GTA Online: Habt ihr eigentlich Spaß?

Tobias Heidemann 5

Nach einem holprigen Start öffnete das Mehrspieler-Los Santos gestern dann doch mal seine Tore. GTA Online ist endlich spielbar. Erstmals konnten wir Rockstars riesige, offene Spielwelt gemeinsam mit Freunden und Feinden auseinandernehmen, unsere gepimpten Rides ins Rennen werfen, Deathmatches bestreiten und klassische Missionen mit bis zu fünfzehn anderen Gangstern absolvieren. Damit stellt sich heute auch zum ersten Mal die Frage: Was habt ihr erlebt und vor allem – macht GTA Online euch überhaupt Spaß? 

GTA Online: Habt ihr eigentlich Spaß?

Wenn hier im Folgenden über Lust und Frust gesprochen wird, dann sei fairerweise gleich mal erwähnt, dass sich GTA Online noch lange nicht im technischen Idealzustand befindet, denn bereinigt sind die Serverprobleme ganz und gar nicht. Lags, endlose Ladezeiten, Performanceeinbrüche, selbst komplette Abstürze, aus denen man sich nur mittels Neustart befreien kann, machen ein kontinuierliches Spielerlebnis derzeit zur absoluten Seltenheit. GTA Online, das sind aktuell eher Spielspaß-Häppchen.

GTA 5 Gameplay-Trailer.
Als besonders Appetit anregend habe ich dabei mein erstes Treffen mit dem geschätzten Kollegen Goik empfunden. Nachdem ich seiner Spiel-Session beigetreten war, standen wir uns kurze Zeit später wortlos gegenüber. Unser spontanes Treffen setzte sofort kriminelle Energien frei. Wenige Minuten danach standen wir bereits mit gezogener Waffe vor einem sichtbar eingeschüchterten Mini-Markt-Besitzer, während dieser gerade seine Tageseinahmen in einen Plastikbeutel steckte.

Nachdem die Beute eingesackt war, brachten wir die Fluchtwagenreifen zum Quietschen und die  Ordnungskräfte zur Weißglut. Ein wirklich tolles Gefühl, das für mich bisher am meisten zur Faszination von GTA Online beiträgt. Leider sollten diese Momente die besten in meinen ersten acht Stunden GTA Online bleiben.

Nach dem Raubzug entschieden wir uns, an einem klassischen Deathmatch teilzunehmen. Wenngleich die kurzweiligen Ballereien hin und wieder durchaus fesseln können; mehr als solider Standard darf von diesem Modus leider nicht erwartet werden. Insbesondere die desaströs gesetzten Spawn-Punkte, das schwindelerregende Balancing und das nicht immer gelungene Karten-Design zeigen, dass Rockstar trotz eingekaufter Multiplayer-Expertise im Shooter- Milieu lediglich Mittelmaß kann. Sehr viel besser funktionieren allerdings die 1-vs-1 Matches und Team-Deathmatches mit nur einem Leben pro Spieler. Hier werden wir zur absoluten Vorsicht angehalten, was die Verwendung von Schleich-Mechaniken unterstützt und etwas mehr Taktik und Spannung ins Spiel bringt.

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Deathmatch? Nur Mittelmaß!

Der Abstecher ins Bleihaltige sorgte übrigens dafür, dass Kollege Tom und ich voneinander getrennt wurden, sprich in unterschiedliche Sessions entlassen wurden. Trotz zahlreicher Versuche, war es uns im Folgenden nicht mehr möglich, der gleichen Session beizutreten. Mal war die Freundesliste schlichtweg gar nicht aufrufbar, mal blieben Verbindungsversuche über das Smartphone erfolglos.

Ich war also auf mich allein gestellt und Alleinsein kann in GTA Online schnell auf die Nerven gehen. In der neuen Session hatte fast jeder Spieler sein Mikrofon offen. Der Chips-Esser, der Original G aus Klasse Sechs, der Nebenbei -Ha-wie-lustig-Pornos-Gucker, das psychisch labile Brülläffchen und natürlich der Hardcore-Besserwisser – irgendwie hatten sich die klassischen Nervensägen allesamt in meiner Session eingefunden. Nachdem ich dann auch noch zweimal direkt hintereinander unvermittelt im Pausen-Menu auf offener Straße niedergeschossen wurde (der Passiv-Modus ist mir bekannt, aber zu umständlich) , festigte sich in mir langsam der Entschluss, GTA Online fortan lieber in privaten Sessions mit ausgewählten Freunden zu spielen.

Spaß stellte sich erst wieder ein, als ich mich auf die Verbesserung meines Charakters konzentrierte. Wer erst einmal beginnt, Reputation und Geld systematisch zu sammeln, der wird von einer seichten, aber durchaus spürbare Langzeitmotivation erfasst. Da man den Großteil der Items, Waffen und Ausrüstungsgegenstände für Charakter und Fahrzeug aber bereits aus dem Story-Modus kennt und da wir beim Level-Aufstieg wie in anderen Genres nicht mit neuen Fähigkeiten belohnt werden, hält sich die Lust aufs neue Level – zumindest in meinem Fall –  aber sehr in Grenzen.

Mein Haus, mein Heli, mein teurer Kram

Mein Haus, mein Heli, mein teurer Kram – GTA Online setzt mehr auf den Spaß am Angeben, Ausstatten und Aufschneiden.  Was im Übrigen vollkommen in Ordnung geht und den Fokus einfach mehr auf den Spaß im hier und jetzt legt.

Und davon  hatte ich trotz der vielen kleinen technischen, sozialen und spielerischen Rückschläge letztlich jede Menge. Zwar sind unter den etlichen Missionen auch viele, die man im direkten Vergleich mit dem genialen Missions-Design aus dem Story-Modus als eher uninspiriertes Füllwerk bezeichnen muss, alle Nase lang entfaltet die GTA ONLINE-Idee aber dann doch ihr volles Potential. Unvergessen zum Beispiel die Mission, in welcher ich – gemeinsam mit zwei Freunden – ein Päckchen Haschisch von einem Hippie stehlen musste, während zwei feindliche Spieler das Gleiche versuchten. Heraus kam dabei ein episches Off-Road-Katz-und-Mausspiel, in welchem das begehrte Päckchen sechs Mal den Besitzer wechselte und ich mich vor lauter Lachkrämpfen fast eingepullert hätte.

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