Heroes of Ruin Kurzcheck: Klein und fein ist anders

David Hain 1

Es scheint der Sommer der Hack’n’Slays zu sein, zumindest kriechen sie gerade jetzt allesamt aus ihren Löchern. Direkt nach „Diablo 3“ und kurz vor „Torchlight 2“ kommt nun „Heroes of Ruin“. Noch nichts davon gehört? Kein Wunder: Das kleine Action-RPG ist ein Exklusivtitel für den 3DS und kommt mit entsprechend kleinem Werbeumfang. Sollte man trotzdem mal Probespielen? Nicht unbedingt. Warum - lest ihr hier.

Heroes of Ruin“ braucht keine fünf Minuten, um ein wohlig-nostalgisches Schaudern zu erzeugen. Die isometrische Perspektive kennt man, der Held, klein und schemenhaft gezeichnet, hackt und ballert aus vollen Rohren, Monster geifern nach eurem Leben, müssen sich aber effektvoll dem Stakkato des Buttonmashing beugen, Items fallen und veredeln kurz darauf den strammen Heldenkörper oder werden beim Händler für teuer Geld verscherbelt.

Heroes Of Ruin Launch Trailer 3ds.

Die Essenz des Genres hat „Heroes of Ruin“ also drauf, so nah an den Veröffentlichungen der großen Konkurrenten fällt dann aber auf – im Detail hapert es an vielen Stellen. Der Spielfluss ist nie so geschmeidig, die Itemflut eher überschaubar gehalten, das Skillsystem wenig tiefgründig und ebenfalls recht unspektakulär. Abgesehen von einigen Bossbegegnungen wird es taktisch nie anspruchsvoller als „Draufschlagen“ oder „derbe Draufschlagen“, bis zum Schluss bleibt das Spiel zu leicht.

„Heroes of Ruin“ ähnelt in vielen Aspekten der letztjährigen „Wir wären auch gerne ein Diablo“-Versuchsanordnung „Dungeon Siege 3“, die Steuerung ist sogar exakt dieselbe. Auch das hatte zwar alle Zutaten, verlor dann aber viel Reiz im mittelmäßigen Brei aus Wiederholung, okay-er Grafik und genereller Spannungsarmut. Logisch, dass die Story völlig unterrepräsentiert ist – funktioniert schließlich sogar bei Blizzard nicht besser.

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Wie sehr das hier alles Standardprogramm ist, sieht man am Aufbau der Levels. Urwald, Eiswelt, Katakomben und am Schluss wird dann noch mal die mystische Parallelwelt aus der Grabbelkiste gekramt. Das Schlimme daran ist jedoch, dass sämtliche Dungeons aus wenigen Tilesets bestehen, die der Entwickler lediglich leicht variiert. Irgendwann, spätestens nach Mission Nummer zwei, hat man alle Varianten gesehen und kann Wegkreuzungen, Treppen und Truhen schon vorausahnen.

Einen Multiplayerpart gibt es übrigens auch, der tatsächlich auch seinen Reiz hat. Mit Freunden schnetzelt es sich sowieso immer vergnügter, wobei das Element der Interaktion ohne Chat (bzw. sehr umständlicher Chatfunktion) schnell verloren geht. Allerdings muss die Gruppe auf bummelnde Spaziergänger immer erst warten, was schon mal dazu führt, dass man eine Onlinepartie entnervt verlässt, weil alle Spieler im Level herumstreunen, die Mission aber nicht vorangeht.

Fazit
„Nett gemeint“ ist vielleicht das treffendste Fazit für ein Spiel, das nie wirklich schlecht ist, aber abgesehen vom durchaus vorhandenen Sammel- und Level-Up-Trieb keinerlei Kaufanreize bietet. Die Freude am Helden und seinen Items kommt bei der murkeligen 3DS-Grafik nie auf, das Skillsystem ist schlicht langweilig, die Dungeons aus immer gleichen Bausätzen zusammengesetzt. Es fehlen Highlights, optisch wie spielerisch. Obwohl „Heroes of Ruin“ die Grundsätze des Genres verstanden hat, erhebt es sich nie über Mittelmaß. Das kann man spielen, muss man aber nicht.

Wertung: 69%

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