern und viel während sie konsumieren. Oder sie versenden ihren Konsum kurzerhand via Twitch & Co. Im Kino sollte man hingegen besser die Klappe halten. Gleiches gilt auf dem Sofa, da nicht wenige Menschen eine angeborene Abneigung gegenüber Zwischenquatschern haben. Klarer Punkt für die Spielekultur also. Womit wir beim vierten und letzten Aspekt der allgemeinen Konsumierbarkeit von Filmen und Spielen wären. Die Gesundheit. Hier stehen Spiele wegen Suchterkrankungen eindeutig schlechter dar. Damit ist das Ergebnis errechnet. Filme haben allgemein eine bessere Konsumierbarkeit als Games.

Gewinner: Film

Der Spaß an sich

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Spiele machen natürlich mehr Spaß als Filme. Was soll die Frage?

Gewinner: Games

 

Die reine Menge

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Noch einmal Zählbares. Wer darüber entscheiden will, welches Medium das bessere ist, der muss natürlich auch berücksichtigen, welche Kultursphäre insgesamt mehr Produkte ins Rennen schickt. Quantität ist eben auch eine relevante Qualität. Der Boom der Games-Industrie dürfte nicht zuletzt wegen des Free-2-Play-Marktes und der beeindruckenden Masse an Mobile-Titeln in den letzten Jahren einiges an Boden wettgemacht haben. Gegen mehr als 100 Jahre Filmgeschichte anzustinken, ist allerdings keine leichte Aufgabe. Und dabei wurde hier noch nicht einmal das Wort Porno-Industrie in den Mund genommen. Ohne Frage, es gibt eindeutig mehr Filme als es Games gibt, womit das Kino in diesem Fall das klar bessere Medium wäre.

Gewinner: Film

 

Die Technik

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Stop-Motion-Technik, stereoskopische Kamerasysteme, Frontprojektionen, Blue-Screen, Technicolor – auch der Film hatte immer wieder wegweisende Technik-Innovationen. An die rasante Entwicklung im Games-Bereich kommt er jedoch nicht heran. Konnte es im Laufe der Filmgeschichte schon mal ein Jahrzehnt dauern, bis Hollywood einen weiteren entscheidenden Schritt zu vermelden hatte, so kann man einer Grafik-Engine quasi in Echtzeit beim Sich-Entwickeln zusehen. Außerdem machen YouTube-Videos, in welchen technologische Meilensteine der digitalen Spielekultur historisch aneinander gereiht werden, einfach deutlich mehr Spaß. Ist so. Was soll man da somit groß hin und her überlegen? Technisch zieht das Kino klar den Kürzeren.

Gewinner: Games

 

Handlung und Story

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Welches Medium erzählt die besseren Geschichten? Auch hier fällt die Antwort sehr leicht. Wenngleich sich Spiele wie „The Walking Dead“, „The Last of Us“ oder auch „Gone Home“ in den letzten Jahren redlich bemüht haben, das Medium narrativ voranzubringen, tritt der Mainstream der digitalen Spielekultur hier immer noch auf der Stelle. Die besseren Geschichten finden nach wie vor auf der Leinwand statt. Ein Missverhältnis, das doppeltes Gewicht erhält, wenn man bedenkt, dass die Hinwendung zu den Konventionen des Kinos für viele Spielemacher derzeit das Maß aller Dinge ist.

Games kopieren den Film, um sich narrativ aufzuwerten. Ein Armutszeugnis. Erzählerische Eigenständigkeit sucht man vergebens. Die kalte Kopie als Ausdruck narrativer Willen- und Ideenlosigkeit. Das Kino zeigt uns dafür Jahr für Jahr, wie man es richtig macht. Egal, ob „Birdman“, „Boyhood“ oder „Transformers 4“ – in Hollywood weiß man einfach, wie man gute Geschichten erzählt. Klarer Punkt für das Kino also.

Gewinner: Film

 

Gesellschaftlicher Einfluss

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Gaming ist die Leitkultur der Jugend. Ein Blick aus dem Browserfenster genügt, um zu dieser Analyse zu gelangen. Der Siegeszug der digitalen Spielekultur hat die Jugend von heute fest im Griff. Sorgten früher vor allem Musik und Film für kulturelle Impulse, so übernehmen heute Games diese Aufgaben. Spielen ist Ausdruck der zeitgenössischen Adoleszenz. Die großen Vorbilder der Generation Games sind Let´s Player und Gaming-affine YouTuber. Wenn es um gesellschaftlichen Einfluss geht, so scheinen Spiele somit im Vorteil zu sein.

Sollte man meinen. Doch dank des demographischen Wandels und der neoliberalen Politik haben Jugendliche in diesem Land einen Scheißdreck zu sagen. Die Alten entscheiden. Und die gehen ins Kino. Ende. Punkt an Film.

 

Ergebnis

Film: 5 Punkte VS Games: 4

Das Gesamtergebnis zeigt eindeutig: Film ist ein besseres Medium als Games.

 

 

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