Homo Machina: Eine digitale Reise in den menschlichen Körper

Alexander Gehlsdorf

Aufwachen, Kaffee trinken, zur Arbeit gehen — die meiste Zeit laufen wir wie ferngesteuert durch unseren Alltag, ohne wirklich zu hinterfragen, was unser Körper da eigentlich tut. Die App Homo Machina für iOS und Android lüftet das Geheimnis auf charmante Art und Weise.

Homo Machina - Trailer.
Was wäre, wenn der menschliche Körper wie eine Fabrik der 1920er Jahre aufgebaut wäre? An der Spitze sitzt ein Direktor, das Telefon stets griffbereit. Von dort aus koordiniert er die Aufgaben mit den Vorarbeitern und Angestellten, um das Werk in die Tat umzusetzen.

Frühstück ist harte Arbeit

Den Posten eben jenes Direktors nimmt in Homo Machina das Gehirn ein, das den entsprechenden Körperteilen und Organen Aufgaben erteilt. Das beginnt am frühen morgen logischerweise erst einmal mit dem Öffnen der Augen. Ein kurzes Telefonat und schon schiebt ein fleißiger Arbeiter (nach einer kurzen Diskussion, denn wer bleibt nicht am liebsten noch fünf Minuten länger liegen) die Linse in die richtige Position und die Fabrik wird mit Licht geflutet. Jetzt nur noch den passenden Film einlegen, damit die aufgenommen Bilder auch an den Direktor weitergeleitet werden können und der Tag kann beginnen.

Das anschließende Frühstück wird wiederum auf einem großen Förderband verarbeitet. Schneide- und Eckzähne in Form von riesigen Klingen teilen das Marmeladenbrot in handliche Stücke, während die Zahnrad-Backenzähne diese zu einem Brei malmen, aus dem die einzelnen Geschmäcker entnommen werden können.

Ein historisches Lernspiel

Mit dieser und zahlreicher weiterer Szenen bringt uns Homo Machina auf spielerische und völlig unaufdringliche Weise unseren eigenen Körper nahe, ohne wie ein trockenes, klassisches Lernspiel daher zu kommen. Das Besondere aber an Homo Machinas Art der Wissensvermittlung: Das Konzept des Spiels hat eine spannende, kulturhistorische Geschichte.

So beschäftigte sich der deutsche Arzt Fritz Kahn in den 1920ern Jahren mit dem menschlichen Körper, dessen Aufbau er in seinen Büchern mit einer Fabrik verglich. Der charmante Stil von Homo Machina orientiert sich dabei stark an den tatsächlichen Zeichnungen aus Kahns Büchern.

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1938 wurden seine Bücher von den Nationalsozialisten verboten und verbrannt, Kahn konnte seine Arbeit jedoch später im amerikanischen Exil fortsetzen. Homo Machina ist es jetzt gelungen, sein Werk für die aktuelle Generation auf originelle Art und Weise neu aufzuarbeiten.

Homo Machina erscheint am 17. Mai 2018 für iOS und Android.

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