Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1 Test - Wie gut ist Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1 wirklich?

Tobias Heidemann

Die Spiele-Adaptionen der Harry Potter Filme waren bisher kaum mehr als gefällige Durchschnittswaren für die Fans. Dennoch gelang es den Entwicklern die Atmosphäre der Vorlage hin und wieder einzufangen.

Erreicht wurde dies vor allem durch ein hohes Maß an Erkundungsoptionen im virtuellen Hogwarts. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 gibt dieses Profil auf, um der reiferen und deutlich action-lastigere Filmvorlage gerecht zu werden. Eine radikale Änderung, die aus dem Spiel in weiten Teilen einen simplen Shooter mit Deckungssystem macht. Ob EA damit die richtige Entscheidung getroffen hat?

Worum geht es? Im letzten Kapitel der Zauberlehrlings-Saga müssen Harry, Hermine und Ron vor dem dunklen Lord Voldemort flüchten, da seine finsteren Schergen – die Todesser – Jagd auf sie machen. Wie in der Vorlage der englischen Schriftstellerin Joanne K. Rowling sind Harry und seine Freunde also gezwungen sich an den Plan von Dumbledore - dem Direktor der Zauberschule Hogwarts - zu halten und die verbleibenden Horkruxe zu zerstören. Das Spiel versucht sich in seinen Zwischensequenzen sehr eng an den Plot des Films zu halten, vergibt aber oftmals die Chancen echte Potter-Stimmung aufkommen zu lassen.

Wie sieht es aus? Grafisch macht Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 auf allen Plattformen einen sehr durchwachsenen Eindruck. Während die Präsentation im Vergleich zu den Vorgängern einen Schritt nach vorn macht – insbesondere das Motion-Capturing wurde verbessert – sind weite Strecken des Spiels schlichtweg hässlich. Insbesondere in den engeren Passagen wird augenscheinlich, dass das Spiel vergleichbaren Kinoadaptionen, wie z.B. Batman - Arkham Asylym,  klar hinterher hängt. Auch sind uns immer wieder kleinere Grafikbugs untergekommen. Davon einmal abgesehen gelingen den Entwicklern aber auch einige stimmungsvolle Szenerien, die in Erinnerung bleiben und der Filmvorlage gerecht werden.

Was uns gefällt: Leider hat uns das Spiel immer dann am besten gefallen, wenn es jenseits des neuen Shooter-Gameplays stattfand. So überzeugten uns die anständig integrierten und gut inszenierten Schleichpassagen noch am meisten. Hier muss Harry seinen speziellen Umgang verwenden, um den Blicken seiner Feinde zu entgehen. Das ist spannend und fordernd zugleich.

Was uns nicht gefällt: An sich ist die Idee, der Veränderung auf der Leinwand, auch eine Veränderung im Videospiel folgen zu lassen, gar keine schlechte. Schließlich muss sich auch der Film-Harry ständig seiner Haut erwehren, und so macht das neue Shooter-Gameplay durchaus Sinn. Schade nur, dass diese Designentscheidung so schwach ausgeführt wurde. Zum einen wird der - in den anderen Teilen sehr spaßige - Umgang mit dem Zauberstab durch die schlichte Ballerrei schnell belanglos. Zum anderen funktionieren die neuen Kernfeatures des Spiels – namentlich das Deckungssystem – nur bedingt. So bleibt es in temporeichen Passagen für ungeschulte Augen oft unklar, was überhaupt Schutz gewährt. Hinzu kommt eine sehr schwache Gegner-KI, die für ein übles Balancing sorgt. Auch eure Begleiter Ron und Hermine stellen aufgrund der künstlichen Dummheit zuweilen sehr merkwürdige Dinge an. Schließlich war uns Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 mit knapp sechs Stunden Spielzeit einfach etwas zu kurz.

Fazit: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 ist kein schlechtes Spiel. Doch im direkten Vergleich mit den bisherigen Teilen der Reihe ist die neuste Umsetzung des Stoffes ein ganz klarer Rückschritt. Das liegt in erster Linie am neuen Shooter-Gameplay, welches lineares Leveldesign und hohes Tempo, dem gemächlichen Erkunden von Harrys magischer Welt vorzieht. Hier lag jedoch eindeutig die Stärke der Vorgänger. Schlechte Entscheidung.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung