Warum Hellblade - Senua's Sacrifice das wichtigste Spiel 2017 sein könnte [Kommentar]

Sandro Kreitlow 2

Mit Hellblade: Senua’s Sacrifice zeigt sich Entwickler Ninja Theory mutig. Ohne Publisher entstand das neue Action-Adventure mit Indie-Mitteln. Und doch wirkt Hellblade wie ein Triple-A-Titel. Diese AA-Formel könnte Videospielentwicklung auf ein neues Level heben.

Hellblade: Senua's Sacrifice im Test.

Aus dem Nichts zeigt Entwicklerstudio Ninja Theory (Heavensword, Enslaved) der Videospielbranche eine neue Art der Geschichtenerzählung in diesem Medium, was scheinbar ausschließlich ohne Publisher im Rücken erreicht werden kann. Nach DMC: Devil May Cry, das unter Capcom veröffentlicht wurde, entschied sich das 20-Mann-Studio, das Spiel ohne finanzielle Unterstützung so zu entwickeln, wie sie es von Anfang an geplant hatten. Für nur 30 Euro ist Hellblade: Senua’s Sacrifice nun mit 8-10 Stunden Spielzeit auf dem Markt – mutig.

Hellblade - Senua's Sacrifice im Test: Angst und Schrecken in Perfektion

Ninja Theory beweist Mut

Nicht nur diese Entscheidung ist mutig, auch die Geschichte selbst ist es. Im Zentrum steht Senua, eine keltische Kriegerin, die in einem unwirklichen und vor allem unwirtlichen Konstrukt aus Mythos und Psyche gefangen ist und dort ums Überleben kämpft. Stellen muss sie sich dabei ihren eigenen Ängsten, die sie jagen, wobei sie sich mit einem Schwert zur Wehr setzt. In Form Hels, der nordischen Hölle, wird sie mit mehreren Ebenen der Psychose konfrontiert, während sie die Seele ihres verstorbenen Geliebten retten muss. Sie hört Stimmen, leidet unter Halluzinationen, Panikattacken und Zweifeln an sich selbst. Um diese schwerwiegende Thematik gerecht in ein Spiel einbauen zu können, kollaborierten die Entwickler mit Neurowissenschaftlern und mit Menschen, die unter einer Psychose leiden.

Klar, auch Triple-A-Titel wie The Last of Us oder Metal Gear Solid 5 erzählen wunderbare Geschichten, allerdings findet das Storytelling dort größtenteils in Zwischensequenzen statt. Hellblade hingegen verbindet die Geschichte Senuas mit dem Gameplay. Nicht nur Senua hört die Stimmen. Per Kopfhörer bist du dem Leiden Senuas sehr nah und bekommst zumindest annähernd den Eindruck wie es ist, permanent Stimmen zu hören. Ins Gameplay wird das beispielsweise integriert, wenn dich Stimmen vor einem Gegner warnen, der Senua außerhalb des Blickfeldes angreift. In einer anderen Situation warnt dich eine Stimme (umgeben von weiteren) davor, dass Senuas Fackel jeden Moment ausgehen könnte, wenn sie sich nicht im Dunklen sputet.

Vorsicht: intensiv!

Es ist eine Frage der Zeit, bist du an den Punkt gelangst, an dem du dich zwingen wirst, das Spiel fortzusetzen. Schließlich wird eine Intensität erreicht, die dir das Leiden Senuas näher bringt. Die Symptome werden zur Schau gestellt, der Schmerz der Protagonistin spürbar. Im Umgang mit der Psychose macht Ninja Theory keine Kompromisse – Ein Warnhinweis erscheint schon beim Start des Spiels, Menschen mit psychischen Krankheiten sollten vom Action-Adventure Abstand nehmen.

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Ebenso unkonventionell: Hellblade nimmt dich nicht an die Hand. Weder zeigt dir das Spiel den Weg, noch erklärt es dir Zusammenhänge. Weder gibt es ein Tutorial, noch ein Anzeigesystem. An Blockbuster-Titel passt sich Hellblade nie an – und trotzdem brillieren Technik, audiovisuelle Präsentation und Spieldesign in jeglicher Hinsicht.

Hellblade: Senua’s Sacrifice wirkt in seiner Präsentation wie ein Triple-A-Titel. Dank der hervorragenden Motion-Capturing-Arbeit von Melina Juergens wirkt jegliche Aktion Senuas glaubwürdig. Die Kamera ist dabei stets nah an Senua, wodurch die Bindung zum Spielcharakter enger wird. Sie bricht dabei sogar die vierte Wand, flüstert, spricht, schreit und fleht dich an.

Aus Indie-Mitteln entstand mit nur 20 Entwicklern ein Spiel, das dich mit neuen Ideen des Storytellings in den Bann zieht. Und viel bedeutender: Hellblade nutzt Elemente des Mediums, um eine Geschichte zu erzählen, die so nur als Videospiel funktionieren kann. In seinem Mut agiert Ninja Theory als Indie-Entwickler, in seiner Präsentation als Triple-A-Studio. Mit Hellblade: Senua’s Sacrifice beweist Ninja Theory anderen Entwicklern, dass ein kreatives Spiel mit hohem Produktionswert möglich ist. Die Videospielindustrie wird davon mit Sicherheit profitieren.

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